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Im Januar liegt das neue Jahr noch beinahe wie ein
unbeschriebenes Blatt vor uns. Zwar haben viele unter
uns schon eine Reihe von Terminen in den Kalender
eingetragen. Aber weitaus die meisten Tage sind noch
frei und weiß.
Wegen der Unberechenbarkeit und Offenheit der
Entwicklungen sind Wünsche und Hoffnungen naheliegend.
So wünschen wir uns meistens schon ab Mitte Dezember mit
den Weihnachtsgrüßen ein „frohes, gutes, schönes,
erfolgreiches, gesundes, viel-versprechendes,
überraschungreiches … neues Jahr“. Wenn wir wüssten, wie
das neue Jahr verlaufen wird, hätte das sicher
Auswirkungen auf unsere Gemütslage.
Gründe für eine skeptische Voreinstellung gibt es ja
genug: die eigenen Grenzen, die Gesundheit, Sorgen um
die (Groß-) Familie, berufliche Unzufriedenheit,
politische, wirtschaftliche und ökologische Bedrohungen.
Letztere betreffen uns alle, werden uns durch die
mediale Omnipräsenz von irgendwo auf dem Globus immer
serviert und sind daher ständig Gesprächsthema. In einer
Welt, in der Lügen, unsägliches Leid, Gewaltexzesse und
Tod den Blick verdunkeln, bleibt uns (nur) die Hoffnung
einer unser toxisches System übersteigenden bzw.
aufbrechenden Perspektive.
„Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in
die Welt … er kam in sein Eigentum, aber die Seinen
nahmen ihn nicht auf … allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden!“ (Joh 1, 9 ff.).
Der, den wir Gott nennen, macht den Neuanfang mit diesem
„Christ“kind. Seitdem berechnen wir nach ihm die neue
Zeit.
Die Lösung der Zeitenwende war völlig unerwartet,
innovativ, herzen- und weltbewegend: Lösung im Sinne von
„Erlösung“! Was im Hier und Heute nur im Fragment
bisweilen gut wird, oft aber auch nicht, wird am Ende
zum „Alles gut!“.
Das Neue ist insofern neu, als es jenseits eigener
Vorstellungen liegt. Diese können sich immer nur aus dem
speisen, was schon bekannt ist. „Gott spricht: Siehe ich
mache alles neu!“ (Offb 21, 5). Er wird die Naturgesetze
nicht ändern, aber Menschen schon, jeden Tag irgendwo!
Wir dürfen dem Charisma des Anfangs Glauben schenken.
Dann beginnt Gott auch in uns und durch uns Neues. Er
lässt uns Menschen nicht allein im Chaos. Die o.g.
Neujahrswünsche müssen dann ergänzt werden um den
entscheidenden Zusatz: „Wünsche ein gottgesegnetes neues
Jahr!“
Michael Schlüter
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