Exerzitien mit P. Pius

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Danken - Dankbarkeit - Dankvergessenheit

(Predigt zum Erntedankfest 2019)

Evangelium

 

Ist keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?

 

 

+Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

 

11Es geschah auf dem Weg nach Jerusalem: Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samárien und Galiläa.

12Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen

13und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!

14Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und es geschah: Während sie hingingen, wurden sie rein.

15Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme.

16Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Dieser Mann war ein Samaríter.

17Da sagte Jesus: Sind nicht zehn rein geworden? Wo sind die neun?

18Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?

19Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.

 

 

Viele moderne geistliche Lieder, die vor fünfzig Jahren komponiert und gern gesungen wurden, sind längst vergessen. Ein Lied hat sich gehalten. Jeder kennt es. Landauf landab wurde und wird es noch in Ferienlagern, bei Freizeiten, Kinder- und Schulgottesdiensten gesungen. Es ist sozusagen ein Evergreen: „Danke für diesen guten Morgen…“

 

Das Lied ist 1961 entstanden. Es stammt von dem Freiburger Theologen, Kantor und Organist Martin Schneider. 2017 ist er im Alter von 86 Jahren verstorben. Sein Lied hat Eingang ins evangelische Gesangbuch gefunden und in etliche Regionalteile des neuen Gotteslobs. „Danke“ ist sogar eines der wenigen geistlichen Lieder, das es (in den 60-er Jahren) in die Plattencharts und Hitparaden geschafft hat. 1963 erhielt das Lied den ersten Preis der Evangelischen Akademie Tutzing.

 

Die Melodie ist schlicht. Der Beliebtheit tat das und tut das keinen Abbruch. Auch der Text ist einfach. Für manche Theologen und Literaturwissenschaftler zu einfach? Die katalogartig aufgezählten Gründe zum Danken haben jedoch viele Menschen angesprochen und ihnen Worte und Töne für eine gesungene Danksagung gegeben.

 

Die Gründe und Anlässe, dankbar zu sein, sind viele.

Und so erfuhr das Lied unzählige Textvariationen. Man könnte die Liste noch erweitern und das Danken zur Endlosschleife ausdehnen. Offensichtlich spüren und merken viele Menschen, wie gut es tut, Gott einfach „danke“ zu sagen.

 

Und wofür? – Das ist bedenkenswert: Für den guten Morgen – den neuen Tag – für gute Freunde – für die Arbeitsstelle – das kleine Glück – die Musik – für ein gutes Wort – und dass ich Gott meine Sorgen anvertrauen kann – dass ich in seiner Hand bin – dass ich dem Feind verzeihen kann, dass Gott mich leitet – dass er mir seinen Geist schenkt – dass er die Menschen liebt – und sein Heil grenzenlos ist, – und sogar: danken, dass ich danken kann. Ja, arm, wer nicht mehr dankt, arm, wer nicht mehr danken kann!

 

Mit Sicherheit war 1961 das Danken ebenso wenig selbstverständlich wie heute – auch wenn damals noch bei jedem Kind stereotyp nachgefragt wurde: Hast du auch danke gesagt?

Aber damals wie heute haben wir Grund zu danken, zu danken für vieles, was nicht selbstverständlich ist. Aber halten wir nicht vieles für allzu selbstverständlich und vergessen wir darum nicht allzu oft zu danken?

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Damit stehen wir mitten im heutigen Evangelium (Lk 17,11 - 19). Es trägt in den Bibelausgaben gewöhnlich die Überschrift: „Der dankbare Samariter.“ – Zu recht! Denn nur dieser kommt zurück, um zu danken. Er allein dankt Jesus für seine Heilung. Und Jesus fragt: „Wo sind die übrigen neun?“ Neun zu eins: eine denkbar schlechte Quote! Und der eine ist auch noch ein Ausländer, ein Nicht-recht-Gläubiger. Doch nur er hört die Worte: „Steh auf und geh, dein Glaube hat dir geholfen.“

 

Was in den anderen neun vor sich ging, wissen wir nicht.

Ob die Freude an ihrer heilen Haut, an ihren gesunden Gliedern so groß war, dass sie an nichts anderes mehr dachten?

Oder ob bereits neue Wünsche, Sehnsüchte, Vorhaben auf dem Weg zurück zur Familie, zur Arbeit und in die Gesellschaft für sie so wichtig und vorrangig waren, dass sie alles andere vergasen, auch das Danken? – Vielleicht haben sie das alles auch für ganz normal und selbstverständlich hingenommen: Und warum soll man für etwas, das selbstverständlich ist, danken?

 

Liebe Mitchristen!

Ist das nicht eine schleichende Gefahr und eine permanente Versuchung in unserem Leben, vieles zu selbstverständlich zu nehmen? Diese Selbstverständlichkeit und Gedankenlosigkeit führt früher oder später bewusst-unbewusst hin zu dem Grundübel – ich möchte es Dankvergessenheit nennen.

 

Dankvergessenheit – es gibt sie auf vielfache Weise:

Nehmen wir vieles nicht allzu normal und selbstverständlich, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist: dass wir gesund sind, dass wir täglich aufstehen können, dass wir unsere Glieder regen und unsere Sinne gebrauchen können, dass wir sehen, hören, riechen können – und uns bewegen, dass wir ein Dach über dem Kopf haben, zu essen und zu trinken, und dass es uns schmeckt und bekommt.

 

Besuchen wir doch einmal ein Krankenhaus, die Pflegestation eines Altenheimes oder ein Heim für Behinderte? Oder denken wir einfach nur mal zurück, wo wir selbst krank waren, um zu erkennen, wie wenig selbstverständlich es ist, gesund zu sein, einigermaßen wenigstens gesund zu sein, – dass wir ein Zuhause haben, dass es Menschen gibt, mit denen wir zusammenleben, die uns gut sind, bei allen Macken und Fehlern, die letztlich jeder hat.

Doch sagen Sie es selbst: Sind Freundschaft, Liebe und Vertrauen selbstverständlich? Oder Hilfsbereitschaft, Güte, Verzeihen? Sind sie nicht ein Geschenk? Ist nicht alles, was wir sind und haben, letztlich Gabe, Geschenk, Gnade?

Vor allem auch SEINE Liebe, SEINE Güte, SEINE Treue und SEIN Erbarmen?

 

So stellt das heutige Evangelium uns auch die wichtige Frage: Danken wir für das unfassbare Geschenk der Gnade, der Erwählung, der Erlösung. Danken wir für die Gemeinschaft der Glaubenden, für die Kirche, in er Jesus – trotz aller Sünden und Skandale – lebt und wirkt? – Nehmen wir das alles nicht manchmal auch viel zu selbstverständlich? Dass wir Christen sind, getauft, angenommen, erlöst, geliebt, in Gottes Hand – berufen zur ewigen Gemeinschaft und Vollendung mit ihm?

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Unseren zentralen Gottesdienst, die heilige Messe, nennen wir Eucharistie, das heißt Danksagung und Lobpreis. Hier feiern wir das Lebenswerk Jesu Christi, seine Erlösungstat, seinen Tod, seine Auferstehung, seine Herrlichkeit und Wiederkunft – wie wir ja nach der Wandlung als „Geheimnis unseres Glaubens“ gemeinsam beten und bekennen. So kehren wir immer wieder zu Gott zurück und bringen Lob und Dank, Anbetung und Ehre, IHM, von dem alles Gute kommt und unser Heil und unsere Erlösung.

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