Exerzitien mit P. Pius

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"Alle fürchteten sich vor ihm"

(5. Ostersonntag - Lesejahr B; Apg 9, 26 - 31)

 

ERSTE LESUNG                                                                                                   

Barnabas erzählte den Jüngern, wie Saulus auf dem Weg den Herrn gesehen habe

 

Lesung aus der Apostelgeschichte

 

In jenen Tagen,

26als Paulus nach Jerusalem kam, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen. Aber alle fürchteten sich vor ihm und konnten nicht glauben, dass er ein Jünger war.

27Barnabas jedoch nahm sich seiner an und brachte ihn zu den Aposteln. Er erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Weg den Herrn gesehen habe und dass dieser mit ihm gesprochen habe und wie er in Damaskus mutig und offen im Namen Jesu aufgetreten sei.

28So ging er bei ihnen in Jerusalem ein und aus, trat unerschrocken im Namen des Herrn auf

29und führte auch Streitgespräche mit den Hellenisten. Diese aber planten, ihn zu töten.

30Als die Brüder das merkten, brachten sie ihn nach Cäsarea hinab und schickten ihn von dort nach Tarsus.

31Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien hatte nun Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes.

 

 

In meiner Studienzeit in Münster in Westf. hatten wir in unserer Kapuzinergemeinschaft einen alten weisen Mitbruder, vor dem alle viel Respekt hatten und zu dem wir mit Ehrfurcht aufschauten. Er hatte in unserer Ordensprovinz und im Kloster Münster hohe Ämter inne.

Dieser Pater war für seine Dikta (Worte/Aussprüche) bekannt. Manche Aussprüche von ihm sind mir noch gut in Erinnerung. Einen Ausspruch von ihm konnte ich aber nie richtig nachvollziehen. Er lautet: „Der Mensch ändert sich nicht.“

Das schien mir immer zu hart, zu grundsätzlich, zu endgültig.

 

Natürlich werden in der Kindheit die Gleise für’s Leben gelegt.

Klar, dass jeder Mensch seinen Charakter hat, sein Temperament, seine Eigenart und manchmal auch Unart. Jeder ist wie er ist. Niemand kann aus seiner Haut herausschlüpfen.

 

Aber ist wirklich alles total festgelegt, determiniert? Ist da gar nichts mehr zu machen? Ist keine Änderung mehr möglich?

Soll und darf man auf Kurskorrektur, Umkehr und Wandlung bei sich selbst und anderen nicht hoffen?

 

„Der Mensch ändert sich nicht.“ – Zeigen die Bekehrungen in so manchem Heiligenleben nicht das Gegenteil?

Ich denke an Franz von Assisi, an Ignatius von Loyola, an Theresia von Avila, Charles de Foucauld und andere, nicht zuletzt auch an den Apostel Paulus und sein Erlebnis vor den Toren von Damaskus.

Dieses Erlebnis hat Paulus nicht nur aus dem Sattel des Pferdes geworfen, sondern auch völlig aus der Bahn gebracht.

Sein Leben hat dadurch eine ganz neue Richtung bekommen.

Es wurde geradezu umgekrempelt. Aus Saulus wurde Paulus, aus dem fanatischen Verfolger ein glühender Nachfolger, aus dem Christenhasser ein leidenschaftlich Christus Liebender.

 

Doch ein Mensch mag sich noch so sehr ändern – wie und wodurch auch immer – er mag sogar eine Kehrtwende um 180 Grad machen, wie es bei Paulus offensichtlich der Fall war, die Frage ist, ob auch die Mitmenschen diese Änderung nachvollziehen und verstehen, sie einordnen und akzeptieren können.

Denn man kennt den- oder diejenige ja. Man weiß, wie er oder sie ist. Man hat seine Erfahrungen gemacht. Und dann hat man eine Einschätzung von dieser Person, ein Bild, ein Urteil – und das nicht von ungefähr, nicht ohne Grund.

Und diese Einschätzung, dieses Bild aufzugeben, es zu revidieren, ist gar nicht so einfach.

 

So war es auch im Fall des Saulus, der zu einem Paulus geworden war. In der ersten Lesung, die wir gehört haben, heißt es:

„Alle fürchteten sich vor ihm und konnten nicht glauben, dass er ein Jünger war.“

Wen wundert’s? Man hatte viel von ihm gehört – und das war gar nichts Gutes. Man hatte ganz schlimme und schreckliche Erfahrungen mit diesem Mann gemacht. Für die jungen Christengemeinden war er eine große Bedrohung. Man hatte Angst vor ihm.

Paulus hielt die Christen für eine Sekte mit einer gefährlichen Irrlehre. Ein gekreuzigter Messias war für ihn unvorstellbar.

Und diese Sekte galt es im Namen Gottes und um der Wahrheit willen auszurotten. Darum wütete er gegen die Jesusleute, suchte sie ausfindig zu machen, drang in ihre Häuser ein, verhaftete sie, ließ sie auspeitschen und brachte sie ins Gefängnis.

 

Doch dann geschah es – bei der Jagd auf die Christen in Damaskus. Vor den Toren der Stadt umstrahlte Paulus plötzlich ein Licht und er hörte eine Stimme: „Ich bin Jesus, den du verfolgst.“

Dieses Erlebnis änderte sein Leben total. Nun verkündet der Neubekehrte unerschrocken und kraftvoll, dass Jesus der Messias ist.

Das aber geht gar nicht lange gut. Die gesetzestreuen Juden wollen ihn töten. Dem entgeht er nur durch den beherzten Einsatz von Christen, die ihm in letzter Minute zur Flucht verhelfen.

 

Was dann folgt, haben wir vorhin in der ersten Lesung gehört.

Paulus geht nach Jerusalem. Dort widerholt sich, was ihm bereits in Damaskus widerfahren ist. Die Christen dort bezweifeln seine Bekehrung. Misstrauen schlägt ihm entgegen.

„Alle fürchteten sich vor ihm und konnten nicht glauben, dass er ein Jünger war.“

Wie soll man einem glauben, der von heute auf morgen das Gegenteil von dem vertritt, was bis dahin sein Leben aus­machte? Ist sein Bekenntnis zu Christus nur eine clevere Masche? Will er sich auf diese Weise in die christliche Gemeinden einschleichen?

 

Doch Paulus findet einen Fürsprecher: Barnabas.

Dieser Barnabas imponiert mir. Er springt über seinen Schatten. Er traut sich etwas zu tun, wozu ganz viel Mut gehörte.

Er nimmt sich des Paulus an. Er traut einem Mann, der bei den Christen in einem äußerst schlechten Ruf stand und mit dem niemand etwas zu tun haben wollte. Er bringt ihn zu den Aposteln und tritt für ihn ein. Er bezeugt seine Bekehrung und seinen Eifer für Jesus.

Barnabas vertraut auf Gott und seinen heiligen Geist: einen Geist der Wandlung und nicht der Erstarrung, einen Geist nicht des Misstrauens, sondern der Treue. So – durch die mutige Vermittlung des Barnabas – findet Paulus den Weg in die Gemeinde.

 

Da machen auch die Gemeindemitglieder einen entscheidenden Schritt. Leicht ist er ihnen sicher nicht gefallen.

Trotz der schrecklichen Erfahrungen, die sie mit Paulus gemacht haben, trotz der noch frischen Wunden und schmerzhaften Verletzungen, lassen sie sich auf Paulus ein. Sie überwinden ihr Misstrauen und schenken ihm Gemeinschaft.

 

Es heißt im heutigen Lesungsabschnitt: „Paulus ging bei ihnen ein und aus.“ Das bedeutet doch: Sie verkehren, reden, leben miteinander. Ein Feind wird zum Bruder in Christus.

 

Das wiederum gibt Paulus Kraft für seine Sendung.

„Und er trat unerschrocken im Namen des Herrn auf.“

 

So wächst Gemeinschaft und Solidarität, die sich auf der Stelle bewährt, als Paulus selbst in Gefahr kommt. Als Gegner treten Griechisch sprechende Diasporajuden auf. Aus dem Verfolger Saulus wird ein verfolgter Paulus, dem das gleiche Schicksal wie Stephanus droht. Doch dem beugen aktive „Brüder“ vor, die Paulus in Sicherheit bringen, zunächst nach Cäsarea hinab und von dort in seine Heimatstadt Tarsus.

 

Für mich werden aus den Geschehnissen, die die Apostelgeschichte in der heutigen Lesung berichtet, drei Dinge deutlich:

 

Erstens: Dass es für einen Menschen, der eine Umwandlung erfahren hat, der sich verändert hat, gar nicht so einfach ist, einen neuen Anfang zu machen und durchzuhalten. Da gibt es in seiner Umgebung unter Umständen erheblichen Widerstand, Argwohn und Misstrauen. In einer solchen Situation braucht es eine klare Entscheidung, eine feste Überzeugung und einen langen Atem, um dem eigenen Weg und der neuen Lebensausrichtung treu zu bleiben.

 

Zweitens: Es braucht Menschen wie Barnabas, die vermitteln, sich verbürgen und Vertrauen schenken. Es braucht im Leben immer wieder die Unterstützung und Solidarität anderer.

 

Drittens: Sowohl in Damaskus als auch in Jerusalem muss auch die Christengemeinde ihre Einstellung und Sichtweise gegenüber Paulus verändern. Doch es ist gar nicht einfach.

An den Sinneswandel eines Feindes und Verfolgers zu glauben, braucht Zeit. Misstrauen abbauen braucht Zeit. Vertrauensbildende Maßnahmen brauchen Zeit. Es dauert, bis Vertrauen wächst.

Als es für Paulus selbst lebensgefährlich wird, weil ehemalige Gesinnungsgenossen aus dem Judentum ihm nach dem Leben trachten, und als dann Mitchristen sowohl in Damaskus als auch in Jerusalem ihm zur Flucht verhelfen, da ist der Bann gebrochen.

 

„Der Mensch ändert sich nicht.“

Paulus scheint ein Paradebeispiel für das Gegenteil zu sein. In seinem Leben hat sich in Folge des Damaskusereignisses viel geändert. Eine unglaubliche Wandlung hat sich da vollzogen.

 

Allerdings schreibt Paulus sich diese Wandlung nicht selbst zu.

Es ist nicht sein Werk oder sein Verdienst. Immer wieder bekennt er: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin.“

 

Andererseits, auch das stimmt: Ein Stück weit ein Eiferer, ganz entschieden, sehr radikal und kompromisslos, manchmal auch ein wenig fanatisch ist Paulus auch als Völkermissionar und Verkünder des Evangelium noch geblieben. „Leidenschaft für Gott“ kennzeichnet sein Leben vor und nach seiner Bekehrung.

 

Auch die Christen in Damaskus und Jerusalem mussten ihr Bild revidieren, das sie von Saulus hatten. Leicht war es nicht.

Auch als Paulus sich schon zu Christus bekannte, fürchteten sie sich immer noch und trauten ihm nicht über den Weg.

 

Barnabas ging mit gutem Beispiel voran. Mutig setzte er sich für Paulus ein. Er öffnete ihm Türen und half auch den christlichen Gemeinden Misstrauen abzubauen, so dass sie bereit waren, den ehemaligen Todfeind aufzunehmen und ihn als „Bruder in Christus“ anzunehmen.

 

Ich möchte für mich und uns alle hoffen und erbitten, nicht stehen zu bleiben und zu erstarren, sondern ein Leben lang beweglich zu bleiben, sich noch ändern, wandeln, umdenken und umkehren zu können.

 

Ich kann aus mir keinen anderen Menschen machen.

Aber ich kann mich öffnen für Gottes Gegenwart, für sein Wort, für seinen Geist, für seine Liebe, für sein Licht und seine Kraft, für seinen Frieden.

Ich kann bitten: Wandle mich in deiner Liebe um. Gib mir einen neuen Sinn, einen neuen Geist, ein neues Herz! Bilde mein Herz nach deinem Herzen!

Mach mich immer mehr eins mit dir! Lass mich immer mit dir verbunden sein und bleiben – wie die Rebe mit dem Weinstock. Und hilf mir, zu leben aus deinem Geist und zu handeln in deiner Liebe. Und so Frucht zu bringen für Zeit und Ewigkeit.

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