Exerzitien mit P. Pius

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Maria: Gefährtin auf dem Weg, Schwester im Glauben

(Predigt in der Wallfahrtsmesse in Zell a. H. am Samstag, 27.10.2012)

Beim Aufräumen bin ich auf einen alten Rundbrief der Reihe „Echo der Liebe“ von P. Werenfried von Straaten gestoßen. P. Werenfried, auch unter dem Namen Speckpater bekannt, schreibt darin folgendes über Maria:

 

„Maria ist die Mutter des Sohnes Gottes. Sie ist die geliebte Tochter des Vaters. Sie ist die Braut des Hl. Geistes. Aufgrund ihres Mitwirkens an Jesu Erlösungswerk ist sie unerreichbar hoch und erhaben über Engel und Menschen gestellt. Sie ist allen Lobes würdig, weil sie voll der Gnade ist und ihre makellose Heiligkeit sich ein Leben lang in der Vollbringung des göttlichen Willens bewährt hat. Im göttlichen Heilsplan nimmt sie einen außergewöhnlichen Platz ein. Einzigartig ist ihre Stellung in der Kirche, deren würdigstes Mitglied und erlesenstes Vorbild sie ist.“

 

Soweit dieses Zitat von P. Werenfried von Straaten.

Jeder Satz ist richtig, kein Wort verkehrt.

Alles stimmt mit der Lehre der Kirche überein.

Ich und Sie gewiss auch, liebe Wallfahrerinnen und Wallfahrer, nicht wahr, wir könnten alles unterschreiben, keine Frage.

 

Und doch, liebe Schwestern und Brüder, begegne ich immer wieder Menschen, vor allem aus der mittleren und jüngeren Generation, denen solche Sätze, auch wenn sie noch einigermaßen praktizierende Katholiken sind, nichts mehr sagen und die sich schwer tun, solche Glaubenswahrheiten zu verstehen.

 

Das Bild Mariens, wie es vielfach gezeichnet wurde und manchmal noch wird, ist ihnen fremd geworden.

Maria kommt ihnen so hoch erhoben vor und damit unerreichbar, dass sie damit nichts anfangen können.

Sie finden keinen Zugang zu ihr. Der Abstand ist zu groß.

 

Fast zur gleichen Zeit, da ich die Zeilen von P. Werenfried über Maria las, bin ich auch auf einen Text der hl. Theresia von Lisieux gestoßen. Da heißt es:

 

„Wie gerne wäre ich Priester geworden, um über die selige Jungfrau zu predigen! Ich hätte vor allem gesagt, wie wenig wir eigentlich von ihrem Leben wissen.

Man dürfte nicht unwahrscheinliche Dinge über sie erzählen.

Damit eine Predigt über die selige Jungfrau Frucht trägt, müsste sie ihr wirkliches Leben aufzeigen, so wie das Evangelium es durchblicken lässt.

Man zeigt uns die selige Jungfrau unerreichbar. Man müsste sie nachahmbar zeigen… Man müsste sagen, dass sie – wie wir – aus dem Glauben gelebt hat. Man müsste so von ihr sprechen, dass die Menschen sie lieben können.

Wenn man bei einer Predigt über die Muttergottes von Anfang bis zum Ende gezwungen wird, vor Staunen nach Luft zu schnappen, lauter Ach und Oh, hat man bald genug. Und das führt weder zur Liebe noch zur Nachahmung.

Wer weiß, ob nicht manche Seele zuletzt sogar bis zu einer Entfremdung von einem derart überlegenen Geschöpf getrieben wird?“

 

Das ist keine Aussage unserer Tage. Wenige Wochen vor ihrem Tod hat die junge französische Karmelitin sich so über Maria geäußert. – Sie hielt nicht viel davon, Maria hochzustilisieren, sie in eine unerreichbare Ferne zu rücken. Sie wollte eine Beziehung des Vertrauens, der Nähe, der Liebe.

Maria war für Therese von Lisieux keine Welt enthobene, Göttin ähnliche Himmelskönigin, sondern eine Frau, die in den Anforderungen und Herausforderungen des Lebens ihren Weg mit Glauben und Vertrauen zu gehen suchte.

Als Mensch, der Leid und Angst und Freuden und Schmerzen kannte wie wir, war Maria für Therese Schwester im Glauben, Gefährtin auf einem oft nicht leichten Weg und Zuflucht und Trost in ihrer qualvollen Todeskrankheit.

 

Maria: Gefährtin auf dem Weg, Schwester im Glauben.

Das sind Bezeichnungen und Bilder von Maria, die auch mich ansprechen und die für mich auch stimmig sind.

Denn in immer neuen Situationen wird der Glaube Mariens herausgefordert. In immer neuen Situationen muss sie hören und entdecken, was Gott von ihr will. Immer neu, muss sie lernen loszulassen. Immer neu ist ihr Gottvertrauen gefragt.

 

Maria: Gefährtin auf dem Weg, Schwester im Glauben.

Das heißt nicht, dass alle anderen Titel und Ehrbezeichnungen, die im Laufe der Jahrhunderte Maria gegeben wurden nicht wahr und richtig und gültig sind. Natürlich ist und bleibt Maria die schuldlos Geborene, die einzigartig Erkorene, die fleckenlos Reine, die Heiligste der Frauen, die Schönste von allen, hoch über Engel und Menschen gestellt, wie P. Werenfried von Straaten schreibt.

 

Aber meine Erfahrung ist die, dass heute Menschen, denen Maria entrückt und fremd geworden ist, wieder einen Zugang zu ihr finden, wenn sie das Mädchen aus Israel entdecken, die Frau aus Nazareth. Maria kommt ihnen nahe als Weggefährtin und Schwester im Glauben.

 

Das macht sie uns verwandt. Da wird Maria eine von uns.

Da steht Maria nicht mehr so hoch und erhaben über uns, unvergleichlich, unerreichbar, sondern sie steht neben uns.

Sie steht geschwisterlich bei uns.

 

In einem gern gesungenen Lied wird Maria in einer Strophe als „Frau aus dem Volke“ angesprochen. „Du, Frau aus dem Volke“. Und weiter heißt es von ihr: „…kennst Arbeit und Sorge ums tägliche Brot, die Mühsal des Lebens in Armut und Not.“

 

Trotz ihrer Erwählung durch Gott war Maria Ängsten und Nöten, Sorgen und Fragen nicht enthoben. Leid und Schmerz sind ihr nicht erspart geblieben.

 

Aber im gläubigen Wissen um Gottes Treue fand sie Kraft, an seine Verheißungen zu glauben, Geduld zu haben und auch Schweres auszuhalten und durchzutragen.

 

Maria: Gefährtin auf dem Weg, Schwester im Glauben.

Als solche kann uns Maria Vorbild sein und Mut machen, in allen Enttäuschungen, Nöten und Problemen nicht zu verzagen, sondern – wie sie – unseren Weg mit frohem Mut zu gehen, hoffend auf Gottes Schutz und Hilfe und im Vertrauen auf sein Gnade und seinen Beistand. Im Blick auf Maria und mit ihr an der Seite können wir unser Leben aus der Kraft des Glaubens immer neu wagen. Amen.

 

kurze Stille

 

Im Gotteslob gibt es innerhalb der Marienandacht einen Abschnitt, der überschrieben ist mit „Schwester im Glauben“.

 

Diesen Abschnitt wollen wir nun an Stelle der Fürbitten beten:

Nr. 783, 5

 

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