Exerzitien mit P. Pius

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Osterbrief 2022

Sehr geehrte, liebe Besucher meiner Internetseite,

 

 

„… Frühling lässt

sein blaues Band

    wieder flattern

durch die Lüfte …“

 

so lauten bekannte Sehnsuchtszeilen des Dichters Eduard Mörike. – Wer möchte nicht in sie einstimmen in diesen Tagen des Frühlings, wenn die Sonne scheint, die Temperaturen steigen und es in der Natur sprießt und grünt und blüht?

 

Symbolträchtig haben Bund und Länder den kalendarischen Frühlingsanfang am 20. März als Stichtag gewählt, an dem viele Corona-Maßnahmen, die lange Zeit unser Leben eingeschränkt und bestimmt haben, fallen sollten.

Anfang April war es dann endgültig soweit. Viele von uns haben wohl schon lange auf diesen Moment gewartet, ja ihn herbeigesehnt. Wieder mal auf Veranstaltungen gehen können, Feiern in großer Runde, keine ständigen Kontrollen, Gottesdienste mit festlichem Chor- und Gemeindegesang ….

 

Endlich aufatmen – wäre da nicht doch immer noch das Virus. Auch wenn die Masken fallen, ist das noch nicht das Ende der Pandemie. Weiterhin sind Vorsicht und Rücksicht geboten.

 

Endlich aufatmen – wäre da nicht dieser völlig unnötige Krieg in der Ukraine mit seiner unsäglichen Brutalität, Zerstörung und Verwüstung, mit so viel Elend, Leid, Not und Tod. Dieser irrsinnige Krieg in Europa, in unserer Nachbarschaft. Unvorstellbar, aber wahr! Und ein Ende ist auch da noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Bilder von schrecklichen Massakern an Zivilisten und andere abscheuliche Kriegsverbrechen sind eher Hinweis auf eine grauenvolle Eskalation.

 

Endlich aufatmen – wäre da nicht auch die Angst vor einer Ausweitung des Krieges, die Gefahr eines Flächenbrandes, auf jeden Fall aber erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen, die wir – je länger, desto mehr – auch bei uns deutlich spüren werden. – Staunenswert und überaus beeindruckend ist aber auch die enorme Hilfsbereitschaft und Solidarität den tausenden Flüchtlingen gegenüber – auch hierzulande.

 

Endlich aufatmen – wären da nicht die sich immer deutlicher abzeichnenden und stärker auswirkenden Gefahren und drohenden Katastrophen durch den Klimawandel.

 

Die Welt ist aus den Fugen geraten.

Die Welt und ihre Krisen schwingen mit, wenn wir jetzt wieder im Straßen-Café die sonnige Frühlingsluft genießen.

Die Welt und ihre Krisen schwingen mit, wenn wir Christen jetzt wieder Ostern feiern, das Fest der Hoffnung und des Lebens.

 

Ein paradoxer Frühling! Er zeigt einerseits, wie fragil, wie verwundbar und zerbrechlich das Leben ist. Und andererseits, wie alles sich sehnt und drängt nach Licht und Leben, nach Befreiung, Freude und Frieden.

 

Dietrich Bonhoeffer schreibt:

„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alles zum Besten dienen lassen. – Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. – In solchem Glauben müsste die Angst vor der Zukunft überwunden sein.“

 

Ein Wort Jesu ist mir in den letzten Wochen immer wieder in den Sinn gekommen: „Frieden hinterlasse ich euch. Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt…“ Und weiter: „Euer Herz ängstige sich nicht und verzage nicht! (Joh 14, 27)

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen – trotz aller Widerwärtigkeiten und allen Bedrängnissen in dieser Welt und in unserem Leben – ein frohes und gesegnetes Osterfest, ein Fest der Hoffnung, das uns aufatmen lässt und Zuversicht schenkt – und ganz viel Gottvertrauen! Dunkel, Leid und Tod haben nicht das letzte Wort.

 

Christus ist auferstanden! „Die Auferstehung Christi macht offenbar, dass wir Zukunft haben. Leiden und Not verlieren dadurch nichts von ihrer Bitterkeit, aber sie erscheinen in einem neuen Licht“. (Dieter Bonhoeffer) – Neues Licht und Leben, inneres Hell- und Heil-Werden. Wo ersehne und brauche ich das für mich und für diejenigen, die zu mir gehören, an diesem Osterfest?

 

Seien und bleiben Sie gesund, behütet und gesegnet!

 

Es grüßt Sie

 

Ihr Pater Pius Kirchgessner, Kapuziner

 

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