Exerzitien mit P. Pius

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Osterpredigt 2008

Welt in Finsternis

 

 

Vor Jahren lief in Amerika der Film: „Welt in Finsternis“.

Der Inhalt war folgender:

Ein Archäologe veranstaltet in Jerusalem in der Umgebung des Kalvarienberges Ausgrabungen. Auch der Garten Getsemane wird durchwühlt, wo laut Johannesevangelium der tote Jesus begraben wurde. Eines Tages verkündet der Gelehrte vor der Presse, dass er auf ein Grab gestoßen sei. Und es sei eindeutig, um welches Grab es sich handelt: das Grab Jesu. Die große Überraschung dabei: Das Grab ist nicht leer.

Im Film sieht man wie sich viele Leute an das Grab drängen. Man sieht eine mumifizierte Leiche, die Hände von Nägeln durchbohrt, die Seite durchstoßen, das Gesicht und der ganze Körper voll Wunden. Es ist tatsächlich der Leichnam des Gekreuzigten.

Manche Leute beginnen zu weinen und sagen: „Er ist also wirklich gekreuzigt worden. Es ist wahr: Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.“

Der Archäologe erklärt Einzelheiten und spricht dann in die erschütterte Menge hinein: „Gekreuzigt, gestorben und begraben – ja! Auferstanden? – Nein. Hier liegt der tote Jesus von Nazareth!“

 

Die Medien verbreiten die Nachricht in Windeseile in alle Welt. Jesus von Nazareth ist nicht auferstanden. Das Grab ist nicht leer. Der Glaube der Christen beruht auf einer furchtbaren Täuschung.

 

Nun kommt im Film eine erschreckende Szene: Die Welt verändert sich. Sie beginnt in eine namenlose Finsternis zu verfallen. Alles, was an Jesus und seine Botschaft erinnert, alles, was von ihr lebt oder die Spuren des christlichen Glaubens trägt, verschwindet und wird vernichtet. Ein Priester geht in seine Kirche und löscht das ewige Licht. Er nimmt das Kreuz vom Altar und sperrt die Kirche zu. Die Glocken hören auf zu läuten. Aus Kathedralen werden Garagen. Viele Kirchen werden niedergerissen. Die Bilder der Galerien, die Jesus als den Herrn zeigen, werden mit schwarzen Tüchern verhüllt. Die Mönche verlassen ihre Klöster. Die Missionare kehren in die Heimat zurück. Die Ordensschwestern legen ihren Schleier ab. Die Pfarrer quittieren ihren Dienst. Religiöse Einrichtungen, Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Waisenheime, Hospize werden geschlossen. Aus den Wohnungen verschwinden die christlichen Symbole und Bilder. Grabkreuze, Wegkreuze, Gipfelkreuze werden entfernt.

Eine unermessliche Erschütterung befällt die Welt, eine ungeheure Kälte und Traurigkeit breitet sich aus. „Welt in Finsternis!“

 

Der Film schließt nicht in Finsternis. Am Schluss wird der Archäologe auf dem Sterbebett gezeigt. An der Schwelle des Todes bekennt er seinen wissenschaftlichen Betrug: „Ich habe die Welt getäuscht“, sagt er. „Ich habe eine Leiche als Leiche des Gekreuzigten präpariert und ins leere Grab gelegt. Das Grab war leer.“

 

Der Film mag gut oder schlecht sein. Eines zeigt er ganz drastisch: An der Auferstehung hängt alles. Hier entscheidet sich Sinn oder Unsinn des christlichen Glaubens. Ohne das Osterereignis gäbe es kein Christentum. Unser Glaube hätte kein Fundament. Er ginge ins Leere. Die christliche Verkündigung wäre wertlos. Unser christliches Bemühen wäre völlig umsonst.

 

Egal, was man von dem Film hält, er macht deutlich: Der auferstandene Christus ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens. Der Osterglaube ist die Mitte, das Herzstück der christlichen Religion. Darum ist Ostern das höchste Fest der Christenheit.

 

Ostern verdanken wir alles. Denn in der Auferweckung Jesu von den Toten, hat der Vater Jesus bestätigt als seinen Sohn und unseren Heiland und Erlöser. Durch seine Auferstehung wird sein Wort Gottes Wort und sein Werk wird Erlösungswerk.

Ostern verdanken wir alles: unseren Glauben, unsere Hoffnung, unser neues Leben in der Gnade und unsere ewige Seligkeit.

 

Seit Ostern wissen wir: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Der Tod ist nicht Schlusspunkt, sondern alles verheißender Doppelpunkt. Der Tod ist keine hohe Mauer am Ende einer Sackgasse – wo es kein Weiter mehr gibt – sondern er ist Tor zum ewigen Leben, Durchgang in der Freude und Herrlichkeit Gottes. Im Tod wird uns das Leben gewandelt, nicht genommen.

Es stimmt, was wir in einem Lied singen: „Wir sind nur Gast auf Erden.“ Ja, wir sind Pilger. Wir sind aber nicht unterwegs zum Friedhof, sondern in die lichte Zukunft Gottes.

Wir wandern – zugegeben oft ohne Ruh und mit mancherlei Beschwerden – aber wir wandern der ewigen Heimat zu.

 

Jesus sagt zu Maria von Magdala: „Ich gehe hin zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“

Sein Vater ist unser Vater, sein Gott ist unser Gott.

Und in den Abschiedsreden verheißt Jesus: „Ich gehe hin, um euch eine Wohnung zu bereiten. Wenn ich hingegangen bin und euch eine Wohnung berietet habe, werde ich wieder kommen und euch holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ Damit auch ihr dort seid, wo ich bin... Das ist es.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Seit Ostern wissen wir, dass unser Leben ein Ziel hat. Und dieses Ziel ist Gott. Seit Ostern wissen wir, dass unser Leben Erfüllung findet – in seinem Licht, in seiner Freude, in seinem Frieden.

Leben in seinem Glück, Leben in seiner Liebe, Leben in der Ge­borgenheit Gottes.

 

Ostern, das ist der Beginn einer Bewegung, die jeden Einzelnen hinein nimmt in die unendliche Liebe Gottes – und darum die ganze Menschheit!

 

„Welt in Finsternis“, so lautet der Titel des besagten Filmes.

In der Tat: wenn Christus nicht auferstanden wäre, wäre Golgotha die dunkelste Stunde der Menschheit. Tod und Teufel hätten gesiegt. – Dann wäre unser Beten und Gottesdienstfeiern wirklich nutzlos. Die Sakramente wären leere Zeichen, die Märtyrer die größten Dummköpfe, Einsiedler und Mönche bedauernswerte Schwärmer. Und wir alle hätten unseren Glauben und unser Bemühen um ein christliches Leben auf eine hoffnungslose Illusion aufgebaut.

„Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“, fragt Paulus und gibt dann zur Antwort: „Verschlungen ist der Tod im Sieg. Gott sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn“

 

Nicht nur der Film hat ein Happyend. Auch unser Leben geht gut aus. Unsere Hoffnung bekommt Recht. Das letzte Wort haben nicht die Gräber. Das letzte Wort hat das Leben. Das letzte Wort hat die Liebe, die Liebe Gottes, die uns nicht aufgibt und uns nicht fallen lässt. Das ist die Mitte unseres Glaubens.

 

„Kommt aus den Kellern der Angst.

Öffnet verriegelte Türen.

 

Das Grab aller Gräber wurde gesprengt.

Der Stein der Verzweiflung ist weggerollt.

 

Wagt schon heute das Leben von morgen.

Die neue Welt hat ihren ersten Tag.“

 

Das ist der Ostertag, ein neuer Schöpfungsmorgen.

Und den feiern wir heute.

 

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