Exerzitien mit P. Pius

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Erfülltes Leben durch Hingabe

(5. Fastensonntag - Lesejahr B; Joh 12, 20 - 33)

Wie soll ich mein Leben führen, dass es sinnvoll ist, dass es gelingt und glückt in Zeit und Ewigkeit?

Erfülltes Leben – wie geht das?

 

Jesus sagt heute im Evangelium:

„Wer an seinem Leben hängt“ (wer es festhält), „der verliert es, wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet“ (wer es hingeben, loslassen kann), „wird es bewahren bis ins ewige Leben.“

 

Das Geheimnis des Lebens heißt: Loslassen.

Die großen spirituellen Meister haben immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, das Loslassen zu lernen, sich ins Loslassen einzuüben.

Besonders eindringlich ist das ein Leitmotiv von Meister Eckhart.

 

Ein Wort von Meister Eckhart lautet:

„Jeder soll zuerst sich selbst lassen, dann hat er alles gelassen. Fürwahr, ließe ein Mensch ein Königreich oder die ganze Welt, behielte aber sich selbst, so hätte er nichts gelassen.“

 

Eckhart will uns darauf aufmerksam machen, dass es gar nicht in erster Linie die Vielfalt der Dinge ist, die es zu lassen gilt, sondern das eigene Ich, die eingebildete Größe, die Träume vom Wichtig-sein und Gelten-wollen. Diese Form des Habens scheint gewichtiger zu sein als die üblichen Besitztümer.

 

Mit liebenswürdigem Humor sagt Meister Eckhart auch:

„Du musst wissen, dass sich noch nie ein Mensch in diesem Leben so weit gelassen hat, dass er nicht gefunden hätte, er müsse sich noch mehr lassen.“

Das heißt: Loslassen ist kein einmaliger Akt. Es ist nichts Endgültiges. Loslassen ist eine lebenslange Aufgabe.

Und je älter wir werden, desto mehr wird das Loslassen Thema.

 

Es wird darauf ankommen, dass wir alles, auch unsere Sorgen, unsere Unruhe und unsere Ängste, unsere Begrenztheiten, Unvollkommenheiten und all unsere Unsicherheiten auf Gott hin loslassen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Man kann im Leben ständig auf das starren, was man nicht hat.

Dann wird man unzufrieden. Man verfällt in Selbstmitleid. Man vergisst, was man hat.

Oder, was man hat, nimmt als selbstverständlich. Dann geht die Dankbarkeit verloren.

Oder man meint, das, was man bei anderen sieht, sei mehr oder besser. Man fühlt sich zu kurz gekommen, benachteiligt.

Dann schleichen sich Neid, Eifersucht und Missgunst ein. Man frustriert sich selbst, wird resigniert und deprimiert oder verbittert. Groll, Abneigung…sind die Folgen.

 

Es ist paradox und doch so wahr:

Da, wo einer an sich selbst festhält, nur sich selbst im Blick hat, allzu ängstlich besorgt ist ums liebe ICH, oder immer meint, der Beste und Größte, vorne und oben, am Drücker sein oder im Mittelpunkt stehen zu müssen, also wo einer letzten Endes durch und durch Egoist ist, da verspielt man sein Leben, da wird ein Mensch nie zufrieden und glücklich sein. Denn ein solches Leben ist letzten Endes nicht erfüllend. Es bleibt klein und unfruchtbar.

 

Was ist das für ein Leben, das der pure Egoist gewinnt?

Er vereinsamt, er verbittert, er ist unzufrieden und unausstehlich.

Das ist nicht Lebensgewinn. Es ist Lebensfrust. Und es ist Lebensverlust.

 

Da aber, wo jemand nicht fixiert ist bloß auf sich, wo jemand über den eigenen Gesichtskreis hinaussieht und auch einmal über den eigenen Schatten zu springen vermag, wo jemand nicht nur – koste es, was es wolle – seinen eigenen Vorteil sucht und die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen will und nicht auf Biegen und Brechen nur an sein eigenes Fortkommen denkt, wo also jemand nicht nur krampfhaft festhält und immer mehr zu kriegen versucht und hinter dem Glück herjagt und doch nie genug kriegen kann, sondern auch von sich selbst absehen und loslassen kann und auch das Wohl des anderen im Blick hat, da wird das Leben reich, erfüllt und fruchtbar.

 

Ein Sprichwort sagt:

„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück. Freude, die wir andern geben, strahlt ins eigene Herz zurück.“

 

Und der große Psychologe Viktor Frankl sagt:

„Selbstverwirklichung gibt es nur in der Selbsthingabe.“

 

Es ist so: Der Mensch gewinnt sein Leben in dem Maß, als er bereit ist, es für andere hinzugeben. Denn wer hingibt, der empfängt. Wer jedoch narzisstisch in sich selbst verliebt ist, wer nur sich selbst sieht und immer mehr von diesem Leben haben will, wer es mit Gewalt festhält, der verliert, verspielt sein Leben.

 

Ein Blick auf Jesus kann uns ermutigen. Sein Leben war Hingabe, nicht Selbstbehauptung.

Nichts verdeutlicht das besser als das Bild vom Weizenkorn,

das Weizenkorn, das sich nicht bewahren darf, sondern vergehen muss, um Frucht zu bringen, das Weizenkorn, das nur Frucht bringt, wenn es in die Erde fällt und stirbt.

 

In diesem Bild deutet Jesus sein eigenes Sterben als notwendig, als Voraussetzung für das Gelingen seines Erlösungswerkes. Und es ist nicht nur Voraussetzung. Es ist die Weise, wie die Erlösung selbst geschieht.

 

Jesus starb als Weizenkorn für uns.

Leicht war es nicht. „Meine Seele ist erschüttert!“ ruft er aus.

Er kannte Angst, entsetzliche Angst. Die Synoptiker (Mt., Mk., Lk.) schildern die Todesangst Jesu am Ölberg sehr anschaulich und sein Ringen um den Willen des Vaters.

Auch im Johannesevangelium bekennt Jesu, dass er darum bitten möchte: „Vater, rette mich aus dieser Stunde!“ Sein Leiden, der schreckliche Kreuzweg, sein Tod stehen ihm vor Augen.

 

Aber er geht diesen Weg. Er geht ihn bis zum Ende.

„Vater, verherrliche deinen Namen!“

Die Herrlichkeit des Vaters, der Wille des Vaters, darum kreist all sein Denken, sein Reden und Tun.

„Nicht wie ich will, sondern wir du willst.“

Er gibt sich ganz in seine Hände. Und er gibt sich hin um unseretwillen, pro nobis, für uns!

„Er entäußerte sich und ward gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“, heißt es im Philipperhymnus.

Sein Tod aber verwandelt sich in Auferstehung und Leben, Leben in Fülle, Erlösung und Heil für uns alle.

 

„Geheimnis des Glaubens: Im Tod ist das Leben!“

 

An Ostern feiern wir die reiche Frucht, die aus dem göttlichen Weizenkorn gewachsen ist, das neue, unsterbliche Leben, zunächst für Jesus und dann mit ihm für uns alle.

 

Möge das Mitgehen mit Jesus in der Passionszeit uns Kraft schenken, loszulassen, was uns hindert IHM zu begegnen und uns von seinem Wort und Geist ergreifen zu lassen.

Möge die Mitfeier der Liturgie in der Karwoche uns helfen, hineinzuwachsen in die Gesinnung Jesu und immer mehr eins zu werden mit IHM, seinen Weg mitzugehen, den Weg des Weizenkorns, dessen Leben nur dann einen Sinn hat, wenn es sich loslässt, wenn es sich aufgibt, wenn es sich hingibt.

Das Ziel ist: reiche Frucht, österliches Leben, erfülltes Leben.

 

Liebe Mitchristen!

Das Gesetz des Weizenkorns gilt nicht nur für Jesus.

Er hat es uns vorgelebt. Es ist Gesetz des christlichen Lebens.

Es gilt für jeden Jünger und jede Jüngerin Jesu.

Es gilt für jeden, der zu IHM gehören will und der IHM folgt auf seinem Weg.

Ja, es hat Gültigkeit für die gesamte Kirche.

 

„Leben nach dem Evangelium“, liebe Schwestern und Brüder, bedeutet leben mit geöffneten Händen, Hände, die nicht krampfhaft festhalten, sondern bereit sind loszulassen. Und nicht nur mit geöffneten Händen, sondern viel mehr noch mit geöffnetem Herzen, bereit, zu empfangen und zu geben, sich hinzugeben und sich beschenken zu lassen.

 

„Ein Weizenkorn versteckte sich in der Scheune.

Es wollte nicht gesät werden. Es wollte nicht sterben.

Es wollte sich nicht opfern. Es wollte sein Leben retten.

Es wurde nie zu Brot. Es kam nie auf den Tisch.

Es wurde nie gebrochen und gesegnet.

Es wurde nie ausgeteilt und empfangen.

Es schenkte nie Leben und Kraft.

Es schenkte nie Freude und Sättigung.

Eines Tages kam der Bauer.

Und mit dem Staub der Scheune fegte er das Weizenkorn hinweg.“ 

  • „Die selbstherrlichen Weg verlassen und deinen Weg gehen, o Jesus – und das mit aller Hingabe.

  • Die eigenmächtigen Gedanken aufgeben und deine Gedanken denken, o Jesus – und das mit aller Hingabe.

  • Die ichbezogenen Ziele loslassen und dein Ziel verfolgen, o Jesus – und das mit aller Hingabe.“

(nach Anton Rotzetter)

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