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Evangelium
Selig, die arm sind vor Gott
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Aus dem heiligen Evangelium nach
Matthäus
In jener Zeit,
1als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er
auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu
ihm.
2Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:
3Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das
Himmelreich.
4Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.
6Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn
sie werden gesättigt werden.
7Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.
9Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes
genannt werden.
10Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn
ihnen gehört das Himmelreich.
11Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles
Böse über euch redet um meinetwillen.
12aFreut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im
Himmel.
Liebe Schwestern und Brüder!
Das soeben gehörte Evangelium ist uns zutiefst vertraut:
die Seligpreisungen. Sie bilden die Ouvertüre zur großen
Bergpredigt Jesu. – Jesus steigt auf einen Berg, setzt
sich, und seine Jünger treten zu ihm. In dieser
feierlichen Atmosphäre verkündet er eine Botschaft, die
vor über 2000 Jahren revolutionär war und die es bis
heute geblieben ist.
Jesus spricht vom Glück. Doch sein Verständnis von Glück
– oder, wie es in der Übersetzung heißt, von "Seligkeit"
– unterscheidet sich radikal von dem, was uns die Welt
oft als erstrebenswert verkauft. Die Welt sagt:
Glücklich ist, wer reich ist, wer mächtig ist, wer sich
durchsetzen kann …
Jesus aber sagt:
Jesus preist diejenigen selig, die keine Macht, keinen
Reichtum und keine sozialen Sicherheiten besitzen. – Es
geht hier nicht um eine Glorifizierung von physischem
Leid, sondern um die innere Haltung der Bedürftigkeit
vor Gott. Wer mit leeren Händen vor Gott steht, wer
erkennt, dass er aus eigener Kraft nicht alles erreichen
kann, der öffnet sein Herz für Gottes Gnade. Ihm gehört
das Himmelreich – nicht irgendwann, sondern jetzt schon
in der Hoffnung und endgültig in der Vollendung.
In einer Gesellschaft, die oft versucht, Trauer und
Schmerz zu verdrängen, verspricht Jesus Trost. Die
Trauernden sind selig, weil Gott sie mit seinen Augen
ansieht und ihnen Heilung zuspricht. Ihr Schmerz wird
nicht das letzte Wort behalten.
Die Sanftmütigen, die Gewaltlosen, scheinen in einer
Welt der Ellenbogen die Verlierer zu sein. Doch Jesus
stellt das Recht des Stärkeren in Frage. Sie werden das
Land erben – eine Verheißung, die auf das Gelobte Land
verweist, auf Gottes neue Welt, in der Gerechtigkeit
herrscht.
Wer sich nach Gerechtigkeit sehnt, wer Ungerechtigkeit
in der Welt nicht einfach hinnimmt, sondern
leidenschaftlich nach dem Willen Gottes fragt, der wird
Erfüllung finden. Diese Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist
eine treibende Kraft für ein glaubwürdiges Zeugnis in
der Welt.
Liebe Schwestern und Brüder!
Die Seligpreisungen sind eine Art Porträt Jesu selbst.
Er war der wahrhaft Arme, der Trauernde, der
Sanftmütige, der Verfolgte. Sein Leben ist die
Inkarnation dieser Worte. Er lädt uns ein, auf ihn zu
schauen, von ihm zu lernen und seinen Weg mitzugehen,
der, unabhängig von äußeren Umständen, zu wahrem Glück
und innerer Freiheit führt.
Die Seligpreisungen sind keine unerreichbaren Forderungen, sondern Zuspruch und Auftrag
zugleich. Sie zeigen uns das Ziel: Gottes neue Welt. Und
sie erinnern uns an die Tugenden, die wir im Alltag üben
können: Barmherzigkeit, Herzensreinheit,
Friedfertigkeit.
Fragen wir uns heute: Wo in meinem Leben kann ich diese
„Tugenden" im Alltag praktizieren? Wo kann ich
barmherzig sein, wo Frieden stiften, wo sanftmütig?
Die Seligpreisungen sind letztlich eine Einladung, tatkräftig am Reich Gottes mitzubauen.
Wenn wir das tun, dürfen wir uns freuen und jubeln, denn
unser Lohn im Himmel wird groß sein.
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