Exerzitien mit P. Pius

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Darstellung des Herrn (02.02.) - Simeons Weissagung

(Lk 2, 33 - 35)

 

An das Loblied des Greisen Simeon schließt sich eine Weissagung an. Maria und Josef hören Simeon prophetisch reden, Worte, die ihnen rätselhaft, ja unheimlich vorkommen mussten.

 

Was bedeuten diese Worte? Was kommt an Schwerem und Leidvollem auf sie zu? Welches Schicksal erwartet dieses ihr Kind?

Ihr Sohn soll ein Zeichen der Entscheidung sein. An diesem Jesus werden sich die Geister scheiden. Er wird Widerspruch ernten. Er wird die Gedanken der Menschen offenkundig machen, wer wirklich für Gott ist und wer nicht. Wohlwollende oder distanzierte Neutralität ist nicht vorgesehen.

Der Gehorsam vor Gott ist der Maßstab, den dieses Kind aufrichten wird, den einen zum Fall, zum Sturz, den anderen zur Auferstehung, zum Leben.

 

Entschieden und konsequent wird Jesus seinen Weg gehen. Er wird die Botschaft Gottes in Wort und Tat umsetzen. Er wird nicht immer Gehör finden und ankommen. Er wird auch auf Verschlossenheit, Misstrauen und Ablehnung stoßen. Er wird in Konflikte geraten und Konflikte nicht scheuen. Er wird mit einem ungeheuren Anspruch auftreten: dass nämlich mit ihm und in ihm die Herrschaft Gottes endgültig bei den Menschen ankommt.

Für viele ein Ärgernis. Sie werden Anstoß an ihm nehmen, ihn ablehnen. Merken Sie, liebe Schwestern und Brüder, wie das Kreuz seinen Schatten in die Szene wirft!

 

Wie kein anderer Mensch wird die Mutter Jesu mit hineingezogen in den Widerspruch, der von ihrem Sohn ausgelöst wird. All das wird Schmerz mit sich bringen. Wie ein Schwert wird er das Herz der Mutter durchbohren. Was mit Christus sterben und mit ihm leben meint, hat sie am tiefsten erfahren. Maria ist den Leidensweg ihre Sohnes mitgegangen vom Morgen der Verkündigung bis zum Abend unter das Kreuz. „Angst und Jammer, Qual und Bangen, alles Leid hielt sie umfangen, das nur je ein Herz durch drang.“

 

Marias Leben und das Leben ihres Kindes war nicht auf Rosen gebettet: Herbergssuche, verschlossene Türen und Herzen, ein Stall als Unterkunft, ein Futtertrog als Wiege; Herodes, der in dem Kind eine politische Gefahr wittert; Hals über Kopf müssen sie auf die Straße, über die Grenze, in ein fremdes Land. - Welche Dramatik, welche Tragik haftet diesem Leben an?

 

Die ganze Tragweite der dunklen Weissagung Simeons über die Zukunft des Kindes, von der Maria mitbetroffen ist, können die Eltern in dieser Stunde noch nicht begreifen. Sie ahnen aber wohl, dass ihr Weg und der Weg ihres Kindes kein Spaziergang sein würde.

Doch Gottes Kraft geht alle Wege mit.

 

„Und Simeon segnete sie“.

Segen: Das hebräische Wort barach bedeutet ursprünglich, jemanden mit Heil schaffender, wohltuender Kraft begaben.

Segnen heißt: anderen bedingungslos und uneingeschränkt alles Gute wünschen.

Segnen heißt: die göttliche Fürsorge und Gottes Schutz auf den Menschen herabrufen.

Segnen heißt: voll Dankbarkeit an jemanden denken und über ihn sprechen.

Segnen heißt: dem anderen Glück und Frieden, Licht und Heil wünschen, wobei man selber nie der Geber ist, sondern nur der frohe Zeuge der Fülle des Lebens.

Gesegnet sein, heißt: ich empfange, was ich nicht erarbeitet habe.

Gesegnet sein, heißt: beschenkt sein, geliebt sein, begabt, begnadet sein. Nur der Beschenkte kann ein Schenkender sein, nur der Gesegnete ein Segnender.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Es ist unmöglich, gleichzeitig zu segnen und zu hassen, gleichzeitig Gutes zu sagen und zu verurteilen.

Jesus sagt in der Bergpredigt: „Segnet die, die euch verfluchen!“

Versuchen wir immer zu segnen. Segnen ist ganz wichtig. Wir alle können es tun, nicht nur der Priester. Wir können es gar nicht oft genug tun.

Schon beim Aufwachen segnen! Den kommenden Tag segnen! Die Menschen, denen ich begegne, segnen, auf der Straße, im Bus, am Arbeitsplatz, auf dem Amt, im Krankenhaus, die Kinder auf dem Spielplatz, den Straßenfeger und Schornsteinfeger, den Bäcker und die Verkäuferin...

 

Wenn du einen Menschen weinen siehst, segne ihn. Wenn du einen triffst, der am Ende ist, segne ihn! Wenn du einen kennst, der verzweifelt ist, schick Gottes Segen zu ihm!

So werden wir zu Boten der Liebe und zu Werkzeugen des Friedens. Vergiss auch nicht, den einmaligen, herrlichen Menschen zu segnen, der du selber bist!

Als Gesegneter kannst du für andere zum Segen werden.

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