Exerzitien mit P. Pius

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Josef - Stiller Helfer am Heilsplan Gottes

(4. Adventssonntag - Lesejahr A)

Josef hat ein Problem: Er ist mit Maria verlobt. Nach jüdischem Recht gilt sie als seine Ehefrau. Er hat mit ihr aber noch nicht zusammengelebt. Trotzdem ist sie schwanger. Das Kind stammt nicht von ihm. Eine Skandal! Josef hätte Maria anzeigen können. Maria hätte sogar gesteinigt werden können.

Eine vertrackte Situation. Fragen quälen Josef, Zweifel nagen an ihm. Woher sollte er wissen, dass das, was geschehen ist, vom Hl. Geist gewirkt war? Wir wissen, dass Jesu Ursprung in Gott selbst liegt? Wie sich verhalten? Eine ganz große Prüfung ist das für ihn, eine wahre Zerreißprobe!

Und doch: keine Anklage gegen Maria, keine Vorwürfe, geschweige denn Rachegedanken. In aller Stille will Josef sich von Maria trennen, mit Anstand sich aus der Affäre ziehen, ohne Streit und ohne Maria bloßzustellen oder preiszugeben.

Welch innere Größe zeigt sich hier! Wie viel Takt und Feingefühl!

Aber dann nimmt alles eine überraschende Wendung:

Gott selbst greift ein. Licht kommt ins Dunkel. Ein Engel führt ihn in das göttliche Geheimnis ein. Er verweist Josef im Traum auf das wundersame Wirken Gottes. Gleichzeitig erhält er Weisung und Auftrag.

Mir fällt auf: Josef ist offen, er ist ansprechbar, er ist hellhörig für das, was Gott ihm zu sagen hat. Er erkennt die Zeichen Gottes. Er glaubt und tut, was Gott von ihm will, ohne Wenn und Aber.

Er nimmt die Rolle an, die Gott für ihn vorgesehen hat, auch wenn er vieles nicht begreift.

Liebe Schwestern und Brüder! Von Josef wird nirgendwo in der Hl. Schrift auch nur ein einziges - von ihm selbst gesprochenes - Wort überliefert. Er schweigt. Er hört. Er handelt. Er horcht und gehorcht.

Aber zeigt sich nicht gerade darin sein "Ja" zum Willen Gottes? Und ist dieses "Ja" nicht ebenso erforderlich gewesen wie das der Gottesmutter? - Ist sein Glauben und Vertrauen nicht ebenso wichtig gewesen wie ihr Glauben und Vertrauen? - Hat Gott nicht auch ihn berufen zum Mitwirken an seinem Heilsplan und zum Mittun an seinem Heilswerk? – Lebt uns Josef nicht genauso wie Maria vor, was Glaubensgehorsam bedeutet: nämlich absehen lernen von allen ichbezogenen Zielen und das Ziel Gottes verfolgen, nicht den eigenen Wünschen und Plänen folgen, sondern dem Willen Gottes Vorfahrt geben?

Sehen Sie, liebe Schwestern und Brüder! Das Große und Bewundernswerte an Josef ist, ebenso wie bei Maria, dass er Gott nicht ausgewichen ist, dass er sich Gott gegenüber nicht verweigert hat, sondern offen war für Gottes Absichten und sich auf Gott eingelassen hat; dass er Gott das Unbegreifliche und menschlich gesehen Unmögliche zugetraut und dem Anruf Gottes Antwort gegeben hat in ganz konkretem Tun, in entschlossenem und konsequenten Handeln.

Für Josef gilt - wie wohl kaum für einen anderen - das Wort des hl. Ignatius: "Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich der Führung der Gnade rückhaltlos überließen."

Wie ganz anders ist oft unsere Einstellung und unser Verhalten.

Rudolf Otto Wiemer bringt es folgendermaßen zum Ausdruck:

"Hör dir das an, Gott, ich will heute mit dem Auto unterwegs sein, morgen schließ ich den Kaufvertrag ab, das neue Haus wird in zehn Monaten stehen, dann ziehen wir ein, machen das zweite Kind, schicken das erste zur Schule, das Geschäft wird vergrößert, den Kompagnon schmeiß ich raus, kaufe das restliche Aktienpaket, übernehme den Vorsitz in der Waschmittelgesellschaft, wechsle die Freundin, der Bungalow im Tessin ist fällig, die Gören springen mir von der Tasche, die Frau hat eine Operation, ich bin Generaldirektor, vielleicht Prostata, gut, wird repariert, man ist sechzig, Konzern gesund, rapide wächst das Grundkapital, glänzende Aussichten für die nächsten zehn Jahre, was sag ich, für zwanzig – hör dir das an, Gott, und komm mir nicht dazwischen."

Ganz anders Josef: Nicht: "hör dir das an, Gott!" Er war selbst ein Hörender. Er hat auf Gott gehört. Nicht: "komm mir ja nicht dazwischen!" Bei Josef kam Gott oft dazwischen. Und er ließ sich stören in seinen Plänen. Josef handelt nicht, wie es ihm gut dünkt und Gott muss spuren, sondern er folgt den Spuren und Zeichen und Weisungen Gottes. - Und so nimmt er Maria zu sich. Er bekennt sich zu ihrem Kind. Er übernimmt Verantwortung für die junge Familie und gibt ihr Schutz und Geborgenheit.

Liebe Schwestern und Brüder!

Auf einen Traum hin zu glauben, dass Maria, seine Verlobte, ihm nicht untreu geworden war, sondern dass sie auf rätselhafte Weise zum Werkzeug Gottes geworden war; entgegen allen bürgerlichen Gepflogenheiten Maria anzunehmen, ihrem Kind väterlicher Fürsorger zu sein, gehörte dazu nicht sehr viel Glaubensmut und ein ganz großes Gottvertrauen?

Ja, dieser Josef macht nicht viele Worte. Er stellt keine müßigen Fragen. Er handelt. Er knüpft sein Handeln nicht an Bedingungen. Er macht keine Vorbehalte. Er glaubt und vertraut.

Es ist der handfeste, nüchterne Glaube eines einfachen und redlichen Mannes, eines Handwerkers, der auch später am Rand bleibt, im Hintergrund steht, nicht von sich Reden macht und kein Aufsehen erregt; der aber da ist, wenn er gebraucht wird; der geht, wohin Gott ihn schickt, auch wenn er die Wege nicht kennt, auch wenn er die Ratschlüsse Gottes nicht durchschaut, auch wenn die Zukunft im Dunkeln liegt.

Ich meine: Wir können Josef durchaus in eine Reihe stellen mit anderen großen Glaubensgestalten der Bibel: Noah, Abraham, Jakob, Moses, David, aus dessen Königsgeschlecht er stammt.

Aber dieser königliche Glanz ist zu Lebzeiten Josefs Vergangenheit, sozusagen Schnee von gestern. Josefs Gegenwart hat nichts Idyllisches. Es ist das harte Leben eines Zimmermanns, der Steuern zahlt und an Ämtern ansteht, vergebliche anklopft und Herberge sucht, der die Geburt im Stall miterlebt, das Schicksal der Flüchtlinge erfährt, in der Fremde Unterschlupf sucht und nach seiner Rückkehr unauffällig in Nazareth lebt.

Welche Dramatik und zum Teil auch Tragik haftet diesem Leben an!

Was mutet Gott diesem Mann nicht alles zu?

Wie schwer tun wir uns oft mit den Zumutungen Gottes in unserem Leben, wenn Gott unsere hausgemachten Pläne durchkreuzt? Wie wenig trauen wir Gott zu, dass sein Wille das Beste für uns ist und dass alles, was geschieht einen Sinn hat, auch wenn wir ihn jetzt noch nicht sehen und verstehen?

Jemand fragt: Warum soll gerade ich meine alten und kranken Eltern pflegen und nicht meine Geschwister? Warum erlebe ich so viel Unrecht, Unverständnis und Ablehnung? Warum diese Krankheit, warum diese Schmerzen? Warum ausgerechnet ich? Was mutest du mir zu, Gott

Am Leben Josefs können wir erkennen: Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken, Gottes Wege nicht immer unsere Wege. Aber Gott vermag auch auf krummen Zeilen gerade zu schreiben. Seine Wege führen weiter. Es sind Wege des Heiles, Wege zum Leben.

Im Leben des hl. Josef ist manche Tür zugefallen. Vieles ist anders gekommen als er es sich gedacht hatte. Aber Josef hat es genommen, wie es gekommen ist. Er hat mit seinem Schicksal nicht gehadert. Er hat sich den Schickungen Gottes gefügt. Und Gott hat immer wieder auch Türen geöffnet und ihm den Weg des Heils gewiesen.

Für mich ist der hl. Josef eine ganz eindrucksvolle Gestalt.

Ihn nachzuahmen wäre nicht das Schlechteste für alle, die ihren Glauben vertiefen und ihrem Leben eine evangeliumsgemäße Gestalt geben wollen.

Mit Josef konnte Gott rechnen, ohne sich zu verrechnen.

Und er, Josef, hat mit Gott gerechnet in allen Situationen, auch in den Alltäglichen und nach seinem Willen ausgerichtet.

Darin ist Josef für mich Vorbild. Und er kann es für uns alle sein.

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