Exerzitien mit P. Pius

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Selig, die ...

 zum Evangelium am 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A; Mt 5, 1 - 12a

Evangelium

Selig, die arm sind vor Gott

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit,

1als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm.

2Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:

3Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

4Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

5Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.

6Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.

7Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

8Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.

9Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

10Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.

11Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen.

12aFreut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Das soeben gehörte Evangelium ist uns zutiefst vertraut: die Seligpreisungen. Sie bilden die Ouvertüre zur großen Bergpredigt Jesu. – Jesus steigt auf einen Berg, setzt sich, und seine Jünger treten zu ihm. In dieser feierlichen Atmosphäre verkündet er eine Botschaft, die vor über 2000 Jahren revolutionär war und die es bis heute geblieben ist.

 

Jesus spricht vom Glück. Doch sein Verständnis von Glück – oder, wie es in der Übersetzung heißt, von "Seligkeit" – unterscheidet sich radikal von dem, was uns die Welt oft als erstrebenswert verkauft. Die Welt sagt: Glücklich ist, wer reich ist, wer mächtig ist, wer sich durchsetzen kann …

Jesus aber sagt:

 

  • Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Jesus preist diejenigen selig, die keine Macht, keinen Reichtum und keine sozialen Sicherheiten besitzen. – Es geht hier nicht um eine Glorifizierung von physischem Leid, sondern um die innere Haltung der Bedürftigkeit vor Gott. Wer mit leeren Händen vor Gott steht, wer erkennt, dass er aus eigener Kraft nicht alles erreichen kann, der öffnet sein Herz für Gottes Gnade. Ihm gehört das Himmelreich – nicht irgendwann, sondern jetzt schon in der Hoffnung und endgültig in der Vollendung.

 

  • Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

In einer Gesellschaft, die oft versucht, Trauer und Schmerz zu verdrängen, verspricht Jesus Trost. Die Trauernden sind selig, weil Gott sie mit seinen Augen ansieht und ihnen Heilung zuspricht. Ihr Schmerz wird nicht das letzte Wort behalten.

 

  • Selig, die keine Gewalt anwenden (die Sanftmütigen); denn sie werden das Land erben.

Die Sanftmütigen, die Gewaltlosen, scheinen in einer Welt der Ellenbogen die Verlierer zu sein. Doch Jesus stellt das Recht des Stärkeren in Frage. Sie werden das Land erben – eine Verheißung, die auf das Gelobte Land verweist, auf Gottes neue Welt, in der Gerechtigkeit herrscht.

 

  • Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

Wer sich nach Gerechtigkeit sehnt, wer Ungerechtigkeit in der Welt nicht einfach hinnimmt, sondern leidenschaftlich nach dem Willen Gottes fragt, der wird Erfüllung finden. Diese Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist eine treibende Kraft für ein glaubwürdiges Zeugnis in der Welt.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Seligpreisungen sind eine Art Porträt Jesu selbst. Er war der wahrhaft Arme, der Trauernde, der Sanftmütige, der Verfolgte. Sein Leben ist die Inkarnation dieser Worte. Er lädt uns ein, auf ihn zu schauen, von ihm zu lernen und seinen Weg mitzugehen, der, unabhängig von äußeren Umständen, zu wahrem Glück und innerer Freiheit führt.

 

Die Seligpreisungen sind keine unerreichbaren Forderungen, sondern Zuspruch und Auftrag zugleich. Sie zeigen uns das Ziel: Gottes neue Welt. Und sie erinnern uns an die Tugenden, die wir im Alltag üben können: Barmherzigkeit, Herzensreinheit, Friedfertigkeit.

Fragen wir uns heute: Wo in meinem Leben kann ich diese „Tugenden" im Alltag praktizieren? Wo kann ich barmherzig sein, wo Frieden stiften, wo sanftmütig?

 

Die Seligpreisungen sind letztlich eine Einladung, tatkräftig am Reich Gottes mitzubauen. Wenn wir das tun, dürfen wir uns freuen und jubeln, denn unser Lohn im Himmel wird groß sein.

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