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Erste
Lesung
Kommt und esst!
Lesung
aus dem Buch Jesája
So spricht der Herr:
1Auf,
alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld
habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft
ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch!
2Warum
bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem
Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf
mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch
laben an fetten Speisen!
3Neigt
euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!
Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der
Huld für David sind beständig.
Evangelium
Alle aßen und wurden satt
+
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit,
13als
Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er
sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend
zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten
ihm zu Fuß aus den Städten nach.
14Als
er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte
Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken.
15Als
es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der
Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick
die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich
etwas zu essen kaufen!
16Jesus
aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr
ihnen zu essen!
17Sie
sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische
hier.
18Er
antwortete: Bringt sie mir her!
19Dann
ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen.
Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte
zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und
gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den
Leuten
20und
alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig
gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll.
21Es
waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu
noch Frauen und Kinder.
Liebe Schwestern und Brüder!
Haben Sie heute Morgen schon gefrühstückt? Vermutlich
ja. Unser physischer Hunger ist erst einmal gestillt.
Und dennoch kennen wir alle eine andere Form von Hunger.
Einen Hunger, den man nicht mit Brot, Müsli oder Kaffee
beruhigen kann.
Es ist der Hunger nach Anerkennung, der Durst nach
echtem Verstanden-Werden, die Sehnsucht nach Frieden,
nach Sinn und nach einer Liebe, die nicht an Bedingungen
geknüpft ist.
Wir leben in einer Welt, in der uns ständig eingeredet
wird: „Du musst Leistung bringen, um dir dein Brot zu
verdienen. Nichts im Leben ist umsonst.“ Wir rennen,
wir kaufen, wir arbeiten – und oft bleibt die Seele doch
leer. – In genau diese Erschöpfung hinein sprechen die
heutigen Schrifttexte verheißungsvolle und befreiende
Worte Gottes.
Schauen wir auf die erste Lesung beim Propheten Jesaja.
Da ruft Gott uns zu: „Auf, ihr Durstigen, kommt zum
Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen! Kauft Wein
und Milch ohne Geld und ohne Bezahlung!“
Das widerspricht allem, wie unsere Welt funktioniert.
Auf dem Marktplatz des Lebens gilt: Keine Leistung –
keine Ware! Doch Jesaja stellt eine entscheidende Frage,
die uns auch heute den Spiegel vorhält: „Warum
bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem
Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“
Wie oft investieren wir unendlich viel Energie in Dinge,
die uns letztlich leer zurücklassen? In Status, in
Konsum, in die Fassade nach außen. Gott lädt uns ein,
auf ihn zu hören und uns ihm zuzuwenden. Bei ihm gilt
nicht das Prinzip des Tausches, sondern das Prinzip der
Gnade. Das, was unsere Seele wirklich satt macht –
Liebe, Vergebung, Heimat bei Ihm –, gibt es umsonst.
Diese prophetische Vision des Jesaja wird im heutigen
Evangelium buchstäblich Fleisch und Blut.
Jesus zieht sich an einen einsamen Ort zurück. Er ist
traurig über den Tod Johannes des Täufers. Er sucht
Stille. Doch die Menschen folgen ihm. Sie hungern nach
seinen Worten, nach seiner Nähe, nach Heilung. Und was
tut Jesus? Er weist sie nicht ab. Es packt ihn vielmehr
Mitleid. „Und er heilte ihre Kranken“, so heißt es.
Als es Abend wird, schlägt die Stunde der Jünger. Sie
denken rational, nach der Logik des Marktes: „Schick
die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich
etwas zu essen kaufen.“ Das ist die Logik des
Mangels und des Geldes. Jeder sorgt für sich selbst.
Doch Jesus durchbricht diese Logik radikal. Er sagt:
„Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu
essen!“
Die Jünger sind ratlos. „Wir haben nur fünf Brote und
zwei Fische.“ Das ist fast nichts für fünftausend
Männer, Frauen und Kinder.
Und jetzt passiert das Entscheidende, das die Brücke zu
Jesaja schlägt: Jesus nimmt dieses fast Nichts. Er sieht
nicht auf den Mangel, sondern er blickt auf zum Himmel,
dankt und segnet die Gaben. Er verbindet das Wenige der
Erde mit der Fülle des Himmels.
Und das Wunder geschieht im Teilen. Es wird nicht
einfach nur so geteilt, dass jeder ein winziges
Krümelchen erhält, um gerade so zu überleben. Nein, der
Text betont: „Sie aßen alle und wurden satt.“ Und
am Ende bleiben sogar noch zwölf Körbe voll übrig! Zwölf
Körbe – ein Symbol für die Fülle, für die zwölf Stämme
Israels, für die ganze Kirche.
Hier erfüllt sich, was Jesaja versprochen hat: Bei Gott
gibt es Nahrung im Überfluss, ohne Geld und ohne
Bezahlung. Die Fünftausend mussten keine Eintrittskarte
kaufen und kein Geld für das Brot hinlegen. Sie mussten
nur da sein, empfangen und teilen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Was bedeutet das für uns heute? Was können wir in
unseren Alltag mitnehmen?
Erstens: Bringen wir unseren Mangel zu Jesus.
Die Jünger dachten, ihre fünf Brote und zwei Fische
seien zu wenig. Oft denken wir das von uns auch:
„Meine Geduld reicht nicht aus. Meine Liebe ist zu
klein. Meine Kraft ist am Ende.“ Jesus sagt nicht:
Bring mir erst die perfekte Fülle. Er sagt: Bring mir
das, was du hast – so wenig es auch sein mag. In seinen
Händen kann das Wenige groß werden.
Zweitens: Denken wir in der Logik der Fülle, nicht des
Mangels.
Gott ist kein Knauserer. Er misst seine Gnade nicht mit
der Waagschale ab. Wenn wir aus der Quelle seiner Liebe
schöpfen, müssen wir keine Angst haben, dass für uns
nichts übrigbleibt, wenn wir mit anderen teilen. Wer
Liebe verschenkt, verliert sie nicht, sie vermehrt sich.
Drittens: Die Eucharistie als Vorgeschmack.
Gleich feiern wir hier am Altar Eucharistie. Es ist die
direkte Fortsetzung des Evangeliums und der Vision des
Jesaja. Wir bringen ein wenig Brot und Wein – Symbole
unserer alltäglichen Mühe. Und Gott verwandelt sie in
die Speise des ewigen Lebens. Wir treten an den Altar,
ohne dafür bezahlen zu müssen. Wir empfangen Christus
umsonst – als Geschenk, das uns im Tiefsten satt macht.
Liebe Schwestern und Brüder!
Lassen wir uns heute neu einladen! Hören wir auf, unser
Herz an das zu hängen, was nicht satt macht! Vertrauen
wir darauf, dass der Gott, der damals die Fünftausend in
der Wüste speiste, auch den Hunger unserer Seele heute
stillen will – überfließend, bedingungslos und voller
Liebe.
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