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Erste
Lesung
Er rettet das Leben der Armen
aus der Hand der Übeltäter
Lesung
aus dem Buch Jeremía
Jeremía sprach:
10Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir
wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten
alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich
betören, dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache
nehmen können.
11Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln
meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie
werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen,
in ewiger, unvergesslicher Schmach.
12Aber der Herr der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und
Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn
dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
13Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus
der Hand der Übeltäter.
Evangelium
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten
+
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
26Fürchtet
euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt,
was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was
nicht bekannt wird.
27Was
ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was
man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den
Dächern!
28Fürchtet
euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber
nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem,
der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!
29Verkauft
man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt
keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.
30Bei
euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle
gezählt.
31Fürchtet
euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
32Jeder,
der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde
auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.
33Wer
mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch
ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, gegen
Windmühlen zu kämpfen? Dass Sie das Richtige tun oder
sagen wollen, aber spüren: Ich ernte dafür nur
Unverständnis, Spott oder werde links liegen gelassen?
Genau in dieser Situation treffen wir heute auf zwei
Männer, die uns zeigen, wie radikal, unbequem – aber
auch wie unendlich getragen der Glaube sein kann: den
Propheten Jeremia und Jesus von Nazaret.
Schauen wir zuerst auf Jeremia in der ersten Lesung: Seine Worte sind schmerzhaft ehrlich. Er beschreibt
eine soziale Isolation, die wir heute vielleicht als
Mobbing oder öffentliche Diffamierung und
Diskriminierung bezeichnen würden.
Er hört das Flüstern der Vielen: „Grauen ringsum!
Zeigt ihn an!“ Selbst seine engsten Freunde warten
nur darauf, dass er einen Fehler macht, um sich an ihm
zu rächen.
Und warum?
Weil Jeremia unbequem war. Er hat die Missstände seiner
Zeit ungeschönt beim Namen genannt. Wahrheit tut weh,
und wer sie ausspricht, wird oft zur Zielscheibe.
Jeremia leidet zutiefst darunter. Aber er schluckt den
Schmerz nicht hinunter. Er schreit ihn hin zu Gott.
Und doch
bricht dieser Mann nicht. Mitten in der Klage schlägt
seine Stimmung um. Er sagt: „Doch der Herr steht mir
bei wie ein gewaltiger Held.“ Jeremia weiß: Menschen
mögen mich fallen lassen, aber Gott tut es nicht.
Sechshundert Jahre später
greift Jesus im Evangelium genau diese existenzielle
Erfahrung auf. Er sendet seine Jünger aus. Er macht
ihnen keine falschen Hoffnungen:
Die Botschaft vom Reich Gottes wird auf Widerstand
stoßen. Aber dreimal ruft er ihnen in diesem kurzen
Abschnitt zu: „Fürchtet euch nicht!“
Fürchtet euch nicht vor den Menschen, denn nichts bleibt für immer verborgen. Die Wahrheit wird
sich am Ende durchsetzen.
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Unsere tiefste
Identität, unser eigentliches Leben, ist bei Gott
unverletzlich sicher.
Fürchtet euch nicht, denn ihr seid wertvoll! Jesus gebraucht das wunderschöne Bild von den Spatzen: Wenn
kein einziger kleiner Spatz ohne das Wissen Gottes auf
die Erde fällt, wie viel mehr sorgt er sich um uns?
Sogar die Haare auf unserem Kopf sind alle gezählt.
Jesus
fordert uns nicht zu einem blinden, naiven Heldentum
auf. Er entwaffnet vielmehr unsere Angst, indem er uns
zeigt, wie unendlich kostbar wir in den Augen Gottes
sind.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir leben heute hier zu Lande nicht in der Gefahr, wegen
unseres Glaubens ins Gefängnis geworfen oder getötet zu
werden. Die Verfolgung ist subtiler geworden. Es ist die
Angst, unmodern zu wirken. Die Angst, im Kollegenkreis
ausgelacht zu werden, wenn man sich als Christ outet.
Die Angst vor dem „Flüstern der Vielen“, wenn wir
für Schwächere Partei ergreifen, wo andere wegschauen.
Jesus lädt uns heute ein, die Perspektive zu wechseln:
Erstens: Die Meinung der anderen relativieren: Was die Welt über uns flüstert, ist vergänglich. Was
Gott über uns denkt, bleibt für immer.
Zweitens: Farbe bekennen:
Wer sich vor den Menschen zu Jesus bekennt, zu dem wird
sich auch Jesus vor seinem Vater im Himmel bekennen. Das
bedeutet schlicht: Leben wir im Alltag, was wir glauben
– in Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe.
Drittens: Aus dem Vertrauen leben: Wenn uns die Angst packt, dürfen wir wie Jeremia klagen, aber
wir dürfen uns auch an die Spatzen erinnern. Gott
vergisst uns nicht.
Liebe Schwestern und Brüder!
Gehen wir ermutigt und gestärkt in die neue Woche. Der
Herr steht uns bei wie ein gewaltiger Held. Wir müssen
uns nicht verbiegen, um den „Vielen“ zu gefallen. Unsere
Haare sind gezählt. Unser Wert steht fest. Seid ohne
Furcht!
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