|
Erste Lesung
Siehe, dein König kommt zu dir; demütig ist er
Lesung
aus dem Buch Sachárja
So spricht der Herr:
9Juble
laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe,
dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung
wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem
Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.
10Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Éfraim und die Rosse aus
Jerusalem, ausgemerzt wird der Kriegsbogen. Er wird den
Nationen Frieden verkünden; und seine Herrschaft reicht
von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der
Erde.
Evangelium
Ich bin gütig und von Herzen demütig
+
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
25In
jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr
des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und
Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.
26Ja,
Vater, so hat es dir gefallen.
27Alles
ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt
den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater,
nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28Kommt
alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will
euch erquicken.
29Nehmt
mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig
und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für
eure Seele.
30Denn
mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir leben in einer Welt, die oft den Starken, Lauten und
Schnellen applaudiert. Wer etwas gelten will, muss
Leistung zeigen, Lasten tragen können und Stärke
demonstrieren. Macht wird meist mit Druck,
Durchsetzungsvermögen und manchmal auch mit Gewalt
assoziiert.
Die heutigen Schrifttexte
brechen radikal mit diesem Weltbild. Sie laden uns ein,
die Perspektive zu wechseln und die revolutionäre
Sanftmut Gottes zu entdecken.
In der ersten Lesung
hören wir den Propheten Sacharja.
Er kündigt ein Fest an, ein unbeschreibliches
Freudenfest: „Jauchze laut, Tochter Zion!“ Warum?
Weil der König kommt. – Doch dieser König entspricht so
gar nicht den Erwartungen der damaligen und auch nicht
der heutigen Zeit.
Er ist nämlich kein Krieger.
Er kommt nicht auf einem stolzen Streitross, sondern
auf einem Esel – dem Nutztier der armen Leute.
Er verzichtet auf jegliches Waffenarsenal. Ja, er vernichtet sogar die Kriegswagen und zerbricht die
Kampfbögen.
Sein Programm:
Er verkündet den Völkern Frieden.
Dieser König verzichtet auf Gewalt. Er kommt nicht, um
zu unterdrücken, sondern um zu befreien.
Liebe Schwestern und Brüder!
Was Sacharja sagt, ist keine Utopie, sondern eine
Prophezeiung. Jahrhunderte später erfüllt sie sich am
Palmsonntag, als Jesus in Jerusalem einzieht.
Gottes Macht basiert nicht auf Unterdrückung, sondern
auf Gewaltlosigkeit und Nähe.
Im Evangelium
greift Jesus genau diese Haltung auf.
Er lobt den Vater im Himmel mit einem Jubelruf. Warum?
Weil Gott sich nicht den „Weisen und Klugen“ offenbart hat – also
nicht denjenigen, die sich für spirituell oder
intellektuell überlegen halten. – Gott offenbart sich
den „Unmündigen“, den „Kleinen“, den „Einfältigen“.
Im griechischen Urtext steht hier nēpioi. – Das sind Menschen, die
wissen, dass sie nicht alles alleine und aus eigener
Kraft schaffen, Menschen, die offen und empfangsbereit
sind, Menschen, die keine Masken der Perfektion tragen
müssen.
Jesus zeigt uns:
Der Zugang zu Gott erfordert kein theologisches Diplom,
sondern ein offenes, staunendes Herz.
Liebe Schwestern und Brüder!
Der Höhepunkt des Evangeliums ist eine der tröstlichsten
Passagen der gesamten Bibel. Jesus spricht eine
Einladung aus, nach der sich so viele von uns sehnen.:
„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen
seid!“ Fridolin Stier übersetzt: „ihr Übermüdeten
und Überbürdeten“.
Jesus sieht unsere Lasten:
-
Die Last der Alltagsverpflichtungen.
-
Die Last von Schuld und Versagen.
-
Die Last von Einsamkeit oder Krankheit.
-
Die Last des religiösen Perfektionismus. (Damals die
peniblen und erdrückenden Gesetzesauslegungen der
Pharisäer.)
Und was macht Jesus?
Er nimmt die Lasten nicht einfach weg, um uns passiv zu
machen. Er bietet uns ein neues Joch an: „Nehmt mein
Joch auf euch“, sagt er. Das klingt zunächst
widersprüchlich – ein Joch ist schließlich ein
Holzgestell, das Tieren aufgelegt wird. Doch das Joch
Jesu ist anders. Sein Joch drückt nicht und seine Last
ist leicht.
Ein Joch verband damals meist zwei Tiere. Sie trugen es
gemeinsam. Das heißt für uns: Wir gehen nicht allein.
Jesus geht an unserer Seite. Er steht uns bei. Er trägt
die Hauptlast.
Und er ist „sanftmütig und von Herzen demütig“.
Er treibt uns nicht mit der Peitsche an. Er ist genau
der sanfte König, den Sacharja angekündigt hat. In Jesus
Christus ist er Fleisch geworden. Und dieser Jesus
verlangt von uns keine Perfektion, keine endlose
Leistungsspirale und keine Masken der Stärke. – Er lädt
uns ein, einfach „klein“ zu sein, demütig und unsere
Lasten bei ihm abzugeben. Bei ihm, so verspricht er uns,
kann unsere Seele Ruhe finden, Aufatmung, Entlastung.
Liebe Schwestern und Brüder!
Lesung und Evangelium schenken uns tiefe Zusagen:
Erstens:
Wir müssen den rettenden König nicht im Sturm oder in
der Perfektion suchen. Wir dürfen mit unserer Müdigkeit
und unseren Lasten zu ihm kommen. Er nimmt uns an. Bei
ihm dürfen wir uns geborgen fühlen. Seine Sanftmut ist
unser Schutzraum.
Zweitens:
Wir können und sollen immer wieder neu versuchen, Jesus
nachzuahmen, ihm ähnlich zu werden. Er sagt ja:
„Lernt von mir!“ Wenn unser König sanftmütig auf
einem Esel reitet, wie gehen wir dann miteinander um?
Liebe Schwestern und Brüder!
Lassen wir uns in dieser Woche von den Worten Jesu
ansprechen und leiten. Legen wir das schwere Joch der
eigenen Erwartungen, der Sorgen und Ängste ab und
vertrauen wir uns dem sanften König an, der uns
Entlastung schenkt. Wir müssen das Leben nicht allein
meistern. Der König des Friedens zieht mit uns. Gott ist
uns nahe, immer und überall.
|