Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Jahreskreis A "Mindeststandards" reichen nicht

Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit
   Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

"Mindeststandards" reichen nicht

(6. Sonntag im Lesejahr A; Mt 5, 20-22a.27-28.33-34a.37 = Kurzfassung)

EVANGELIUM                                                                                                   

Zu den Alten ist gesagt worden - ich aber sage euch

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

20Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

21Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein.

22aIch aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.

27Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.

28Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

33Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.

34aIch aber sage euch: Schwört überhaupt nicht.

37Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.

 

 

Einen Abschnitt aus der Bergpredigt haben wir soeben gehört.

Und, liebe Schwestern und Brüder, geht es Ihnen auch so?

Was Jesus hier sagt und fordert, hört sich unheimlich hart, sehr scharf und äußerst radikal an.

 

Welch ein Anspruch! Welch große Herausforderung!

Ist das überhaupt zu schaffen? Sind wir da nicht hoffnungslos überfordert? Müssen wird dauernd mit einem schlechten Gewissen herumlaufen, weil wir dem Ideal, das Jesus aufzeigt, nie und nimmer entsprechen? Klingt die Botschaft Jesu im heutigen Evangelium nicht arg wirklichkeitsfremd und fern jeder Realität?

 

Oder verkündet Jesus hier eine Sondermoral für wenige Auserwählte? Vielleicht für Heilige? Oder für kontemplativ lebende Mönche und Nonnen in streng asketischen Ordensgemeinschaften?

Aber Jesus richtet seine Worte nicht an eine religiöse Elite oder an einzelne religiöse Profis, sondern an alle seine Jünger und Jüngerinnen, auch an Sie und an mich. Wir sind gemeint!

 

Außerdem: Widerspricht sich Jesus nicht selbst? Sonst tritt er doch jeder Gesetzesmoral scharf entgegen, z. B. „der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat!“

Hier jedoch fordert er eine noch größere Gerechtigkeit als die der Schriftgelehrten und Pharisäer.

Haben die Schriftgelehrten und Pharisäer denn nicht ihren ganzen Ehrgeiz eingesetzt, alle Gesetze und Gebote auf Komma und Strich genauestens zu befolgen und ja kein Jota auszulassen? Also noch vollkommener, noch strenger, noch penibler? Geht das überhaupt? Und ist das denn erstrebenswert?

Andererseits: Geschah das Beobachten von Vorschriften und das Einhalten der vielen Gebote und Verbote nicht oft formal und oberflächlich? War das nicht oft Buchstabengerechtigkeit, ein Abhaken von Pflichten und Aufgaben? Aber wie sah es dahinter und darunter aus? Wo war das Herz?

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Worum geht es Jesus? Wir können sagen: Es geht ihm um die innere Einstellung. Es geht ihm um die Haltung, mit der wir unseren Mitmenschen begegnen. Nicht erst die äußere Handlung, die einen anderen schädigt, ist verwerflich, sondern das Übel beginnt viel früher. Die böse Tat hat ihre Wurzel viel tiefer, nämlich in den Gedanken, in den Worten und zutiefst im Herzen des Menschen. Eine nur formale und äußere Beobachtung der Gebote ist zu wenig. Die Mindeststandards einhalten genügt nicht.

 

Das zeigt Jesus beispielhaft an drei Geboten. Auffallend ist, dass alle drei Beispiele, die Jesus wählt, um die in seinen Augen größere Gerechtigkeit zu veranschaulichen, aus dem zwischenmenschlichen Bereich stammen. Jesus ist anscheinend überzeugt: Wenn Gott der ist, der Heil für alle Menschen will, dann muss sich dieses Heil darin spiegeln, wie wir miteinander umgehen.

 

Erstes Beispiel: „Du sollst nicht töten!“

Wo beginnt Gewalt? Wenn die Fäuste und die Fetzen liegen? Beginnt Gewalt nicht viel früher?

Wann beginnt Mord und Totschlag? Wenn ich auf jemanden mit dem Messer losgehe oder ihm den Kopf einschlage?

Gewalt beginnt doch nicht erst dort, wo jemand zuschlägt, draufhaut oder zusticht, sondern schon bei den kleinen Nadelstichen vorher, beim Schimpfwort, bei der Beleidigung, bei der Verleumdung, wenn ich einen anderen bloßstelle oder ihn blamiere. Schon beim bösen Wort beginnt es.

Und wer genau hinschaut, muss sagen, sogar noch früher. Denn schon bevor ein Schimpfwort oder eine Beleidigung über meine Lippen kommt, habe ich ja im Herzen bereits Hass, Zorn, Groll aufkommen lassen. Eigentlich beginnt Gewalt schon da, wo ich schlecht und herabsetzend über den anderen denke.

 

Zweites Beispiel: „Du sollst nicht die Ehe brechen.“

Wer sich keinen Seitensprung zuschulden kommen lässt, ist das schon ein guter Ehegatte?

Jesus geht es auch hier wieder um mehr und tiefer liegendes.

Er fordert einen so unbedingten Willen zur Treue, dass nicht einmal treulose Gedanken oder Phantasien darin einen Platz haben. Ehebruch ist das Äußerste, das Letzte. Endpunkt einer schleichenden Gleichgültigkeit und Entfremdung. Zerrüttung und Schuld beginnen früher. Jesus sagt, wer eine verheiratete Frau auch nur lüstern, in verführerischer Absicht, anschaut, (um sie „auszuspannen“ und in Besitz zu nehmen) der hat im Herzen bereits Ehebruch begangen.

Jesus will deutlich machen, wo auch hier die Wurzeln der Sünde liegen und unseren Blick dafür schärfen. Es gilt nicht nur die Spitze des Eisberges im Auge behalten, sondern auch die tieferliegenden Gefahren zu sehen, sich davor in acht zu nehmen und sie nicht zu verharmlosen. Auch hier genügt es nicht, nur die Mindeststandards zu befolgen. Es gilt bereits den Anfängen zu wehren und zum Beispiel den kleinen Beziehungsstörungen im Miteinander Beachtung zu schenken. Denn wenn sie sich häufen und anwachsen, können sie mit der Zeit zu Schlimmem führen und im Schiffbruch und in der Katastrophe enden.

 

Drittes Beispiel: „Du sollst keinen Meineid schwören.“

Keinen Meineid leisten ist schon was, gewiss. Jesus aber geht weit darüber hinaus. Er verbietet den Eid generell.

Auch hier genügt es nicht, nur die Mindeststandards zu befolgen. Jesus fordert vielmehr die uneingeschränkte und bedingungslose Wahrhaftigkeit. Es geht ihm um eine Wahrhaftigkeit, die das Schwören gänzlich überflüssig macht, wenn und weil jeder sich auf mein Wort verlassen kann, weil man mir auch so – ohne Eid und Schwur – glauben kann.

Jesus will, dass wir im tiefsten Herzen immer und grundsätzlich wahrhaftig sind. Unser Denken, Reden und Tun soll immer von Lauterkeit, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit geprägt sein.

 

Das ist, liebe Mitchristen, gerade heutzutage angesichts der vielen Lügen und Unwahrheiten in den Medien, angesichts der „Fake-News“ und „alternativen Fakten“, angesichts von Hetze und Hass im Netz ein ganz aktuelles Thema.

Für jede menschliche Gesellschaft ist es entscheidend und wichtig, dass man sich aufeinander verlassen und darauf vertrauen kann, dass ein gegebenes Wort eingehalten wird und ein Handschlag Gültigkeit hat.

Jesus sagt ganz klar und deutlich: „Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein! Alles andere ist vom Bösen.“ Es geht also um Authentizität, Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Es reicht nicht, nur die Mindeststandards zu befolgen. Wie weit darf gehen? Was ist gerade noch erlaubt? Was muss ich unterlassen, um nicht bestraft zu werden?

 

Ein gutes Beispiel dafür scheint mir der barmherzige Samariter zu sein. Er hatte Mitleid mit dem ausgeplünderten und halb tot daliegenden. Und er hat erste Hilfe geleistet. Er hätte aber vom Gesetz her den Überfallenen nicht unbedingt in die Herberge bringen müssen. Er hätte nicht auch noch die Pflege bezahlen und sogar auf der Rückreise noch mal vorbeischauen und sich nach ihm erkundigen müssen. Er tut mehr als das Mindeste. Er tut mehr als er muss. Er geht weit darüber hinaus. Er hat ganz viel Empathie, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft.

Der Priester und der Levit, die kalt vorbeigehen, handeln wahrscheinlich nach ihren Reinheitsgeboten sogar vorschriftsmäßig, äußerlich korrekt und doch handeln sie nicht richtig. Gott erwartet mehr als eine weiße Weste und keinen Dreck am Stecken.

Im Schuldbekenntnis der hl. Messe bekennen wir nicht nur, dass wir Böses getan, sondern auch Gutes unterlassen haben. Wir bekennen nicht nur, dass wir im Tun, in den Werken gesündigt haben, sondern auch in Gedanken und Worten.

 

Sehen Sie, liebe Schwestern und Brüder, Jesus fordert uns in den drei Beispielen auf, tief in uns hineinzuschauen: auf unser Leben, auf unser Handeln, auf unser Sprechen und besonders auch auf unsere Motivationen, unsere (Hinter)-Gedanken, die Beweggründe und Gefühle.

 

Bei all dem geht es Jesus um eine von Gottes Liebe erfüllte, gelingende und glückliche Lebensführung und ein gedeihliches Miteinander im Zusammenleben mit anderen.

 

Was Jesus will und worum es ihm geht, können wir meines Erachtens zusammenfassen und auf den Punkt bringen mit einem Wort aus seinem Mund, das ebenfalls in der Bergpredigt steht und das die „Goldene Regel“ genannt wird: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Mt 7, 12)

 

   Druckansicht

 

Seitenanfang