Exerzitien mit P. Pius

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Ihr seid das Licht der Welt

(5. Sonntag im Lesejahr A; Mt 5, 14 - 16)

EVANGELIUM                                                                                                   Mt 5, 13 -16

Euer Licht soll vor den Menschen leuchten

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

13Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.

14Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.

15Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.

16So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

 

 

„Man stellt das Licht auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen im Haus."

Mit Licht ist unser Glaube gemeint, unser christliches Leben.

 

„Man stellt das Licht auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen im Haus.“

Es ist absurd, ein Licht, das erhellen soll, dadurch um seine Wirkung zu bringen, dass man es verbirgt.

 

Jesus sagt: „Euer Licht soll vor den Menschen leuchten.“

Das Licht soll leuchten. Dazu ist es da.

Verstecktes Licht nützt keinem und ist sinnlos.

 

„Man stellt das Licht auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen im Haus.“

Es ist Jesus ganz viel daran gelegen, dass wir unseren Glauben und unsere Zugehörigkeit zu ihm nicht verstecken.

Und auch seine Botschaft, sein Wort will ausstrahlen, Kreise ziehen, die Herzen der Menschen ergreifen, entflammen und erhellen.

 

„Schämt euch nicht des Evangeliums“, sagt der Apostel Paulus.

Gottes Wort ist wie ein Licht. Es darf kein Geheimnis bleiben.

Wir sind aufgefordert, die Botschaft weiterzusagen und den Glauben weiterzutragen, mutig, engagiert, ohne Feigheit, ohne Scheu und Menschenfurcht.

 

„Man stellt das Licht auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen im Haus.“

Wer Gottes Wort in sich aufgenommen hat, wer ergriffen ist von der Botschaft Jesu, kann gar nicht anders: Er muss es weitersagen. Sein Leben bekommt zwangsläufig Zeugnischarakter. Es wird praktiziertes Evangelium.

Solcher Glaube wird lebendig und wirksam mitten in der Welt.

 

„Man stellt das Licht auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen im Haus“, sagt Jesus. Und: „Euer Licht soll vor den Menschen leuchten.“

 

Aus diesen Worten höre ich eine Sorge heraus: die Sorge, dass es zu wenig hell leuchtendes, ausstrahlendes Christenleben gibt; die Sorge, dass der Glaube derer, die zu ihm gehören, als geheime Verschlusssache behandelt wird, dass er nicht hinausgeht in die Welt.

Ich höre die Sorge Jesus, dass man von denen, die seinen Namen tragen zu wenig sieht und merkt, die Sorge, dass sie, anstatt diese Welt mit zu gestalten und sich einzubringen in die Öffentlichkeit, anstatt die Gesellschaft mitzuprägen, sich scheu zurückhalten und sich verschämt zurückziehen.

 

Dabei haben wir etwas anzubieten, das niemand sonst einbringen kann, Christus, das Licht, Christus, der von sich sagt „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, seine Botschaft als Sprengkraft gelebter Hoffnung.

 

„Euer Licht soll vor den Menschen leuchten“.

Das heißt: Als Christen sollen wir der Welt nicht entfliehen.

Wir sollen den Glauben nicht als Privatangelegenheit betrachten.

Wir leben in der Welt und haben eine Verantwortung.

Wir sollen Licht sein. Das ist unsere Aufgabe.

 

Gottes Liebe, Gottes Friede, Gottes Gerechtigkeit möchte durch uns hindurchscheinen und in unseren Worten, in unserem Verhalten und in unseren Taten, ja in unserem ganzen Leben wirksam werden. Licht bringen in diese Welt, leuchten, wo es dunkel ist, das ist unsere Berufung!

 

Vergessen wir nicht: wie viel Helligkeit und Wärme geht auch schon von einem kleinen Licht aus!

Und schon ein kleiner Strahl kann manche Dunkelheit verscheuchen.

 

Ich kenne eine Frau, die nicht geheiratet hat und schon seit Jahren keinen Urlaub gemacht hat, um ihre kranken Eltern pflegen zu können.

Ich kenne einen Mann, der auf seine Karriere verzichtet hat, weil er seine Seele nicht verkaufen wollte für das „richtige Parteibuch“.

Ich kenne junge Leute, die ihre persönlichen Ferien opfern, um – ohne Honorar und in einem harten Job – für behinderte Kinder Ferienfreizeiten durchzuführen.

Ich kenne einen Bub, der Ministrant geworden ist und jeden Sonntag zur Kirche geht, obwohl seine Eltern das für Quatsch halten.

Ich habe schon schwer Kranke besucht, wo ich nicht wusste, wie soll ich die- oder denjenigen trösten, und ich bin selber ermutigt und getröstet nach Hause gegangen.

Ich kenne alte Ordensschwestern, die nicht mehr viel tun können, bettlägerig und pflegebedürftig sind, die aber beten, viel beten. Und nicht darum, dass sie selbst in den Himmel kommen, sondern ganz bewusst für andere.

 

Oder ich denke an eine Frau, 38 Jahre alt, Mutter von drei Kindern. Ihr Mann hat sie wegen einer anderen sitzen gelassen mit den Kindern und einem halbfertigen Haus. Sie musste sehen, wie sie fertig wurde. Zunächst versank sie in einem Meer der Tränen. Dann kam der erste Heiligabend. Die Kinderaugen glänzten erwartungsvoll. Da wischte sie sich die Tränen weg und nahm tapfer das Leben in die Hand.

 

Es gibt Menschen, die machen keine Schlagzeilen, die werden auch in keiner Nachrichtensendung erwähnt, die werden niemals heilig gesprochen. Aber sie leuchten! Und ihr Licht verbreitet sich in ihrer Umgebung. Sie sind die Heiligen des Alltags.

 

„Man stellt das Licht auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen im Haus.“

Jesus sagt nicht, dass wir alle große Halogenscheinwerfer oder Flutlichtstrahler sein sollen, sondern dass wir unser Licht leuchten lassen, da, wo wir stehn und leben, um durch unser Licht die Welt ein wenig heller und wärmer zu machen und so Gottes Gegenwart sichtbar werden zu lassen.

 

Dazu noch eine kleine Begebenheit, die ich bei Chiara Lubich gefunden habe:

Antonietta stammt aus Sardinien, lebt aber in Frankreich. Ihre Kollegen sind nicht gerade hoch motiviert bei der Arbeit. Im Büro als Christin zu leben, bedeutet für Antonietta, ihre Arbeit gut und gewissenhaft zu tun und dabei den Kollegen und Kolleginnen gegenüber freundlich und ausgeglichen zu sein.

Die anderen reagieren manchmal gereizt oder machen sich über sie lustig: „Dir macht das Schuften ja Spaß. Dann kannst du ja meine Arbeit gleich mit machen!“

Antonietta nimmt es den Leuten nicht übel. Wahrscheinlich, so denkt sie, hat jeder von ihnen genügend Kummer.

Als die Kollegen eines Tages nicht da sind, kommt der Abteilungsleiter zu ihr und meint: „Jetzt sagen Sie mir doch, weshalb Sie nie die Geduld verlieren und immer freundlich sind?“ Antonietta wehrt ab: „Ich versuche halt ruhig zu bleiben und die Dinge mit Humor zu nehmen.“

Doch der Chef ist mit dieser Antwort nicht zufrieden: „Das glaube ich nicht! Das muss etwas mit ihrem Gott zu tun haben. Anders kann ich mir das nicht vorstellen. Und das sage ich, der ich bisher nicht an Gott geglaubt habe!“

Einige Tage darauf wird Antonietta in die Direktion gerufen. Dort teilt man ihr die Versetzung in eine andere Abteilung mit. Man erhofft sich von ihr, dass sich auch dort das Betriebsklima durch ihre Art wie sie da ist und mit anderen umgeht zum Positiven verändere, so der Direktor.

 

Wir selbst sollen und können und dürfen füreinander Licht sein, dann nämlich, wenn das Evangelium in unseren Worten und noch mehr in unserem Leben erkennbar wird, wenn der Lebensstil Jesu, seine Gesinnung, seine Ausrichtung auf den Vater, seine Güte und Menschenfreundlichkeit unser Leben formt und prägt.

 

Gefragt sind Frauen und Männer in der Kirche, denen man anmerkt: Sie sind erfüllt von Gottes Geist. Sie sind wirklich Glaubende, Hoffende und Liebende.

Gefragt sind Menschen, die Zeugnis geben von der Zuversicht, die sie trägt, vom Vertrauen, das sie prägt, von der Sehnsucht, die sie bewegt, von Gott, der zu uns steht und mit uns geht.

 

„So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

 

Christsein heißt Licht sein. Licht sein ist unsere Berufung.

Wo kann ich heute Licht sein? Oder in der kommenden Woche?

Wem kann ich Licht ins Leben bringen?

 

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