Exerzitien mit P. Pius

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Wurzelstock und Rose

(Bildmeditation zu einem Bild von Sieger Köder) 

Vom Schwarz am unteren Bildrand und an den Seiten

über das Grau in der Mitte bis zum Weiß oben in der Mitte des Bildes:

ein harter Kontrast, wenn auch mit fließenden Übergängen.

 

Wenn wir auf unser Leben schauen

(oder auch auf das zu Ende gehende Jahr)

fallen uns vermutlich helle Abschnitte ein und dunkle,

schöne Stunden – erfreulich, lichtvoll –

aber auch traurige, schwere Zeiten.

Und viele Stunden und Tage gehören einfach dem so genannten grauen Alltag an.

 

Licht fällt von oben in das Bild.

Es dringt langsam bis auf den Grund.

Wie von einem gewaltigen Strom wird das Dunkel an den Rand gedrängt.

Das Licht aus der Höhe ist so stark, dass aus totem Gehölz Leben wachsen kann.

 

Wie geöffnete Arme streckt sich das grobe, tote Holz dem Licht entgegen,

wie Hände, die sich sehnsüchtig erheben.

Es ist als ob der leblose Baumstumpf zum Himmel flehte.

 

Aufgebraucht ist er, aufgebrochen, aufgespalten,  hohl und leer.

Der Baum, der einmal da stand

in all seiner Größe und mit all seiner Pracht,

den gibt es nicht mehr.

 

Gewalt hat er erlebt.

Umgehauen wurde er oder abgesägt.

Man sieht noch Blut am gefällten Holz.

Tot ist er. Ohne Zukunft.

 

Und doch:

der Schatten des Todes muss dem Licht aus der Höhe weichen.

Hoffnung wächst, wo niemand es vermutet, empor zum Licht.

Durch die gespaltene, zerklüftete Leere schiebt sich behutsam zartes Leben,

ent-faltet sich, ent-wickelt sich, blüht auf, langsam zwar, aber doch wirklich.

 

Da, wo die wärmenden Strahlen des Himmels auf den Grund vordringen,

da entsteht Nährboden für das Gute, für Frucht;

bereit zum Wachsen, bereit zu kraftvollem Leben.

 

„Seht her:

Nun schaffe ich etwas Neues.

Schon sprosst es. Merkt ihr es nicht?

(Jes. 43,19)

 

Aus dem Baumstumpf wächst ein Reis,

hier im Bild von Sieger Köder eine rote Rose.

Zeichen für Verheißung, Hoffnung, Heilung.

Zeichen für Leben, Freude, Liebe, vielleicht sogar Leidenschaft.

 

Die Rose spricht die Sprache der Liebe.

Hier im Bild spricht durch sie Gott:

„Du Mensch, ich liebe dich – mit unendlicher Liebe.

Ich bin Mensch geworden auch für dich!

Hab keine Angst! Ich verlasse dich niemals.

Fürchte dich nicht! Denn ich bin mit dir.“

 

Mag die Nacht noch so dunkel sein, „das Licht leuchtet in der Finsternis“ (Joh 1).

Mag der Tod scheinbar endgültig sein, die Kraft der Rose ist stärker.

Sie wächst aus dem Tod.

Sie überwindet den Tod.

Sie leuchtet in der Mitte des Untergangs.

 

Bei uns, in uns gibt es manches, was wie abgestorben ist, wie tot.

Bei uns, in uns gibt es aber auch Hoffnungszeichen, Lichtblicke.

Bei uns, in uns gibt es vieles, was sich nach dem Licht ausstreckt,

vieles, was auf Wachsen, Neuwerden, Verwandlung wartet

und zum Leben drängt.

 

„Baumstumpf Isais“ nennt S. Köder dieses Bild.

Isai war der Vater des Königs David.

Beim Propheten Jesaja lesen wir:

„Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor,

ein junger Trieb aus seiner Wurzel bringt Frucht“ (11,1).

 

Die Kirche hat seit jeher „das Reis bzw. den jungen Trieb, aus dem Stamm Isais“ mit Jesus Christus und seiner Menschwerdung in Verbindung gebracht.

 „Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart…“

singen wir in einem alten Weihnachtslied.

 

Zwischen den toten Armen des Baumstumpfes wächst eine Rose.

Der Wurzelstock treibt noch einmal und blüht.

 

Aus dem alten Israel kommt der Retter, der Heiland, unser Erlöser, Jesus Christus.

ER ist die Rose, von der der Prophet Jesaja spricht.

Heimgesucht hat uns das Licht aus der Höhe.

 

Du Gott,

ein Mensch, herabgestiegen in unsere Endlichkeit,

in unsere Dunkelheit, in unsere Armut und Leere,

in unsere Angst und Einsamkeit.

 

Du Gott,

liebendes JA,

ziehst uns zu dir in deine Ewigkeit,

in dein Licht, in deine Fülle, in dein Glück, in dein Reich.

 

Hab Dank, Herr,

dass du zwischen Steinen der Verzweiflung und Angst

Deinen Baum der Hoffnung grünen lässt

und die helle Freundlichkeit der Liebe auf hohlem Stumpf.

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