Exerzitien mit P. Pius

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Die Einladung zum Fest des Lebens

zum Evangelium am 28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A; Mt 22, 1 - 10

 

Evangelium

Ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit

1erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:

2Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.

3Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.

4Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!

5Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,

6wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.

7Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.

8Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig.

9Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!

10Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn wir heute an ein großes Fest denken, kommen uns gewiss viele Erinnerungen in den Sinn. Große Familienfeste, Hochzeiten, Taufen. Wir Ordensleute denken vielleicht an die Feier der Profess oder an ein Ordensjubiläum. Beim Stichwort „Fest“ fällt uns vielleicht auch der festliche Saal ein, die Musik, gutes Essen und das frohe Miteinander.

Ja, ein Fest bringt Menschen zusammen. Es bringt Freude in den Alltag. – Und genau dieses Bild wählt Jesus heute im Evangelium: Gott feiert ein Fest. Er lädt uns ein zur Hochzeit seines Sohnes.

 

Im Gleichnis hören wir jedoch von einer seltsamen Reaktion. Die geladenen Gäste kommen nicht. Sie haben Ausreden: Der eine muss auf sein Feld. Der andere muss seinen Geschäften nachgehen. Sie sind zu beschäftigt mit ihrem Alltag. Das Fest Gottes passt ihnen gerade nicht ins Konzept.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Kennen wir das nicht auch? Wie oft ertappen wir uns im Leben dabei, dass uns die Arbeit, die Sorgen oder einfach die Routine des Alltags den Blick verstellen? Den Blick für das Wesentliche. Den Blick für die Freude, die Gott uns schenken will.

 

Und jetzt schaue ich besonders auf Sie, liebe Ordensschwestern. Sie haben vor vielen Jahren eine radikale Entscheidung getroffen. Sie haben die Einladung Gottes gehört und Ihr „Feld“, Ihre weltlichen „Geschäfte“ verlassen. Ihr ganzes Leben, Ihr Ordensleben, war und ist die Antwort auf diese Einladung zum königlichen Fest.

Sie haben Gott Ihr „Ja“ geschenkt. Sie haben Ihn in den Mittelpunkt gestellt – im Gebet, im Dienst am Nächsten, in der Gemeinschaft. Dafür gilt Ihnen ein tiefes Wort des Dankes. Ihr Leben ist für alle hier im Haus ein lebendiges Zeugnis dafür, dass es sich lohnt, der Einladung Gottes zu folgen.

 

Doch nun ist für Sie alle hier im Haus – Ordensschwestern und Heimbewohner – der Radius des Lebens kleiner geworden. Die Beine wollen vielleicht nicht mehr so, wie sie mal wollten. Die Kräfte lassen nach. Die Vergesslichkeit nimmt zu. Und die Tage verlaufen oft in einem festen, ruhigen Rhythmus.

 

Und mancher fragt sich vielleicht: „Was erwartet Gott noch von mir? Was kann ich noch tun?“

 

Das Evangelium gibt uns heute eine wunderbare, tröstliche Antwort. Der König sagt zu seinen Dienern: „Geht an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle ein, die ihr trefft!“ – Und die Diener holten alle zusammen: Gute und Böse, Kranke und Gesunde, Fröhliche und Traurige. Der Hochzeitssaal wurde voll.

 

Das bedeutet für uns im Hier und Jetzt: Gott fragt nicht nach Ihrer Leistung. Er fragt nicht, wie viel Sie heute noch arbeiten können. – Gott lädt Sie vielmehr ein, genau so, wie Sie heute hier sitzen. Mit Ihren Schmerzen, mit Ihren Erinnerungen, mit Ihrer Müdigkeit, aber auch mit Ihrer Lebenserfahrung, Ihrer Weisheit und Ihrem Glauben.

 

Das Fest findet jetzt statt. Jedes Mal, wenn wir die Heilige Messe feiern, sitzen wir am Tisch des Herrn. Jedes Mal, wenn wir füreinander ein gutes Wort haben, einen freundlichen Blick, eine helfende Hand … dann leuchtet etwas von diesem Fest auf.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Lebensabend in einem Alten- und Pflegeheim ist kein Abstellgleis. Er ist vielmehr die Zeit, in der wir uns ganz intensiv auf das endgültige, ewige Festmahl bei Gott vorbereiten können.

 

Die Ausreden von damals – das Feld, die Geschäfte – die spielen hier keine Rolle mehr. Sie haben jetzt Zeit. Zeit für das Gebet, Zeit für die Stille, Zeit für die Begegnung mit dem Herrn.

 

Lassen wir uns also neu anstecken von der Freude dieses Königs! Nehmen wir Platz an seinem Tisch!

Er stärkt uns im Sakrament des Altares, damit wir getröstet und voller Hoffnung sagen können:

„Ja, Herr, ich bin Deiner Einladung gefolgt. Ich bin da. Und ich gehe mit Dir. Geh Du mit mir! Schenk Dich mir – im Wort, das ich höre – und im Brot des Lebens, wo ich Dich empfange. Amen“

 

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