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Erste Lesung
Dieser Mann, der ständig bei uns vorbeikommt, ist ein
heiliger Gottesmann
Lesung
aus dem zweiten Buch der Könige
8Eines
Tages ging Elíscha nach Schunem. Dort lebte eine
vornehme Frau, die ihn dringend bat, bei ihr zu essen.
Seither kehrte er zum Essen bei ihr ein, sooft er
vorbeikam.
9Sie
aber sagte zu ihrem Mann: Ich weiß, dass dieser Mann,
der ständig bei uns vorbeikommt, ein heiliger Gottesmann
ist.
10Wir wollen ein kleines, gemauertes Obergemach herrichten und dort ein
Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter für
ihn bereitstellen. Wenn er dann zu uns kommt, kann er
sich dorthin zurückziehen.
11Als Elíscha eines Tages wieder hinkam, ging er in das Obergemach, um dort
zu schlafen.
14Und als er seinen Diener Géhasi fragte, was man für die Frau tun könne,
sagte Géhasi: Nun, sie hat keinen Sohn und ihr Mann ist
alt.
15Da befahl er: Ruf sie herein! Er rief sie und sie blieb in der Tür stehen.
16aDarauf versicherte ihr Elíscha: Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du
einen Sohn liebkosen.
Evangelium
Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, ist meiner nicht
wert. – Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf
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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
37Wer
Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht
wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist
meiner nicht wert.
38Und
wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt,
ist meiner nicht wert.
39Wer
das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben
um meinetwillen verliert, wird es finden.
40Wer
euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich
aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
41Wer
einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird
den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten
aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines
Gerechten erhalten.
42Und
wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher
frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist
– Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen
Lohn kommen.
Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Auf den ersten Blick wirken die erste Lesung und das
Evangelium dieses Sonntages, wie Tag und Nacht.
In der ersten Lesung
erleben wir eine fast schon familiäre, herzerwärmende
Szene: Eine wohlhabende Frau in Schunem beweist einen
feinen Blick für die Bedürfnisse des Propheten Elischa.
Sie spürt, dass dieser Mann Gottes einen Rückzugsort
braucht. Sie baut kein Denkmal, sie gründet keine
Stiftung – sie stellt einfach ein Zimmer bereit. Ein
Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Leuchter. Pure,
handfeste Gastfreundschaft!
Und dann das Evangelium:
Jesus spricht Worte, die uns im ersten Moment wie ein
Schlag vor den Kopf treffen. Wer Vater oder Mutter mehr
liebt als mich, ist meiner nicht wert. Er spricht von
harten Brüchen, vom Kreuztragen, vom Verlust des eigenen
Lebens. Das klingt radikal, fordernd, fast schon
unbarmherzig.
Wie passen diese beiden Welten zusammen?
Der Schlüssel liegt im letzten Teil des Evangeliums.
Dort schlägt Jesus die Brücke zurück nach Schunem.
Er sagt:
„Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist,
wird den Lohn eines Propheten erhalten.“
Und er fügt hinzu: „Wer einem von diesen
Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken
gibt…“
Plötzlich merken wir:
Es geht in beiden Texten um dieselbe Kernfrage. Es geht
darum, wie wir Gott in unserem Leben Raum geben – und
wie sich dieser Glaube im Alltag ganz konkret zeigt.
Drei Gedanken dazu, was uns diese Texte heute sagen
wollen:
Erstens: Die Prioritäten klären.
Wenn Jesus sagt, wir sollen ihn mehr lieben als die
eigene Familie, fordert er keine Gefühlskälte. Er
fordert eine klare Ordnung in unserem Herzen. Wenn Gott
an der ersten Stelle steht, rutschen alle anderen
Beziehungen nicht nach hinten, sondern sie stehen erst
auf dem richtigen Fundament.
Die Frau aus Schunem hat das instinktiv verstanden.
Sie erkennt Elischa als „heiligen Mann Gottes“. Sie tut,
was sie tut, nicht für ihr eigenes Prestige, sondern aus
Ehrfurcht vor Gott.
Das Kreuz auf sich nehmen, von dem Jesus spricht,
bedeutet zuerst: Ja zu sagen zu dieser radikalen
Ausrichtung auf Gott.
Zweitens: Die Gabe der Gastfreundschaft
Die Frau von Schunem baut ein Zimmer auf dem Dach. Sie
schafft Raum. Und genau das ist die Einladung an uns: Wo
schaffen wir in unserem vollgepackten Alltag noch Räume
für Gott? Und wo schaffen wir Räume für die Menschen um
uns herum?
Gastfreundschaft im biblischen Sinne meint nicht das
perfekte Kaffeeservice für die besten Freunde. Es meint
die Offenheit für den Anderen, den Fremden, den
Suchenden. Jemanden aufzunehmen bedeutet, ihm zu
signalisieren: „Du bist gewollt. Dein Platz ist hier.“
Drittens: Die Macht der kleinen Gesten
Das Schönste am heutigen Evangelium ist der Becher mit
frischem Wasser. – Jesus verlangt von uns keine
heldenhaften theologischen Abhandlungen oder
weltverändernden Großtaten. Er schaut auf die Details.
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Ein Bett für den Propheten.
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Ein Becher Wasser für den
Durstigen.
-
Ein offenes Ohr für den
Einsamen.
-
Ein ehrliches Lächeln an der
Supermarktkasse.
Gott
schreibt seine Heilsgeschichte erstaunlich oft im
Kleingedruckten unseres Lebens. Die Frau von Schunem
ahnte nicht, dass ihre Gastfreundschaft ihr Leben
verändern und ihr den ersehnten Sohn schenken würde. Sie
tat es einfach, weil es für sie dran war.
Liebe Schwestern und Brüder!
Jesus lädt uns heute ein, Agenten dieser leisen, aber
revolutionären Gastfreundschaft und Liebe zu sein. Wenn
wir Christus an die erste Stelle setzen, dann werden
unsere Augen geöffnet für die „Kleinen“ am Wegrand.
Achten wir
in dieser Woche auf die Gelegenheiten, in denen wir
jemandem einen „Becher frisches Wasser“ reichen können –
sei es durch konkrete Hilfe, durch Respekt oder durch
ein gutes Wort. Denn wer den Menschen Raum gibt, der
gibt Gott Raum. „Wo
die Güte und die Liebe, da ist Gott.“
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