Exerzitien mit P. Pius

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Die Taufe - Liebeserklärung Gottes

(Predigt am Fest der Taufe Jesu - 12. Januar 2020)

 

Wenn ich in eine Kirche gehe, suche ich in der Regel als Erstes das Weihwasserbecken. Ich tauche meine Fingerspitzen ein, mache eine Kniebeuge und das Kreuzzeichen. Und so auch beim Verlassen der Kirche.

 

Wir katholische Christen haben das als Kinder so gelernt und vollziehen diesen Ritus gewohnheitsmäßig. Für viele ist es nur eine flüchtige Handlung, ohne sich etwas dabei zu denken.

 

Auch zu Hause haben viele gläubige Katholiken in der Wohnung – z. B. im Schlafzimmer oder bei der Haustür – ein Weihwasserbecken und bekreuzigen sich mit dem Weihwasser vor dem Schlafengehen und vielleicht auch nach dem Aufstehen, beim Fortgehen und Wiederkommen, vor allem auch bei längeren Abwesenheiten und vor größeren Fahrten bzw. Reisen.

 

Der tiefere Sinn des Weihwassernehmens und sich damit Bekreuzigens ist aber nicht nur sich der Obhut Gottes anzuvertrauen, sich unter seinen Schutz und Segen zu stellen,

sondern das Weihwasser-Nehmen und sich Bekreuzigen dient auch dazu, sich an die eigene Taufe zu erinnern – oder zumindest sich das eigene Getauft-Sein bewusst zu machen, denn die wenigsten können sich an die eigene Taufe erinnern, weil wir ja gewöhnlich noch ganz klein, als Säuglinge, getauft wurden.

 

In der Taufe haben wir die lebensspendende Zuwendung Gottes erfahren und wurden in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Getauft-Sein bedeutet: Gott sagt Ja zu uns, zu einem jeden und jeder. Er liebt uns, jeden Tag, jede Stunde.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Unseren Geburtstag kennen wir, unseren Namenstag vielleicht, aber unseren Tauftag?

 

Ich habe von einem Priester-Pensionär gehört. Dieser hat sich den Eintrag ins Taufbuch seiner Heimatgemeinde herauskopieren und vergrößern lassen. Nun hängt dieser Eintrag eingerahmt in seinem Arbeitszimmer nahe dem Kreuz und einem Marienbild.

Und davor steht eine gebrauchte Osterkerze. Diese zündet er am Tauftag, am Namenstag und in der Osternacht an.

 

Dieser Ritus des pensionierten Geistlichen erinnert mich an Martin Luther. Von ihm wird erzählt, dass auf seinem Schreibtisch immer ein Zettel lag, worauf der Satz stand: „BABTIZATUS SUM = ICH BIN GETAUFT!“ – Und wenn es ihm ganz schlecht ging, wenn er an Gott und der Welt und an sich selbst zweifeln wollte, dann habe er ein Stück Kreide genommen und diesen Satz groß auf den Tisch geschrieben und dabei ganz laut zu sich selbst gesagt: „Martin, du bist getauft!“ – Das war für ihn tröstend und ermutigend. Das war für ihn befreiend und stärkend.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Es ist schön, wenn wir im Jahreslauf den eigenen Tauftag kennen, daran denken und in bewusst begehen.

Aber auch und besonders heute – am Fest der Taufe Jesu – können wir und dürfen wir uns unsere Taufe erinnern und uns unser Getauft-Sein ins Bewusstsein rufen.

 

Denn so wie bei der Taufe im Jordan Jesus ausgerufen und bestätigt wurde als „geliebter Sohn“ des Vaters, so wurde einem jeden von uns in der Taufe zugesagt: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter!“ – Wir sind, jede und jeder von uns ist von Gott bedingungslos geliebt und ganz und gar angenommen als sein geliebtes Kind, ohne unser Verdienst, gratis, umsonst. Es ist ein Geschenk seiner Gnade.

 

Gott sagt Ja zu mir und meinem Leben. Gott sagt Ja zu meinem Suchen und Fragen. Er sagt Ja zu meiner Sehnsucht. Er nimmt mich an, so wie ich bin, trotz und samt meiner Fehler und Mängel, trotz und samt meinem Versagen und meiner Schuld.

 

Ich weiß, es gibt Menschen, die sich wenig geliebt fühlen. Alle haben immer etwas an ihnen auszusetzen und herumzumäkeln. Und das Schlimmste: Sie selber finden sich nicht liebenswert. Sie können sich selber nicht ausstehen. Sie bringen es nicht fertig, zu sich selbst ja zu sagen, sich selbst anzunehmen und barmherzig mit sich zu sein.

Wenn sie sich die Zusage von der Taufe bewahren könnten und immer und überall wüssten – auch im Alltag, auch bei Ausgrenzung und Ablehnung, auch bei Leistungsdruck und in Stresssituationen: Da ist einer, der mich liebt, zumindest er. In seinen Augen bin ich wertvoll und kostbar, auch wenn Menschen mich anderes erfahren lassen und ich mich schwer tue, mich selbst anzunehmen. Ich bin sein Kind. Er liebt mich. Bei ihm bin ich geborgen.

 

Papst Leo der Große ermunterte im 5. Jahrhundert die Christen: „Christ, erkenne deine Würde!“ Man kann ergänzen: „…und lebe deine Würde!“ – Lebe, was du bist: Kind Gottes, Sohn Gottes, Tochter Gottes, von ihm gewollt, von ihm beim Namen gerufen, von ihm geliebt!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Das geweihte Wasser und das Kreuzzeichen können uns das immer wieder vor Augen führen und es uns bewusst machen. Deshalb ist es gut und sinnvoll, in Ruhe und mit Bedacht die Finger ins Weihwasser zu tauchen und sich damit zu bezeichnen und zu segnen.

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