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der "Verkündigung des Herrn" an Maria (Fest am 25. März)
gibt es viele Darstellungen. In allen Epochen der
Kunstgeschichte haben Künstler dieses heilsgeschichtlich
so bedeutende Ereignis festgehalten.
Eine nicht alltägliche, ja geradezu außergewöhnliche
Darstellung findet sich im Tympanon des Nordportals der
Würzburger Marienkapelle, der Bürgerkirche im Zentrum
von
Würzburg. Dieses Tympanon ist um 1425 entstanden. Es
zeigt unten links den Erzengel Gabriel mit dem
Spruchband „Ave Maria, gratia plena, dominus tecum“ –
„Gegrüßet seist du, Mara, voll der Gnade, der Herr ist
mit dir!“ Rechts – dem Engel
gegenüber – kniet Maria mit einem geöffneten Buch in der
Hand. Zwischen dem Engel und Maria eine Vase mit drei
Lilien, die als Zeichen der Jungfräulichkeit gelten.
Soweit eine ganz traditionelle Darstellung.
Das Außergewöhnliche, vielleicht sogar Komische und zum
Schmunzeln anregende ist darüber zu sehen. Da ist
Gottvater abgebildet mit der Weltkugel in der Hand und
umgeben von zwei kleineren Engeln, die einen Vorhang
halten, vor dem sich die Verkündigungsszene abspielt.
Auch das ist noch im Rahmen des Üblichen. Aber dann,
wenn man genauer hinschaut, kann man eine Verbindung
zwischen dem Mund von Gottvater und dem linken Ohr
Marias erkennen – sie sieht aus wie ein Rohr oder ein
Schlauch.
Bei genauem Hinschauen kann man ein weiteres köstliches
Detail entdecken: Das Rohr bzw. der Schlauch wird
nämlich zur „Rutschbahn“. Über dem Haupt Marias ist
das Jesuskind zu sehen, das fleischgewordene Wort
Gottes. Es gleitet bzw. rutscht – auf dem Bauch liegend
– mit Armen und Kopf voraus – hinunter auf Maria zu.
Dort wartet am linken Ohr der Heilige Geist in Gestalt
einer Taube und empfängt sozusagen den Sohn Gottes.
„Conceptio
per aurem“
– die „Empfängnis im
Ohr“ – oder auch
„Würzburger Ohr-Empfängnis“
wird diese Darstellung genannt.
Ein Bild zum Schmunzeln,
aber mit "Tief-gang" im wahrsten Sinn des Wortes. - Eine
für manche vielleicht naive, aber doch sehr orginelle
Darstellung dessen, was wir am Fest "Verkündigung des
Herrn" feiern. Gott hat einen Menschen gefunden, bei dem
er mit seinem Wort "landen" konnte, ein Mensch, der ganz
offen, ganz Ohr war für seinen Anruf. Maria lässt sich
den Ruf Gottes ins Ohr, unter die Haut, zu Herzen gehen.
Sie hört, horcht und gehorcht: "Mir geschehe nach
deinem Wort."
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