Exerzitien mit P. Pius

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Johannes Paul II. (22.10.)

1978 war das 3-Päpste-Jahr. Papst Paul VI. starb.

Als sein Nachfolger wurde Albino Luciani, Johannes Paul I. gewählt, der „lächelnde Papst“. Er war allerdings nur 30 Tage im Amt. Nach seinem überraschend schnellen Tod wählten die Kardinäle Karol Wojtyla, den 56 jährigen Erzbischof und Kardinal von Krakau, zum Papst, einen dynamischen und sportlichen Typ.

 

Das Sensationelle aber war, dass nach fast fünf Jahrhunderten zum ersten Mal ein Nicht-Italiener gewählt wurde, dazu aus Polen, ein Papst aus dem Osten und der erste slawische Papst überhaupt. Fast 30 Jahre, eine ganze Generation, lenkte er die Geschicke der Kirche. Es war das zweitlängste Pontifikat der Kirchengeschichte.

 

Ein Satz aus seiner Antrittspredigt hat sich mir ganz tief eingeprägt: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“ – Diese Worte, die er den Gläubigen und der ganzen Welt zurief, habe ich nie vergessen. Und ich finde: diese Worte sind heute so aktuell wie damals: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“

 

Christus in alle Welt tragen, weil er der Erlöser der Menschheit ist, das sah Joh.-Paul II. als seine Hauptaufgabe an. Darin sah er auch den Auftrag der Kirche. Wie ein zweiter Paulus war er rastlos unterwegs, um das Evangelium aller Welt zu verkünden und Christus präsent zu machen.

 

J.P.II. ging auf die Menschen zu und scheute auch nicht das Bad in der Menge. Er versammelte große Menschenmengen in allen Kontinenten. Über hundert Mal reiste er ins Ausland und legte dabei 1, 2 Millionen Kilometer zurück, weswegen er auch der „eilige Vater“ genannt wurde.

Es gibt wohl kaum einen Zeitgenossen, dem so viele Menschen begegnet sind wie Joh.-Paul II. Unzähligen hat er die Hände geschüttelt, hat mit ihnen gesprochen, mit ihnen gebetet und sie gesegnet. Dabei ging es ihm nicht um Popularität oder um sein eigenes Image. Es ging ihm um den Menschen, weil es ihm um Gott ging.

Johannes Paul II. verfasste 15 Enzykliken und unzählige apostolische Schreiben und Botschaften. Täglich hielt er zwei bis vier Reden, etwa 900 pro Jahr.

Er empfing während seines Pontifikats 890 Staats- und Regierungschefs, berief 15 Bischofssynoden ein und nahm ca. 1.800 Selig- und Heiligsprechungen vor. Auch eine Art Weltrekord!

 

Er forcierte die Einheit der Christen und die Zusammenarbeit der Religionen. 1986 lud er Vertreter der Religionen zum interreligiösen Weltfriedensgebet nach Assisi ein. – In Damaskus betrat er als erstes Katholiken-Oberhaupt eine Mosche. Als erster Papst betrat er eine Synagoge. Sein Gang zur Jerusalemer Klagemauer im Jahr 2000 war ein Meilenstein in der Beziehung zwischen Kirche und Judentum.

Politiker aller Couleur achteten ihn als Mittler und Mahner für Frieden und Gerechtigkeit. Er redete Pinochet, dem Diktator Chiles, genauso ins Gewissen wie Fidel Castro in Kuba.

 

Als er 1979 zum ersten Mal sein Heimatland Polen besuchen wollte, erhielt er von den Kommunisten die Auflage, auf alle politischen Äußerungen zu verzichten. Deswegen herrschte vor der Reise Anspannung und Angst. Johannes Paul II. hielt sich an die Auflage.

Am Abend vor Pfingsten betete er mit Millionen in Warschau die Pfingstvigil. Die Bitte an den Heiligen Geist lautete: „Komm, hl. Geist, und erneuere das Antlitz der Erde!“ – Karol Wojtyla ergänzte nur zwei Worte, aber diese mit Nachdruck: „…erneuere das Antlitz der Erde – dieser Erde!“ – Die Wirkung dieser Worte war unglaublich. Die Menschen, die gekommen waren, verloren die Angst vor Polizei, Militär und Geheimdienst. Ab diesem Zeitpunkt fühlten sich die Menschen stark. Und es war die Staatssicherheit, die unsicher wurde. Johannes- Paul II. stärkte der Arbeiterbewegung Solidarnosc den Rücken. Selbst Gorbatschow bestätigte später, dass der Papst aus Polen maßgeblich zum politischen Umschwung in Osteuropa beigetragen habe.

 

Wie sehr er den Ostblock-Mächtigen im Wege war, zeigte sich am 13. Mai 1981, als auf dem Petersplatz ein Attentat auf ihn verübt wurde. Bis heute gilt als sicher, dass die Auftraggeber an den Machtzentralen des damals kommunistischen Ostblocks zu suchen sind.

 

Höhepunkt im Pontifikat Johannes-Pauls II. war ohne Zweifel das Heilige Jahr 2000 mit rund 30 Millionen Rompilgern. In diesem Jahr bat er auch um Vergebung für alles Unrecht, das im Namen des Christentums begangen worden war.

 

Johannes Paul II. hatte ein Herz für die Jugend. 1984 führte er die Weltjugendtage ein, Feste der Begegnung im Glauben. Jugendliche aus aller Welt treffen sich, reden, beten und feiern miteinander.

 

Johannes Paul II. imponierte mit seiner Tatkraft, seinem Charisma, seiner Ausstrahlung. Und zuletzt beeindruckte er in seiner Krankheit, in seinem Leiden. Mit innerer Anteilnahme begleiteten viele Menschen – auch Nichtchristen – das Sterben dieses großen Papstes.

 

Während seiner langen Leidenswochen, besonders aber in den letzten Lebenstagen, war an ihm beispielhaft zu sehen, mit welcher Würde ein Mensch seinen Weg – bei aller Hinfälligkeit, Schwachheit und Hilflosigkeit – zu Ende gehen kann, wenn der Glaube ihn trägt und hält. Johannes Paul II. war bis zuletzt und zutiefst vom Vertrauen auf Gottes Güte und Barmherzigkeit erfüllt.

 

Als er schließlich am 2. April 2005 starb – am Vorabend des von ihm eingeführten Sonntags der Barmherzigkeit – da war allen bewusst: Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Zeit hat die Welt verlassen. Scharen von Menschen pilgerten nach Rom. Kilometer lange Schlangen, Stunden langes Anstehen vor seinem Sarg, ein endloser Strom von Menschen, die dem verstorbenen Papst die letzte Ehre erweisen wollten.

 

6 Jahre nach seinem Tod wurde Johannes Paul II. selig gesprochen. Sein Nachfolger Benedikt XVI leitet persönlich die Feierlichkeiten. Als liturgischer Gedenktag wurde der 22. Oktober festgelegt, der Tag seines Amtsantritts 1978.

 

Was war das Geheimnis dieses Jahrhundert – ja vielleicht sogar Jahrtausendpapstes?

„Hingabe bis zum letzten Augenblick“, so betitelte der L’ Osservatore Romano das Sterben des Papstes und hat damit meines Erachtens das Geheimnis dieses Papstes zutiefst erfasst.

 

Es war „Hingabe bis zum Letzten“, die sich in seinem Pontifikat zeigte, sowohl in den Tagen seines kraftvollen Anfangs als auch – ja vielleicht noch mehr – in den letzten Jahren seiner schweren Parkinsonerkrankung und seiner zunehmenden Gebrechlichkeit.

 

„Hingabe bis zum Letzten“. Das machte Johannes Paul II. bereits deutlich durch seinen Wahlspruch: „Totus tuus – Ganz der Deine“.

„Totus tuus“ – das wollte er sein für für Jesus Christus und die Gottesmutter. „Totus tuus“ – das wollte er sein als Stellvertreter Christi für die ihm anvertrauten Menschen.

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