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Erste Lesung
Wenn du den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel
dein Licht auf
Lesung
aus dem Buch Jesája.
So spricht der Herr:
7Brich
dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus
auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und
entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft.
8Dann
wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und
deine Heilung wird schnell gedeihen. Deine Gerechtigkeit
geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir
nach.
9Wenn
du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn
du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn
du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen
mit dem Finger zeigst und niemandem übel nachredest,
10den
Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann
geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird
hell wie der Mittag.
Liebe Schwestern und Brüder!
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Gebete
manchmal ungehört verhallen? Nun, in der 1. Lesung (aus
dem Buch Jesaja) sind wir genau solchen Menschen
begegnet, die das erfahren haben und deshalb gefrustet
und enttäuscht sind.
Sie fasten, sie halten religiöse Rituale ein, sie beten,
doch Gott reagiert offensichtlich nicht, der Himmel
bleibt verschlossen.
Der Prophet Jesaja gibt eine radikale Antwort: Gott lässt sich nicht durch fromme Übungen
„bestechen“. Er will keinen Gottesdienst, der an der Not
der Welt vorbeischaut. Gebet, Fasten, Gottesdienst,
religiöse Feste und Feiern, Prozessionen, Wallfahrten
und anderes – sind wertlos, wenn all das nicht
einhergeht mit Werken der Liebe. Erbarmen und Werke der
Liebe machen Gebet und Gottesdienst erst gültig, wirksam
und Gott wohlgefällig.
Und Jesaja wird ganz konkret. Er spricht nicht von abstrakten Werten, sondern von elementaren
Bedürfnissen: dem Hungernden das Brot brechen,
Obdachlose aufnehmen, Nackte bekleiden, aufhören mit dem
Finger auf andere zu zeigen, üble Nachrede und
Verleumdung vermeiden, dem Machtmissbrauch und der
Unterdrückung ein Ende machen…
Das Faszinierende an diesem
Text ist die Dynamik: Wenn wir uns dem Nächsten
zuwenden, verändert sich unsere eigene Situation.
„Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot“,
heißt es. Wer gibt, wird nicht leerer, sondern lichter.
Die „Heilung“, nach der wir uns oft so sehnen – sei es
für uns persönlich oder für unsere Gesellschaft –,
beginnt dort, wo wir aufhören, nur um uns selbst zu
kreisen. Wenn wir auf den „Fingerzeig“ verzichten und
die Verleumdung sein lassen, dann antwortet Gott auf
unser Rufen und Beten:
„Hier bin ich!“.
Liebe Schwestern und Brüder,
diese Lesung ist die perfekte Ouvertüre für das heutige
Evangelium, in dem Jesus uns zuruft: „Ihr seid das
Licht der Welt!“
Das Licht, von dem Jesaja spricht, ist keine eigene
Leistung. Es ist der Widerschein der göttlichen
Gerechtigkeit, die durch unser Handeln sichtbar wird.
Wir leuchten nicht, indem wir glänzende Reden schwingen,
sondern indem wir helfen, wo Hilfe nötig ist und
anpacken, wo das Leben dunkel ist.
Liebe Schwestern und Brüder,
Gott begegnen wir nicht nur im Gottesdienst, wir finden
ihn nicht nur, wenn wir fasten und beten, sondern auch
und vor allem in der Begegnung mit dem Bedürftigen. Der
Weg zu Gott führt immer über den Nächsten.
Lassen wir unser Licht leuchten – nicht um bewundert zu
werden, sondern damit die Welt ein Stück wärmer und
heller wird, nicht damit die Menschen uns loben, sondern
damit sie unseren Vater im Himmel preisen.
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