Exerzitien mit P. Pius

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Gott ist Liebe - Liebe will Antwort

(Dreifaltigkeitssonntag; Lesejahr A; Joh 3, 16 - 18)

Evangelium

 

Gott hat seinen Sohn gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet wird

 

+Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

 

16Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

18Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat.

 

 

Von dem Tübinger Alttestamentler Fridolin Stier findet sich in seinem Tagebuch folgende (leicht veränderte) Geschichte:

Und dann kam Gott zu einem namhaften Theologen, dessen Buch vom Wesen und Wirken des dreifaltigen Gottes demnächst erscheinen sollte. „Sie kommen mir höchst gelegen“, sagte der Professor, „von meinem Buch haben Sie sicher schon gehört? Ich lese Ihnen gerne einiges vor.“ Gott nickte: „Lesen Sie, Herr Professor, ich bin ganz Ohr.“ Er las – Gott schwieg.

Als er zu Ende gelesen, das Manuskript weggelegt hatte, sah er auf, und da sah er den Blick… Er wagte nicht zu fragen. Endlich sprach Gott: „Meisterhaft, Herr Professor, mein Kompliment! Aber ob Sie es wohl verstehen? Wissen Sie, als Objekt, als Gegenstand betrachtet, besprochen, beschrieben, wird mir ganz seltsam zumute, grad , als ob ich meine eigene Leiche sähe. Einmal schreiben Sie, und das finde ich sehr treffend, ich wolle nicht in erster Linie als eine Wahrheit angesehen werden, eine für wahr zu haltende Wahrheit, sagen Sie, ich wolle vielmehr den Menschen selbst. Das ist es, Herr Professor, genau das!“ Und da wieder der Blick. – Gott erhob sich und schritt zur Tür. „Was wollen Sie von mir?“ schrie der Professor ihm nach. „Sie will ich“, sagte Gott, „Sie!“ – und die Tür schloss sich leise.

 

Der Franziskanerpater Heribert Arens, mein Predigtlehrer vor vielen Jahren in Münster, hat zu dieser Geschichte eine ähnlich erfunden, eine Geschichte aus unserem Leben:

Eine Frau kam in das Arbeitszimmer ihres Mannes, eines gelehrten Psychologieprofessors. Er hatte gerade ein Manuskript über das Wesen der Liebe abgeschlossen. Tag und Nacht hatte er daran gearbeitet. „Du kommst mir gerade recht“, sagte er zu seiner Frau, „ich möchte dir gern einige Passagen meines neuen Manuskriptes vorlesen. Sie nickte. „Lies nur“, sagte sie. Er las – sie schwieg. Er las wunderbare Passagen über das Wesen der Liebe, über Hingabe und Füreinander-Dasein, über Schenken und Beschenkt-Werden, über die personale Ausrichtung auf ein Du. Als er das Manuskript schloss, sah er sie erwartungsvoll und unsicher an. „Meisterhaft“, sagte sie, „wirklich meisterhaft!“ Aber ob du wirklich verstanden hast, was du schreibst? Weißt du, während du gelesen hast, wurde ich immer bedrückter. Du schriebst, wenn Menschen sich lieben, dann werden Worte immer unwesentlicher, Liebe will gelebt werden; der Mensch sehnt sich nicht nach vielen Worten, er sehnt sich nach dem anderen. Das ist es, das!“ – Und sie erhob sich und ging langsam zur Tür. „Was willst du von mir?“ rief er aufgeragt nach. „Dich will ich“, flüsterte sie, „Dich!“ Die Tür schloss sich leise.

 

Pater Heribert fügt dieser Geschichte folgende Gedanken hinzu:

“Es gibt Worte, es gibt Wahrheiten, es gibt Themen, die sind nachdenkenswert. Es lohnt sich, forschend in die Tiefe vorzudringen. Gleichzeitig drängen sie danach, Leben zu werden, sonst verfehlen sie ihren Sinn – und alle noch so tiefgreifenden Worte werden zum – vielleicht niveauvollen – Geschwätz.“ Und dann sagt P. Heribert: „Arme Frau, wenn du mit einem Mann verheiratet bist, der die Liebe forschend durchdringt, aber selber nicht von Liebe durchdrungen ist.“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Im Neuen Testament lautet eine der zentralen Aussagen: „Gott ist die Liebe“. Ein Spitzensatz! Gott hat nicht nur Liebe. Gott ist die Liebe. Sein Wesen ist Liebe. Aber das ist nicht nur ein Satz, eine abstrakte Wahrheit, eine theoretische Erkenntnis, sondern zuwendend, liebend, hat sich Gott im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder geoffenbart und sich in Liebe kundgetan.

 

Weil Gott Liebe ist, darum drängt ihn diese Liebe, nicht in sich selbst zu ruhen, nicht in sich selbst zu bleiben und – erhaben, unnahbar und fern – um sich selbst zu kreisen, sondern aus sich herauszugehen, in Kontakt zu treten und Beziehung aufzunehmen. Liebe will lieben und Liebe will Liebe. Sie sehnt sich nach Erwiderung. Liebe will Antwort.

 

In Beziehung treten, Beziehung aufnehmen – aus Liebe und im Verlangen nach Liebe, das hat Gott immer wieder getan.

Schon am Anfang in der Schöpfung des Menschen.

Auf die Frage „Warum hat Gott den Menschen geschaffen?“ hat der Franziskanertheologe Duns Skotus im Mittelalter die Antwort gegeben: „Deus vult condiligentes se“ In freier Übersetzung: „Weil er Sehnsucht hat nach Wesen, die mit ihm lieben!“

 

Sodann tat er es Israel gegenüber. Er schloss mit Abraham einen Bund und hat ihn später immer wieder erneuert. Er hat sein Volk begleitet. Auch wenn es von ihm abgefallen ist, hat er es nicht fallen lassen. In Treue hat er an ihm festgehalten, auch wenn das Volk störrisch war, aufbegehrte, untreu wurde. Immer wieder hat er seine Hand ausgestreckt, immer wieder war er bereit zu verzeihen und einen neuen Anfang zu gewähren.  Immer wieder war sein Erbarmen größer als alle Schuld.

 

Das kommt auch in der ersten Lesung heute zum Ausdruck, aus dem Buch Exodus. Da spricht Gott zu Mose: „Ich bin (Jahwe ist) ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue.“

Sind das nicht gleichsam Worte aus dem Herzen Gottes? Eine ganz großartige Selbstoffenbarung Gottes! Und das kurz nach dem Tanz ums Goldene Kalb, dem schlimmen Abfall von Gott!

 

Der größte Beweis der Liebe Gottes ist die Menschwerdung seines Sohnes. In Jesus Christus zeigt sich die Barmherzigkeit Gottes und seine Treue zu den Menschen auf unüberbietbare Weise. Im Evangelium heute haben wir es gehört: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn für uns dahingab.“ – Und Jesus, der Sohn sprach nicht nur von der Liebe Gottes, sondern – von Liebe erfüllt – hat er sie in seinem Leben wirksam und lebendig werden lassen: Den Heillosen gegenüber, den Sündern, den Schwachen und Armen, allen gegenüber die sich sehnten nach Liebe und Erlösung. Von diesem Sohn heißt es: „Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung“, bis zum Äußersten, bis zum Tod am Kreuz.

 

Und dann ließ er – in  seiner Liebe – die Seinen nicht allein und auf sich gestellt zurück, sondern sandte seinen Geist als Influencer, als Tröster und Beistand, den Geist „der in den Herzen der Gläubigen, die Liebe entzündet“, den Geist, der das Werk Jesu weiterführt, die Kirche begleitet und alle Heiligung vollendet (siehe 4. Hochgebet).

 

Liebe Schwestern und Brüder!

All diese Liebesbewegungen Gottes wollen den Menschen nicht dazu bringen, sich über die dreifaltige Liebe schlaue und hochtrabende Gedanken zu machen, darüber zu theoretisieren, zu philosophieren und Manuskripte zu erstellen, sondern im Menschen ebenfalls eine Bewegung der Liebe zu entfalten.

 

Sehen Sie: Wenn es stimmt, dass der dreieinige Gott Liebe ist, und wenn es stimmt, dass er in dieser Liebe auf uns zugeht, dann lautete die entscheidende Frage nicht: „Was können wir heute über diesen Gott und sein dreieiniges Wesen sagen, wie können wir es erklären?“ Die entscheidende Frage lautet: „Wie können wir einschwingen in die Bewegung seiner Liebe?“ – Die Kernfrage ist nicht: „Wie gut und klug sind unsere Spekulationen, wie richtig unsere Definitionen, wie gescheit unsere Formulierungen und Abhandlungen über den dreieinigen, liebenden Gott?“, sondern: „Wie nehmen wir diese Liebe an und auf, wie reagieren wir darauf? Prägt diese Liebe unser Leben? Und wie wird sie im Alltag wirksam und lebendig?“

 

Wie recht hat doch Paulus, wenn er den Korinthern schreibt: „Wenn ich mit Menschen-, ja mit Engelszungen reden könnte, hätte aber die Liebe nicht…“ (1 Kor 13)!

 

„Was willst du von mir?“ rief er ihr aufgeregt nach. – „Dich will ich“, flüsterte seine Frau, „Dich!“

„Was willst du“ schrie der Professor ihm nach, „was?“ – „Dich will ich“, antwortete Gott. „Dich!“

 

(Diese Predigtgedanken verdanke ich einer Vorlage von P. Heribert Arens)

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