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Erste Lesung
Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den
HERRN!
Lesung
aus dem ersten Buch der Könige
In jenen Tagen kam Elíja zum Gottesberg Horeb.
9abDort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des
Herrn erging an ihn:
11bKomm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr
vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge
zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus.
Doch der Herr war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch
der Herr war nicht im Erdbeben.
12Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem
Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.
13Als Elíja es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus
und stellte sich an den Eingang der Höhle.
Evangelium
Herr, befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme
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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte,
22drängte
er die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere
Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach
Hause schicken.
23Nachdem
er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um
für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er
allein dort.
24Das
Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und
wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie
hatten Gegenwind.
25In
der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem
See.
26Als
ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken
sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie
schrien vor Angst.
27Doch
sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt
Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
28Petrus
erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so
befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!
29Jesus
sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über
das Wasser zu Jesus.
30Als
er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und
als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich!
31Jesus
streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu
ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
32Und
als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.
33Die
Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten:
Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.
Wer von uns kennt sie nicht, die Stürme des Lebens? Wenn
wir auf ein langes Leben zurückblicken – und das tun Sie
alle, die Sie hier versammelt sind –, dann wissen wir:
Es gibt Zeiten des ruhigen Fahrwassers, aber es gibt
auch die Nächte, in denen der Wind uns ins Gesicht
bläst.
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium führt uns heute genau in eine solche
Situation. Die Jünger sind allein auf dem See. Es ist
Nacht. Das Boot wird von den Wellen hin und her
geworfen. Sie haben Angst. Und mitten in diesem Sturm
kommt Jesus ihnen entgegen – auf dem Wasser. Sie
erkennen ihn zuerst gar nicht. Sie halten ihn für ein
Gespenst.
Ist das nicht eine tiefe menschliche Erfahrung? Wenn das
Leben stürmisch wird, wenn die Kräfte im Alter
nachlassen, wenn der eigene Körper nicht mehr so
mitmacht, wie man möchte, oder wenn liebe Menschen von
uns gehen – dann kann sich Gott manchmal anfühlen wie
ein Gespenst. Weit weg. Unwirklich. Bedrohlich.
Aber Jesus ruft den Jüngern zu: „Habt Vertrauen, ich
bin es; fürchtet euch nicht!“
Petrus,
wie wir ihn kennen, wagt das Unmögliche. Er verlässt das
sichere Boot. Er geht auf dem Wasser. Und solange sein
Blick fest auf Jesus gerichtet ist, trägt es ihn
tatsächlich. Doch dann schaut er auf den starken
Wind. Er bekommt Angst und beginnt zu sinken. „Herr,
rette mich!“, schreit er. Und Jesus streckt sofort
die Hand aus und ergreift ihn.
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Boot der Jünger ist auch
ein Bild für die Kirche und für unser Leben. Manchmal
mag es sich so anfühlen, als würde dieses Boot von den
Wellen der Zeit und des Alters hin und her geworfen. Der
Wind steht gegen uns. Die eigenen Kräfte sinken. Aber
der Ruf Jesu bleibt derselbe:
„Ich bin es; fürchtet euch
nicht!“
Und wenn uns der Mut verlässt, dürfen wir wie Petrus
rufen: „Herr, rette mich!“ Seine Hand ist immer
schon ausgestreckt. Er hält uns. Sie haben diese
tragende Hand in so vielen Jahren und Jahrzehnten ihres
Lebens erfahren. Sie dürfen darauf vertrauen, dass diese
Hand Sie auch heute hält.
Wie aber spricht dieser Herr zu uns, wenn der Sturm sich
gelegt hat?
– Die erste Lesung gibt uns darauf eine
wunderbare, fast zärtliche Antwort. Der Prophet Elija
steht am Berg. Er wartet auf Gott. Ein starker Sturm
kommt – aber Gott ist nicht im Sturm. Ein Erdbeben kommt
– aber Gott ist nicht im Erdbeben. Ein Feuer kommt –
aber Gott ist nicht im Feuer.
Und dann?
Nach dem Feuer kommt das „Säuseln eines leisen
Windes“. Ein sanftes, leises Flüstern. Und darin ist
Gott gegenwärtig. – Gott offenbart sich Elija
nicht im Spektakulären, nicht im Lauten, nicht in den
Naturgewalten. Er kommt im Leisen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Das ist die große Gnade und vielleicht auch die
besondere Berufung des Alters und des Lebens hier im
Haus Bethanien. Die Zeit der großen, lauten Taten im
Außen, der aktiven Dienste in Pfarreien, Schulen,
Kindergärten oder Krankenhäusern liegt für die meisten
von Ihnen in der Vergangenheit. Gott verlangt von Ihnen
heute kein Stürmen und Drängen mehr.
Er lädt Sie ein,
in die Stille zu hören. Im leisen Säuseln des Gebets, im
stillen Verweilen vor dem Tabernakel, im friedlichen
Annehmen des Tages ist er da. Ihr Gebet in dieser
Kapelle, das oft ein stilles, treues Herzensgebet ist,
trägt die Welt und unsere Kirche weit mehr, als wir es
uns vorstellen können. Im Leisen spricht Gott zu Ihnen:
„Ich bin da. Ich habe dich erlöst. Du bist mein.“
Liebe Schwestern und Brüder!
Wenn wir gleich die Eucharistie feiern, kommt dieser
leise Gott zu uns in einer kleinen, unscheinbaren
Hostie. Er kommt, um den Sturm in unseren Herzen zu
stillen. Er kommt, um uns seine Hand hinzustrecken.
Vertrauen wir uns ihm neu an! Er ist im Sturm bei uns als der Retter, und er begegnet uns in der Stille
als der liebende Gott, der uns sanft umfängt, uns hält
und birgt.
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