Exerzitien mit P. Pius

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Fest der Taufe Jesu

(1. Sonntag im Lesejahr C; Lk 3, 15 - 16, 21 - 22)

EVANGELIUM                                                                                                   

Jesus ließ sich taufen; und während er betete, öffnete sich der Himmel

 

+Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

In jener Zeit

15war das Volk voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.

16Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

21Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel,

22und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

 

Was ich in Zeitungen und Zeitschriften besonders gern mag, sind Karikaturen.

Auf einer guten Karikatur sieht man mit einem Blick, was Sache ist.

Ein Leitartikel braucht oft eine halbe Seite und mehr, um den gleichen Sachverhalt darzulegen.

 

Ist auf einer Karikatur z. B. ein siebenköpfiges Ungeheuer abgebildet und ein bekannter Politiker schlägt mit dem Schwert darauf ein, weiß jeder sofort: die Versuche des Politikers, ein Problem in den Griff zu kriegen, sind zwar wacker, aber doch vergeblich.

Ein Bild hat unmittelbare Überzeugungskraft.

Eine pointierte Zeichnung vermittelt ein Aha-Erlebnis.

 

In der Hl. Schrift gibt es beides: die wortreichen Erklärungen und Erörterungen, die einem Leitartikel gleichen – der Theologe Paulus hat eine Vorliebe dafür.

Es gibt aber auch Szenen, in denen wie in einer pointierten Zeichnung oder wie in einem Brennspiegel die ganze Frohe Botschaft eingefangen ist.

 

Die Taufe Jesu im Jordan ist eine solche Geschichte.

Werfen wir einen Blick auf das Geschehen!

 

Drei Szenen sind zu erkennen:

Erstens: Jesus tritt in die Reihe der Sünder, die sich im Jordan von Johannes taufen lassen.

Zweitens: Der Geist Gottes schwebt über dem Wasser und kommt in Gestalt einer Taube auf Jesus herab.

Drittens: Der Himmel öffnet sich und eine Stimme bestätigt Jesus als den erwählten und geliebten Sohn.

 

  1. Bildausschnitt:  Jesus in der Reihe der Sünder

Hier wird deutlich, wie er, Jesus, seine Menschwerdung versteht.

Er ist wirklich unser Bruder geworden. Er kommt zu uns. Er hält sich nicht auf Distanz zu den Sündern. Er lässt sich ein in das Dunkel von Schuld und Sünde.

Er unterzieht sich der Busstaufe des Johannes, obwohl er Busse und Umkehr gar nicht nötig hat.

Das ist keine Farce, kein Theater, wie auch die Menschwerdung keine Farce ist.

Jesus zeigt sich durch und durch solidarisch mit den Sündern, mit den Geplagten und Beladenen.

 

Bald wird er sich einer anderen „Taufe“ unterziehen, der „Todestaufe“ seines Leidens und Sterbens. Dann nimmt er die Schuld der Welt vollends auf sich.

 

Jesus in der Reihe der Sünder. Jesus, der sich im Jordan taufen lässt. Er ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.

 

Am Jordan wird schon das Kreuz sichtbar. Es ist alles andere als harmlos, was da am Jordanufer geschieht. Die Szene ist keine Idylle.

Jesus nimmt den Kampf auf gegen die Sünde. Und dieser Kampf wird ihn selbst das Leben kosten.

Seine Solidarität mit den Menschen, mit uns, kennt keine Grenzen.

Gott liebt uns so sehr, so viel sind wir ihm wert, dass er unser Elend zu seiner Sache macht.

 

Und das ist Frohe Botschaft für uns:

Jeder von uns, wenn er ehrlich ist, muss sich als Sünder bekennen. Aber wir dürfen wissen: Jesus tritt für uns ein. Er trägt unsere Schuld mit uns und für uns. Wir brauchen daran nicht zu zerbrechen noch zu ersticken.

 

Sollte es da nicht möglich, dass wir einander annehmen, gerade mit unseren Schwächen und Grenzen und trotz all unserer Verfehlungen?

Sollten wir – wie Gott uns in Jesus Christus vergibt – nicht auch immer wieder zur Vergebung bereit sein?

Dürfen wir da irgendeinem Not Leidenden unsere Hilfe versagen?

 

  1. Bildausschnitt:  Der Himmel öffnet sich und der Hl. Geist kommt auf Jesus herab.

Paulus ergeht sich in langmächtigen Erörterungen, wenn er von der Neuschöpfung spricht, die durch die Taufe geschieht oder wenn er Jesus den „Erstgeborenen vor aller Schöpfung“ nennt.

Der Evangelist macht dieselbe Aussage durch einen einzigen pointierten Hinweis klar: Bei der Taufe schwebte Gottes Geist über den Wassern.

 

Die Frohe Botschaft für uns liegt darin:

Nicht nur Jesus empfing den Hl. Geist. Wir alle sind Geistträger seit unserer Taufe und Firmung. Gottes Lebensmacht steckt in uns und will in uns und durch uns wirken.

Haben wir uns vom Geist Gottes ergreifen lassen?

Geben wir ihm Raum in unserem Leben?

Lassen wir Gottes Geist in uns und bei uns zum Zuge kommen?

Er ist eine Gabe, ein Geschenk. Er kann uns helfen – mehr als alle moralische Anstrengung – auf dem Weg zu Gott voranzukommen.

 

  1. Bildausschnitt:  Aus dem geöffneten Himmel ertönt die Stimme des Vaters: „Du bist mein geliebter Sohn“.

Die Verklärung auf dem Berg Tabor und die Auferstehung werfen ihr Licht in die Stunde der Taufe Jesu am Jordan. Licht geht ihm auf. Wesentliches zur eigenen Sendung und Berufung wird ihm klar. Die Stimme vom Himmel bestätigt seine Berufung.

 

Auch in dieser Szene steckt Frohe Botschaft:

„Du bist mein geliebter Sohn!“ Wir dürfen dieses Wort auch auf uns hin hören und auf uns beziehen.

„Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter.“

Das gilt für jeden Getauften. Das sagt Gott auch zu uns.

Wir heißen nicht nur Kinder Gottes, wir sind es!

Gott sagt Ja zu uns. Und wir dürfen „Abba, Vater“ sagen.

Gott nimmt uns an, weil er uns liebt. Aus dieser Gewissheit dürfen wir leben. Wir dürfen vertrauen, egal was das Leben uns bringt.

 

Ahnen wir, welch großen Reichtum Gott uns in seinem Sohn geschenkt hat? Ahnen wir, wie nahe Gott uns gekommen ist in Jesus Christus? Ahnen wir, wie groß die Liebe Gottes ist? Ahnen wir, wieviel er es sich hat kosten lassen, um uns zu retten, um uns herauszuholen aus Verlorenheit und Schuld?

Gott selbst ist in Jesus, seinem Sohn, den Weg zu uns Menschen gegangen. In ihm hat er uns gezeigt, was Liebe ist.

 

Bezeugen wir allen Menschen, denen wir begegnen die Liebe des Vaters und die Schöpferkraft seines Geistes – mit Worten und mehr noch in Taten!

 

Das kann heißen: Das geknickte Rohr nicht brechen! Den glimmenden Docht nicht auslöschen!

Den Mitmenschen annehmen, ihn zu verstehen suchen!

Sich vor jedem Verurteilen hüten! Dem anderen immer wieder eine Chance geben!

Erbarmen haben, Verzeihung gewähren, Liebe üben!

 

Tun wir, wie Jesus getan hat!

Das ist eine Einladung, damit auch über uns und unserer zerrissenen Welt, in der so viel Elend herrscht und so viele Grausamkeiten geschehen, der Himmel offen bleibt.

 

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