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Blind
sein.
Nichts sehen.
Auf andere angewiesen sein,
auf fremde Hände,
auf meine Sinne.
Blind sein
für die anderen,
für das Andere.
Nicht fühlen können,
nur da sein.
Und die Frage:
Wer hält mich schon aus?
Blind sein –
Last sein.
Angewiesen sein.
Aushalten.
Den Blicken der anderen,
dem Schweigen,
mir selbst.
Kann ich Hilfe annehmen?
Blind sein.
Und dann kommt einer.
Einer bleibt stehen,
sieht mich,
öffnet mir die Augen.
Nicht nur die Augen:
auch Herz und Sinn.
Er wäscht fort,
was mich hindert zu sehen
und zu leben.
Und plötzlich
ist da Licht.
Mein Leben – neu.
Geh zum Teich Schiloach und wasch dir das Gesicht (Joh
9, 7)
Angelika Kamlage
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