Exerzitien mit P. Pius

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Das Adventsgesicht des Christen

„Bitte warten Sie hier!“ sagte ich zu dem Blinden und ließ ihn an einer verkehrsgeschützten Ecke des Großstadtbahnhofs allein. – Ich wollte ihm das Gewühl ersparen auf dem Weg zum Schalter, zur Auskunft, zur Fahrplantafel und zum Briefkasten, in den ich noch etwas einschmeißen wollte.

 

Zurückkehrend sah ich ihn schon von weitem stehen, während die Menschen an ihm vorbeihetzten, ein Kind ihn anstarrte, ein Gepäckkarren einen Bogen um ihn fuhr und ein Zeitungsverkäufer nach einem irrtümlichen und vergeblichen Angebot fast scheu wieder von ihm wegging.

 

Er stand ganz still, der Blinde, und auch ich musste ein paar Augenblicke stehen bleiben.

Ich musste sein Gesicht ansehen. Die Schritte um ihn her und die unbekannten Stimmen und all die Geräusche eines lebhaften Verkehrs, die schienen für ihn keine Bedeutung zu haben.

 

Er wartete. Es war ein ganz geduldiges, vertrauendes und gesammeltes Warten.

Es war kein Zweifel auf dem Gesicht, dass ich etwa nicht wieder kommen könnte.

Es war ein wunderbarer Schein der Vorfreude darin; er würde bestimmt wieder an der Hand genommen werden.

 

Ich kam nur langsam los vom Anblick dieses eindrucksvoll wartenden Gesichtes mit den geschlossenen Lidern; dann wusste ich auf einmal:

So müsste eigentlich das Adventsgesicht der Christen aussehen.

 

                                                 Verfasser unbekannt

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