Exerzitien mit P. Pius

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Ablehnung Jesu in Nazareth

(14. Sonntag - Lesejahr B, Mk 6, 1 - 6)

 

Jesus kommt zum ersten Mal nach Nazareth zurück, in das Dorf, aus dem er stammt, in seine Heimat, dahin, wo er groß geworden ist, wo er als Kind gespielt, die Schulbank gedrückt und viele Jahre als Bauhandwerker gearbeitet hat.

 

Wie mag sich Jesus gefühlt haben?

Hat er sich gefreut auf das Wiedersehen mit seinen Landsleuten? War er gespannt?

 

Und die Bewohner von Nazareth?

Wie regieren sie auf ihren Heimatsohn? Was haben sie bereits von ihm gehört? Waren sie neugierig auf ihn?

 

Jesus hat ja eine Zeit eindrucksvollen Erfolges hinter sich.

Viele Menschen haben seine Wunderkraft erfahren.

Unzählige drängten sich um ihn, um seine Botschaft vom Anbruch der Gottesherrschaft zu hören.

 

Nun steht Jesus am Sabbat in der Synagoge von Nazareth und predigt.

Die Leute sind gespannt und gleichzeitig gebannt. Sie geraten ins Staunen.

Wie begnadet er redet! Seine Lehre ist anders als gewohnt.

Jesus spricht in neuer Weise über Gott und den Menschen.

Und er steht mit seiner ganzen Person hinter dem, was er sagt.

 

Jesus in Nazareth.

Ein Heimspiel, könnte man meinen. Aber Jesu Heimatauftritt wird zum Flop.

 

Die Stimmung wechselt. Skepsis macht sich breit:

Woher hat er das alles? Woher nimmt er das Recht, so zu reden? Weisheit und Wunder, wie kommt er dazu?

Die Verblüffung weicht dem Argwohn. Fragen und Zweifel werden laut:

Was will der denn? Was bildet der sich ein?

Den kennen wir doch! Was hat der uns schon zu sagen?

Der kann anderswo Eindruck machen, nicht bei uns. Uns kann der nichts vormachen.

Der war doch 30 Jahre hier, ein Sohn kleiner Leute, Zimmermann.

Den soll Gott ausgesucht haben, ausgerechnet den? Das gibt’s doch gar nicht.

Das bewundernde Staunen schlägt in Ablehnung um.

„Und sie nahmen Anstoß an ihm.“

 

Liebe Mitchristen!

Was haben denn die Leute aus Nazaret falsch gemacht?

Was stimmt bei ihnen nicht? Wie kommt es nach anfänglichem Staunen und Anflügen von Lokalpatriotismus zur Ablehnung?

Warum galt ihnen Jesus nichts? Warum konnten sie in ihm nicht den Boten Gottes erkennen? Woher rührt ihr Unglaube?

 

Die Leute von Nazaret müssen wohl eine ganz bestimmte Vorstellung gehabt haben, wie das wäre, wenn Gott ihnen etwas sagen würde. Sie müssen ganz genau gewusst haben, wie das wäre, wenn der wahre Prophet käme.

 

Wenn Gott einmal sprechen würde, dann nicht in ihrer Synagoge, sondern im Tempel der Hauptstadt.

Wenn Gott einmal sprechen würde, dann nicht durch einen Mann aus einem kleinen Nest wie Nazaret, aus einem so armseligen Kaff, von dem die Leute rund herum abschätzig sagen: „Was kann aus Nazareth schon Gutes kommen?“

 

Wenn Gott einmal sprechen würde, dann nicht durch einen, der 30 Jahre lang keinem aufgefallen war.

Wenn der Heilige – gepriesen sei er – einmal endgültig sprechen würde, dann müssten die Sünder wehklagen, dann würde ganz Israel erschüttert sein, dann würden Zeichen am Himmel geschehen, dann hielte die Welt den Atem an.

Wenn am Ende der Verheißene, der lang Ersehnte für Israel käme, dann würde alles ganz anders sein.

 

Die Landsleute Jesu, die ihn von Kindesbeinen an kennen, vermögen in Jesus nicht den von Gott Gesandten zu sehen.

Sie können in seinen Taten das göttliche Wirken nicht erkennen.

Das übersteigt ihren Horizont. Sie sind voreingenommen.

Sie sortieren Jesus ein. Sie stecken ihn in die Schublade:

„Was will der denn? Den und seinen Clan kennen wir doch!“

 

Und Jesus?

Er hat keine Chance.

Markus stellt nüchtern fest: „Er konnte dort kein Wunder tun.“

 

Wo Menschen sich Jesus verschließen und ihr Herz verhärten, wo Menschen Jesus nicht vertrauen und an seine göttliche Macht nicht glauben, da ist seine Wunderkraft wie gelähmt.

Jesu Güte findet eine Grenze an der Voreingenommenheit und an der geistlichen Verschlossenheit seiner Landsleute.

Es fällt ihm nur ein Sprichwort ein. „Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat…

Es scheint, als finde sich Jesus mit der schlechten Aufnahme ab, auf die er in Nazaret stößt.

Allerdings bemerkt Markus noch: „Er wunderte sich über ihren Unglauben.“

 

Liebe Schwestern und Brüder! Nazareth ist überall.

Wer ist Jesus für uns? Welches Bild haben wir von ihm?

Lassen wir uns noch etwas von ihm sagen?

Ändern wir auf sein Wort hin unser Leben?

Lassen wir uns von ihm herausreißen aus alten Gleisen, aus unserem Trott, aus eingefahrenen Gewohnheiten?

Verpassen wir nicht auch ständig die Chance umzukehren, unser Leben von Grund auf zu ändern?

Aber brauchen wir das überhaupt? Sind wir nicht recht? Meinen wir es nicht gut?

 

Nein, wir lassen uns auch nicht gern aufrütteln. Wir lassen uns auch nicht gern stören. Wir wollen unsere Ruhe haben.

Auch wir haben oft unser Bild, unser Urteil. Auch wir haben unsere blinden Flecken und Voreingenommenheiten.

Und da kann nicht sein, was nicht sein darf.

 

Nazaret ist jetzt. Nazaret ist hier.

Wir sind jetzt in der Kirche. Vielleicht sind wir es jeden Sonntag. Wir hören in Lesung und Evangelium das Wort Gottes.

Wie oft denken wir: altbekannt, nichts Neues, das kenne ich doch schon alles.

Und schalten ab, machen dicht oder stellen auf Durchzug, haben keine Erwartungen mehr.

 

Das Wort Gottes hat keine Chance. Wir lassen es nicht an uns heran. Dabei kennen wir es keineswegs.

Und vor allem: Hapert es nicht immer wieder an der Umsetzung?

Sind wir nicht oft meilenweit davon entfernt, es in unserem Leben zu verwirklichen?

Wir finden Ausreden und haben Entschuldigungen.

 

Bitten wir den Herrn, dass er uns öffnet für sein Wort!

Bitten wir den Herrn, dass wir es mit gläubigem Herzen aufnehmen, uns davon berühren lassen.

Bitten wir den Herrn, dass es uns auch in der Begegnung mit anderen Menschen, die wir genau zu kennen meinen und im Zusammenleben mit ihnen, wo wir vielleicht auch keine Erwartungen mehr haben, dass es uns gelingt, immer wieder Schablonen und Schubladen zu sprengen.

Bitten wir den Herrn, dass es uns drängt, unser Leben nach seinem Wort und Beispiel auszurichten.

 

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