Exerzitien mit P. Pius

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Die Sanftmut Gottes - Unsere Entlastung

 zur Ersten Lesung sowie zum Evangelium am 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A; Sach 9, 9 - 10; Mt 11, 25 - 3042

 

Erste Lesung

Siehe, dein König kommt zu dir; demütig ist er

Lesung

aus dem Buch Sachárja

So spricht der Herr:

9Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.

10Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Éfraim und die Rosse aus Jerusalem, ausgemerzt wird der Kriegsbogen. Er wird den Nationen Frieden verkünden; und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde.

 

Evangelium

Ich bin gütig und von Herzen demütig

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

25In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.

26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

27Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

28Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.

29Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.

30Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir leben in einer Welt, die oft den Starken, Lauten und Schnellen applaudiert. Wer etwas gelten will, muss Leistung zeigen, Lasten tragen können und Stärke demonstrieren. Macht wird meist mit Druck, Durchsetzungsvermögen und manchmal auch mit Gewalt assoziiert.

 

Die heutigen Schrifttexte brechen radikal mit diesem Weltbild. Sie laden uns ein, die Perspektive zu wechseln und die revolutionäre Sanftmut Gottes zu entdecken.

 

In der ersten Lesung hören wir den Propheten Sacharja.

Er kündigt ein Fest an, ein unbeschreibliches Freudenfest: „Jauchze laut, Tochter Zion!“ Warum? Weil der König kommt. – Doch dieser König entspricht so gar nicht den Erwartungen der damaligen und auch nicht der heutigen Zeit.

 

Er ist nämlich kein Krieger. Er kommt nicht auf einem stolzen Streitross, sondern auf einem Esel – dem Nutztier der armen Leute.

Er verzichtet auf jegliches Waffenarsenal. Ja, er vernichtet sogar die Kriegswagen und zerbricht die Kampfbögen.

Sein Programm: Er verkündet den Völkern Frieden.

Dieser König verzichtet auf Gewalt. Er kommt nicht, um zu unterdrücken, sondern um zu befreien.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Was Sacharja sagt, ist keine Utopie, sondern eine Prophezeiung. Jahrhunderte später erfüllt sie sich am Palmsonntag, als Jesus in Jerusalem einzieht.

Gottes Macht basiert nicht auf Unterdrückung, sondern auf Gewaltlosigkeit und Nähe.

 

Im Evangelium greift Jesus genau diese Haltung auf.

Er lobt den Vater im Himmel mit einem Jubelruf. Warum?

Weil Gott sich nicht den „Weisen und Klugen“ offenbart hat – also nicht denjenigen, die sich für spirituell oder intellektuell überlegen halten. – Gott offenbart sich den „Unmündigen“, den „Kleinen“, den „Einfältigen“.

Im griechischen Urtext steht hier nēpioi. – Das sind Menschen, die wissen, dass sie nicht alles alleine und aus eigener Kraft schaffen, Menschen, die offen und empfangsbereit sind, Menschen, die keine Masken der Perfektion tragen müssen.

 

Jesus zeigt uns: Der Zugang zu Gott erfordert kein theologisches Diplom, sondern ein offenes, staunendes Herz.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Höhepunkt des Evangeliums ist eine der tröstlichsten Passagen der gesamten Bibel. Jesus spricht eine Einladung aus, nach der sich so viele von uns sehnen.: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!“ Fridolin Stier übersetzt: „ihr Übermüdeten und Überbürdeten“.

 

Jesus sieht unsere Lasten:

  • Die Last der Alltagsverpflichtungen.

  • Die Last von Schuld und Versagen.

  • Die Last von Einsamkeit oder Krankheit.

  • Die Last des religiösen Perfektionismus. (Damals die peniblen und erdrückenden Gesetzesauslegungen der Pharisäer.)

 

Und was macht Jesus? Er nimmt die Lasten nicht einfach weg, um uns passiv zu machen. Er bietet uns ein neues Joch an: „Nehmt mein Joch auf euch“, sagt er. Das klingt zunächst widersprüchlich – ein Joch ist schließlich ein Holzgestell, das Tieren aufgelegt wird. Doch das Joch Jesu ist anders. Sein Joch drückt nicht und seine Last ist leicht.

Ein Joch verband damals meist zwei Tiere. Sie trugen es gemeinsam. Das heißt für uns: Wir gehen nicht allein. Jesus geht an unserer Seite. Er steht uns bei. Er trägt die Hauptlast.

 

Und er ist „sanftmütig und von Herzen demütig“. Er treibt uns nicht mit der Peitsche an. Er ist genau der sanfte König, den Sacharja angekündigt hat. In Jesus Christus ist er Fleisch geworden. Und dieser Jesus verlangt von uns keine Perfektion, keine endlose Leistungsspirale und keine Masken der Stärke. – Er lädt uns ein, einfach „klein“ zu sein, demütig und unsere Lasten bei ihm abzugeben. Bei ihm, so verspricht er uns, kann unsere Seele Ruhe finden, Aufatmung, Entlastung.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Lesung und Evangelium schenken uns tiefe Zusagen:

Erstens: Wir müssen den rettenden König nicht im Sturm oder in der Perfektion suchen. Wir dürfen mit unserer Müdigkeit und unseren Lasten zu ihm kommen. Er nimmt uns an. Bei ihm dürfen wir uns geborgen fühlen. Seine Sanftmut ist unser Schutzraum.

Zweitens: Wir können und sollen immer wieder neu versuchen, Jesus nachzuahmen, ihm ähnlich zu werden. Er sagt ja: „Lernt von mir!“ Wenn unser König sanftmütig auf einem Esel reitet, wie gehen wir dann miteinander um?

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Lassen wir uns in dieser Woche von den Worten Jesu ansprechen und leiten. Legen wir das schwere Joch der eigenen Erwartungen, der Sorgen und Ängste ab und vertrauen wir uns dem sanften König an, der uns Entlastung schenkt. Wir müssen das Leben nicht allein meistern. Der König des Friedens zieht mit uns. Gott ist uns nahe, immer und überall.

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