Exerzitien mit P. Pius

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Beten ohne Unterlass

(3. Adventssonntag - Lesejahr B; 1 Thess 5, 16 - 24)

2. LESUNG                                                                                                 

Der Gott des Friedens bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib, damit ihr ohne Tadel seid, wenn der Herr kommt

 

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher

 

16Freut euch zu jeder Zeit!

17Betet ohne Unterlass!

18Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört.

19Löscht den Geist nicht aus!

20Verachtet prophetisches Reden nicht!

21Prüft alles, und behaltet das Gute!

22Meidet das Böse in jeder Gestalt!

23Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt.

24Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun.

 

 

Erinnern Sie sich noch an den Anfang der 2. Lesung, die wir gehört haben? – Der Apostel Paulus schreibt da in seinem Brief an die Gemeinde in Thessalonich, dem heutigen Saloniki in Griechenland: „Freut euch zu jeder Zeit, betet ohne Unterlass, dankt für alles, denn das will Gott von euch.“ Drei kurze, aber eindringliche Ermahnungen.

 

Erstens: Sich zu jeder Zeit freuen! Also nicht nur in Hoch-zeiten, in Festtagsstimmung und bei guter Laune. Jederzeit, immer. Ist das überhaupt möglich?

Zweitens: Ohne Unterlass beten! Ständig, unablässig, fortwährend. Wie ist das zu verstehen? Geht das überhaupt?

Drittens: Für alles danken! Für alles! Also nicht nur für das Gute und Schöne. Auch für Menschen, mit denen ich mich schwer tue?

Vielleicht sogar für eine schlimme Krankheit? In Trauer und Schmerz? Für alles danken! – Ist das nicht zu viel verlangt?

 

Sich zu jeder Zeit freuen – Ohne Unterlass beten – Für alles danken. Die Begründung: „Denn das will Gott von euch.“

Doch sind wir da nicht hoffnungslos überfordert?

 

Damit wir uns nicht verzetteln, will ich eine der drei Mahnungen herausgreifen: „Betet ohne Unterlass!“

 

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn sie das hören?

Ohne Unterlass beten!

Wie soll das gehen? Im Alltag, im Beruf, bei der Arbeit, bei all den Aufgaben, Verrichtungen, Verpflichtungen und Sorgen?

Außerdem muss man ja auch mal noch essen und schlafen.

Bin ich nicht schon froh, wenn ich täglich wenigstens ein paar Gebetsminuten zusammenbringe und dann und wann an Gott denke?

Ohne Unterlass beten?

Vielleicht können das ein paar fromme Nonnen in einem kontemplativen Kloster: sich ganz dem Gebet widmen, der Meditation und der Anbetung? Aber unsereiner?

 

Gut, ein Morgengebet krieg ich noch hin. Ein kurzes Abendgebet meistens auch noch. Beim Tischgebet vor und nach dem Essen sieht’s schon anders aus. Wie schnell wird das vergessen! Und „der Engel des Herrn“, gehört der überhaupt noch zu meinen täglichen Gebeten?

Und Zeit für mehr, den Rosenkranz oder wenigstens ein Gesätz, eine Andacht, die hl. Messe? Selbst bei einer Wallfahrt, bei Besinnungstagen oder bei Exerzitien wird ja nicht nur und dauernd gebetet.

 

Betet ohne Unterlass! Wie ist das zu verstehen?

Ich denke viel hängt davon ab, was mit Beten gemeint ist.

 

Wenn Beten als „Reden mit Gott“ verstanden wird, was oft der Fall ist, dann ist ein Beten ohne Unterlass schwer oder gar nicht möglich. Wir können ja nicht allezeit ausdrücklich beten im Sinne von Worte machen und ein Gebet nach dem andern aufsagen.

 

Beten heißt eben nicht nur Reden mit Gott, sondern auch schwei­gend da sein vor Gott, hören auf Gott und sein Wort.

Beten heißt auch lachen und glücklich sein mit Gott, traurig und verzagt sein mit Gott, unzufrieden und ratlos sein mit Gott, sich freuen und dankbar sein mit Gott.

Nichts im Leben ist ausgeschlossen, wirklich nichts. Nichts ist zu banal oder zu alltäglich, um es von Gott fern zu halten.

 

Mit Beten ohne Unterlass ist also nicht das Aufsagen endloser Gebetstexte gemeint. Jesus sagt einmal ausdrücklich, wir sollen nicht plappern wie die Heiden, die meinen sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

Beten ohne Unterlass heißt eigentlich, sich bemühen und es einüben, immer und überall in der Verbindung mit Gott sein, sich seiner Gegenwart bewusst sein, sich bewusst immer wieder in die Gegenwart Gottes hineinversetzen und in der Gegenwart Gottes zu leben.

 

Diese Gegenwart Gottes muss auch dann nicht abreißen, wenn wir arbeiten, essen oder mit sonstigen alltäglichen Dingen beschäftigt sind.

Ohne Unterlass beten heißt, nochmal anders formuliert, versuchen allzeit in der Gemeinschaft mit Gott zu leben. Wer in der Gemeinschaft mit Gott lebt, dem kann alles zum Gebet werden, indem alles auf Gott hin geschieht.

 

In der ersten Klasse einer Grundschule fing mitten im Unterricht ein kleiner Junge an zu weinen. Vom Lehrer nach dem Grund gefragt, antwortete er zögernd: „Ich habe das Gesicht meiner Mutter vergessen.“ Die anderen Kinder lachten. Der Lehrer aber verstand und schickte den Jungen nach Hause, um seine Mutter anzusehen. Zufrieden kam er bald darauf wieder und fuhr fort, seine Buchstaben zu malen.

Beten ohne Unterlass heißt, auch im Alltag, während der Arbeit das Angesicht Gottes vor Augen zu haben und es nicht zu vergessen.

Ohne Unterlass beten heißt, mich immer, egal wo ich bin, egal was ich tue, egal wie mir’s geht, mich in seiner Gegenwart wissen.

Im Bewusstsein, dass Gott alle Bereiche des Lebens umfängt, wächst eine Haltung des Vertrauen, der Dankbarkeit und des inneren Friedens. Das Leben als Ganzes wird zum Gebet.

 

Meister Eckhart sagt: „Wer Gott beim Stallmisten nicht hat, der hat ihn auch nicht beim Chorgebet.“

 

„Ob ihr esst oder trinkt oder sonst etwas tut“, so der Apostel Paulus an die Korinther „tut alles zur Verherrlichung Gottes“, (10, 31).

 

Und das Leitwort des hl. Ignatius von Loyola, des Gründers des Jesuitenordens, lautete „Omnia ad majorem dei gloriam“.

Zu Deutsch: „Alles zur größeren Ehre Gottes.“

 

Alles, egal was, alles „zu seiner Ehre“, alles „in Gottes Namen“, alles „aus Liebe zu Gott“. Ob in der Küche oder im Garten, in der Werkstatt oder auf dem Bau, beim Waschen, Bügeln, Putzen, am Telefon und am Computer, in der Nähstube oder im Klassenzimmer, beim Arzt oder beim Friseur, zu Hause und auf der Straße, alles in Gottes Namen, alles aus Liebe zu ihm, alles zu seiner Ehre.

 

Alles! Nichts ist zu gering, nichts zu selbstverständlich, nichts zu alltäglich. Wir können Gott finden in allen Dingen. Ja, „in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17, 28).

 

Ein ganz einfaches, fast simples Gedicht bringt es gut zum Ausdruck:

„Jeden Faden, den ich drehe, jeden Schritt, den ich heut gehe,

jede Scholle, die ich grabe, jede Arbeit, die ich habe –

Alles meinem Gott zu Ehren. – Hier und dort sein Lob zu mehren.

 

Jede Speis‘, die ich genieße, wenn ich andre freundlich grüße,

wenn ich nur ein Blümlein pflücke, mich um einen Strohhalm bücke,

Alles meinem Gott zu Ehren. . Hier und dort sein Lob zu mehren.

 

Alles – vom Geringsten, Kleinsten, bis zum Größten, Höchsten, Reinsten,

mag‘s die ganze Welt erbauen, mag’s nur still mein Engel schauen.

Alles meinem Gott zu Ehren. . Hier und dort sein Lob zu mehren.“

 

Alles zur Verherrlichung, alles zur größeren Ehre Gottes, alles in der Gewissheit seiner Gegenwart, die mich jederzeit umhüllt und durchdringt.

 

Wo das geschieht, da wird jede Stunde, jeder Tag, da wird das ganze Leben geheiligt. Unser ganzes Sein wird „Verherrlichung Gottes“. Unsere ganze Existenz wird Gebet, wird Lobpreis, Bitte, Dank und Anbetung. Unser ganzes Leben wird Liturgie, wird Gottesdienst.

 

Noch einmal Paulus. Im Brief an die Kolosser schreibt er: „Was immer ihr tut, in Wort oder Werk, tut alles im Namen Jesu, des Herrn!“ Und ich möchte hinzufügen: im Wissen um seine Gegenwart.

„Du, näher mir als ich mir selbst, und innerlicher als mein Innerstes“, betet Edith Stein, „heiliger Geist, ewige Liebe.“

 

„Betet ohne Unterlass!“ – Wir können nicht unablässig beten im Sinne des unablässig Redens und Worte-Machens. Wir können auch den Alltag nicht fliehen, seine Freude und Not und Einsiedler werden. Wir leben ja mitten in der Welt. Wir haben unsere Aufgaben und Pflichten.

Karl Rahner folgert daraus: „Also muss in der Welt Gott gesucht und gefunden werden, also muss der Alltag selbst Gottes Tag, die Auskehr in die Welt Einkehr in Gott, muss der Alltag ‚Einkehrtag‘ werden, muss der Alltag selbst gebetet werden.“ Dann fragt Karl Rahner: „Aber wie mag das geschehen? Wie wird der Alltag selbst zum Gebet?“ Seine Antwort: „Durch Selbstlosigkeit und Liebe.“

 

Zum Schluss ein Gebet:

Herr, lass mein ganzes Leben zum Gebet werden. Dann bete ich allezeit und ohne Unterlass.

Lass mich nichts erleben ohne dich.

Lass mich nichts sehen und hören, tun oder lassen ohne dich.

Lass mich jeden Augenblick in deiner heiligen Gegenwart stehen, in deiner helfenden Gegenwart handeln, in deiner tröstenden Gegenwart hoffen.

Ob ich sitze oder stehe, ob ich ruhe oder gehe, ob ich lache oder weine, im Auf und Ab, bei Tag und Nacht, lass mich stets mit dir verbunden sein und bleiben.

Lass mich deine Gegenwart atmen. Du in mir und ich in dir.

Lass mich in allen Dingen von dir leben und auf dich hin.

Erst so werde ich wirklich leben.

Und mein ganzes Leben wird ein Beten.

 

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