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Evangelium
Du bist Petrus; ich werde dir die Schlüssel des
Himmelreichs geben
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Aus dem heiligen Evangelium nach
Matthäus
In jener Zeit,
13als
Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam, fragte er
seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den
Menschensohn?
14Sie
sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für
Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen
Propheten.
15Da
sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?
16Simon
Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der
Sohn des lebendigen Gottes!
17Jesus
antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon
Barjóna; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das
offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
18Ich
aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels – und auf
diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die
Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
19Ich
werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du
auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden
sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im
Himmel gelöst sein.
20Dann
befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der
Christus sei.
Liebe Schwestern und Brüder!
„Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“
Mit dieser scheinbar unverfänglichen Frage beginnt das
heutige Evangelium. Die Jünger zählen eifrig auf, was
sie auf der Straße hören: Die Leute sehen in Jesus eine
Wiedergeburt des radikalen Täufers Johannes, den
feurigen Propheten Elija oder den tiefgründigen Jeremia.
Es sind allesamt große Namen. Doch es sind Namen der
Vergangenheit. Die Menschen versuchen, das Phänomen
Jesus in bekannte Schubladen zu stecken. Sie bewundern
ihn – aber sie greifen zu kurz.
Dann
wendet sich Jesus direkt an seine engsten Begleiter –
und damit auch an uns: „Ihr aber, für wen haltet ihr
mich?“ – In diesem Moment bricht das unverbindliche
Reden zusammen. Nun geht es nicht mehr um das, was „man“
glaubt, was die Theologen sagen oder was in den Büchern
steht. Es geht um das persönliche Zeugnis. Es geht um
die Beziehung.
Simon Petrus
übernimmt das Wort. Er wartet nicht ab, er fackelt nicht
lange: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen
Gottes!“ Es ist ein großartiges Bekenntnis. Christus
– der Messias, der Gesalbte, auf den Israel seit
Jahrhunderten wartet. Und mehr noch: der Sohn des
lebendigen Gottes.
Jesus
reagiert prompt. Er nennt Petrus „selig“. Aber er
stellt auch sofort klar: Diese Erkenntnis hat Simon
nicht aus sich, nicht aus eigener intellektueller Kraft.
Sie ist ihm vom Vater im Himmel geschenkt worden.
Und genau
auf diesem Fundament – auf diesem vom Geist Gottes
eingegebenen Glauben – gründet Jesus seine Kirche.
Simon, der ungestüme Fischer mit all seinen Fehlern
und Zweifeln, wird zum „Petrus“, zum Felsen.
Jesus
verheißt, dass die Mächte der Unterwelt seine Kirche
nicht überwältigen werden. Das ist ein Trostwort, das
wir gerade in Zeiten von Kirchenkrisen und
Strukturdebatten bitter nötig haben.
Die Kirche
steht und fällt letztlich nicht mit unseren menschlichen
Konzepten, unserer perfekten Verwaltung, den
Strukturreformen oder unserer Außendarstellung. Sie
steht auf dem Fundament des Christus-Bekenntnisses.
Und was hat es mit den Schlüsseln, die Jesus dem Petrus
anvertraut, auf sich? Sie sind kein Instrument der
Machtpolitik. Sie sind ein Auftrag der Versöhnung.
Lösen bedeutet:
Türen öffnen, Befreiung zusagen, den Weg zu Gott
freimachen. Binden bedeutet: Verantwortung ernst
nehmen, Unrecht beim Namen nennen und die Gemeinschaft
im Guten zusammenhalten.
Am Ende des Evangeliums
folgt ein seltsames Schweigen: Jesus verbietet den
Jüngern, mit niemandem darüber zu sprechen. Warum? Weil
sein Weg als Messias erst noch vollendet werden muss. Es
ist kein Weg des triumphalen Einzugs in einen irdischen
Palast. Es ist der Weg ans Kreuz und durch das Grab
hindurch zur Auferstehung. Erst von dort aus versteht
man ganz, wer dieser Christus wirklich ist.
Liebe Schwestern und Brüder
Die Frage Jesu hallt durch die Jahrhunderte bis in
unsere Kirchenbänke und in unseren Alltag hinein:
„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“
Jesus
fragt uns nicht nach unserem theoretischen Wissen. Er
fragt uns:
-
Wer bin ich für dich, wenn dein Leben
aus den Fugen gerät?
-
Wer bin ich für dich, wenn du in
Schuld gefangen bist und Vergebung brauchst?
-
Wer bin ich für dich am
Montagmorgen, wenn der Alltag dich fordert?
Antworten wir ihm nicht mit dem, was andere meinen und
sagen oder mit auswendig gelernten Katechismussätzen.
Antworten wir ihm wie Petrus mit unserem Herzen. Er
ist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes – unser
Fundament, unser Fels, der uns hält, wenn alles andere
wankt.
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