„Als Jesus die vielen
Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie Schafe, die
keinen Hirten haben.“
So hörten wir eben im Evangelium. (Sa - 1. Adventwoche; Mt. 9, 35 – 10,
1.6 - 8)
Genauso reagierte Adolf
Kolping, als er nach seiner Priesterweihe als 2. Vikar nach Elberfeld
versetzt wurde.
Das Mitleid mit der Not der arbeitenden Bevölkerung ging
ihm so sehr zu Herzen, dass er seinen ursprünglichen Plan aufgab, die
wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Diese armen Arbeiter waren
ganz von den Fabrikherren abhängig und wurden schamlos ausgebeutet.
Kolping
kannte diese Not aus eigener Erfahrung, wuchs er doch in einer armen
Familie auf. Sein Vater war Schäfer.
Im Jahr 1813
kam Adolf Kolping in Kerpen zur Welt. Obwohl der Junge begabt war, hatte
er keine Möglichkeit zu studieren. Es fehlten die Mittel. Und staatliche
Förderung wie heute z. B. das Bafög gab es nicht. – So lernte er nach
der Volksschule das Schuhmacherhandwerk, nutzte aber jede freie Minute
zum Lesen. So verdiente er sich den Lebensunterhalt und bekam
dann als 22jähriger die Gelegenheit, studieren zu können.
Er wandte sich an seinen
Heimatpfarrer und trug ihm seinen Wunsch vor, Priester zu werden. Doch
statt einer Ermutigung bekam er das berühmte Wort zu hören.
„Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ Glücklicherweise ließ sich der
junge Kolping nicht entmutigen, sondern ging zum Nachbarpfarrer, der ihm
weiterhalf, weil er die Begabung des jungen Mannes erkannte.
So
wurde er im Alter von 24 Jahren Schüler am berühmten Marzellusgymnasium
in Köln. Nach dem Abitur ging er zum Theologiestudium nach München, weil
ihm die zuständige Universität Bonn zu antirömisch und liberal war.
In München hatte er
vortreffliche Lehrer, mit denen er zeitlebens in brieflicher Verbindung
blieb und die auch sein soziales Engagement unterstützten.
Mit 32 Jahren
empfing er die Priesterweihe. Aber in die Freude dieses Tages mischte
sich das Leid. In der Nacht zuvor war sein Vater verstorben. Dennoch
feierte er seine Heimatprimiz, um niemand zu enttäuschen.
Liebe Mitchristen!
Die Studien
waren für Adolf Kolping wie ein Lebenselixier. Er war richtig in seinem
Element, froh der Not des bisherigen Lebens entronnen zu sein. – Kein
Wunder also, dass Adolf Kolping die wissenschaftliche Laufbahn
einschlagen wollte, zumal ihn seine Lehrer dazu ermutigten. – Dann
kam er nach Elberfeld und sah die Not der Fabrikarbeiter und gab seinen
Wunsch auf. Denn er erkannte in dieser Situation den Ruf Gottes.
In Elberfeld
hatte der Lehrer Breuer einen Gesellenverein gegründet, dessen Präses
Kolping wurde. Mit ganzer Kraft widmete er sich der neuen Aufgabe. Und
tat alles, um den Verein bekannt zu machen auch über Elberfeld hinaus.
Als er dann
Domvikar in Köln wurde, hatte er Zeit genug für dieses Engagement. Am 6.
Mai 1849 gründete er in Köln mit 7 Gesellen den katholischen
Gesellenverein.
Aus diesem kleinen
Anfang
wurde das internationale Kolpingwerk, das in vielen Ländern zum Wohl der
Arbeiter wirkt.
Von Anfang an
war der Gesellenverein international konzipiert. Kolping selbst reiste
nach Zagreb und Wien und gewann bedeutende Seelsorger für sein Werk.
Kolping unterstützte mit seinem Werk die Gesellen. Er förderte ihre
berufliche, sittliche und religiöse Bildung. Für die wandernden
Zimmerleute gründete er Kolpinghäuser, so dass sie unterwegs eine Bleibe
hatten.
Er erkannte die
Zeichen der Zeit und die Bedeutung der Medien. So
schuf er Zeitungen, mit denen er zur Bildung und Information über das
Zeitgeschehen beitrug. – Trotz aller Schwierigkeiten, die die
preußische, evangelische Regierung ihm bereitete, ließ er sich nicht
entmutigen. Man kann von ihm sagen, dass sie Liebe Christi ihn drängte
zu handeln. Die Liebe des guten Hirten war ihm Motivation, bei denen zu
leben und für die da zu sein, die ihm anvertraut waren und mit denen er
das Leben teilte. Mit ihnen ging er durch Dick und Dünn. Wahrhaftig,
Kolping war ein Priester nach dem Herzen Jesu.
Er förderte die
katholische Soziallehre und machte gerade auch den skeptischen
Mitbrüdern ihre Bedeutung klar.
Als Johannes Paul II.
bei seinem Deutschlandbesuch in der Minoritenkirche in Köln am Grab
Adolf Kolpings betete, sagte er:
„Die Kirche von heute
braucht solche Männer wie Adolf Kolping.“
In der Tat, liebe
Schwestern und Brüder, die Kirche, ja unsere Zeit braucht solche
Menschen!
Liebe Mitchristen!
20 Jahre
konnte Adolf Kolping als Priester wirken. 16 Jahre davon widmete
er seine ganze Kraft dem Gesellenverein, wie er damals hieß. Aus seinem
bescheidenen Anfang wurde das weltumspannende Kolpingwerk. Aber
gerade Adolf Kolping lehrt uns, dass das soziale Engagement der
Gemeinschaft mit Jesus entspringen muss, wenn es segensreich werden
soll. Ohne dieses Fundament läuft alles Tun ins Leere. Eins mit Christus
aber wird unser Einsatz zum Segen und zur Hoffnung für die Welt.
Das zeigt
genau das Engagement des internationalen Kolpingwerkes in der 3. Welt.
Dank dieses Einsatzes haben viele einen sicheren Arbeitsplatz, können
ihre Familien ernähren und sind außerdem Multiplikatoren dessen, was sie
bei Kolping gelernt haben, für ihre Mitbürger.
So zeigt
das katholische Sozialwerk Adolf Kolpings die Wahrheit des Satzes:
„Wo die Liebe und die Güte, da ist Gott.“
Wo aber Gott ist, da ist
Leben. Da ist der Ort, wo Menschen ihrer Würde entsprechend leben
können.
Lernen wir also
vom seligen Adolf Kolping, dem Herrn die Wege zu bereiten im Dienst an
den Armen und Schwachen, denn in ihnen begegnen wir IHM, unserem Herrn,
der unseretwegen arm geworden ist, damit wir reich seien an Gottes
Gnade.
Amen