Exerzitien mit P. Pius

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Abgeschlossen im Obergemach

(7. Ostersonntag, Lesejahr A; Apg 1, 12 - 14)

 

 

ERSTE LESUNG                                                                                                  

Sie alle verharrten einmütig im Gebet

 

Lesung

aus der Apostelgeschichte

 

Als Jesus in den Himmel aufgenommen worden war,

12kehrten die Apostel von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück.

13Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philíppus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelót, sowie Judas, der Sohn des Jakobus.

14Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Was machen die Jünger nach der Himmelfahrt Jesu?

Sie gehen in Quarantäne. Ja, sie haben richtig gehört. Die Jünger Jesu gehen in Quarantäne. Sie schotten sich ab, sie schließen sich ein. Freiwillig, ungezwungen. Und doch nicht ganz freiwillig. Denn sie haben Angst.

Nach der Himmelfahrt Jesu kehren die Jünger nach Jerusalem zurück, gehen ins Obergemach hinauf und schließen sich ein, aus Angst vor den Menschen, aus Angst vor Ablehnung, aus Angst, es könnte ihnen ebenso ergehen wie ihrem Meister. Mitgehangen – mitgefangen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

In den Wochen, als die Corona-Krise auf ihrem Höhepunkt war, mussten viele Menschen in ihr „Obergemach“ und da bleiben. Sie lebten unzugänglich für ihre Verwandten und Freunde, abgeschottet von ihren nächsten Angehörigen. Die Abschottung wurde von außen befohlen. Aber oft genug spielte auch da Angst eine Rolle, die Angst vor Ansteckung.

 

Für die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen sowie für die vom Corona-Virus Infizierten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser war die Situation besonders schlimm. Kein Besuch, keine Händedruck, keine Umarmung! Manch einer musste allein und verlassen sterben.

 

In anderen Ländern – wie z. B. Spanien – gab es eine totale Ausgangssperre für ganze Städte und Regionen. Da ging es uns hier in Deutschland – und vor allem auch im ländlichen Bereich – vergleichsweise gut. Da haben viele Menschen viel Schlimmeres auf sich nehmen und durchmachen müssen.

 

Das Gute war, dass wenigstens per Telefon oder per Skype noch Kontakt mit Freunden und Verbindung zu Verwandten möglich war. Dennoch haben viele an dem aufgezwungenen Abgeschnitten- und Isoliert-Sein gelitten. Wir selber waren die rigorosen Einschränkungen vielleicht auch irgendwann leid.

 

Sie wissen, liebe Schwestern und Brüder, dort, wo Menschen über einen längeren Zeitraum ganz eng beieinander leben und sozusagen ganz nah aufeinander hocken, ohne ausweichen zu können, ohne eine Abwechslung, da kommt es leicht zu Gereiztheit und Aggressionen. Irgendwann geht man sich gegenseitig auf die Nerven. Dann kann schon eine Kleinigkeit einem aufregen und zur Weißglut bringen. Dann braucht‘s oft nicht mehr viel und das Fass läuft über, es platzt einem der Kragen oder der Gaul geht mit einem durch. Und schon ist Feuer unterm Dach, Krach und Streit.

So gesehen wundert’s mich nicht, dass in der Corona-Krise, wie statistisch bewiesen ist, häusliche Gewalt und Missbrauch besonders gegenüber Frauen und Kindern stark zugenommen haben.

 

Liebe Mitchristen!

Wie war das eigentlich im Obergemach in Jerusalem? Wie haben die Jünger ihre Quarantäne ausgehalten? – Lukas erzählt uns: „Sie alle“ – nämlich die Apostel, die namentlich aufgezählt werden – „verharrten dort einmütig im Gebet zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“ (Apg 1, 14)

 

Sonderbar, die Jünger und Jüngerinnen Jesu gingen sich anscheinend nicht auf die Nerven. Von Auseinandersetzungen, von Zwietracht und Streit ist keine Rede. „Einmütig“, so hebt Lukas hervor, verharrten alle im Gebet.

 

Wie lässt sich diese Einmütigkeit erklären?

Den Schlüssel liefert uns Lukas, wenn er vom gemeinsamen Gebet spricht. Sehen Sie: Die Jünger und Jüngerinnen Jesu waren nicht total aufeinander fixiert. Sie waren offen für eine andere, für eine größere Wirklichkeit. Sie öffneten sich für Gott.

Ich bin überzeugt, dass diese Offenheit für Gott im Gebet sie ganz stark und ganz tief verbunden hat. Es entstand eine „Einmütigkeit“. Sie waren eines Sinnes, eine Seele. In der Tiefe spürten sie eine innere Verbindung. Und so vermochten sie auch die enge Nähe auszuhalten.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn wir gemeinsam beten, können wir mitten in Enge und Angst die Öffnung nach oben erleben. Gemeinsames Beten führt zusammen, es stärkt das Miteinander von Ehepaaren, von Familien und Gemeinschaften. Ja, im Gebet gibt es Verbundenheit über hunderte von Kilometern.

Das gemeinsame Beten und Singen und Gottesdienstfeiern verbindet uns auch mit den Engeln und Heiligen im Himmel. Es verbindet uns mit der Kirche vor Ort und mit den Schwestern und Brüdern im Glauben auf der ganzen Welt, besonders auch mit denen in Not und Bedrängnis.

Und dann sind wir nicht mehr allein. Ja, es stimmt: Wer glaubt ist nicht allein. Dann fühlt man sich nicht mehr ausgegrenzt und isoliert, sondern man fühlt sich zugehörig, mit hineingenommen, verbunden mit Menschen gleicher Gesinnung.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Jünger bleiben im Obergemach bis der Heilige Geist auf sie herabkommt. Jesus hat ihn verheißen und versprochen. Auf ihn warten sie. Ihn ersehnen und erflehen sie.

An Pfingsten trauen sich die Jünger dann heraus aus ihrer Enge. Sie trauen sich auf die Menschen zuzugehen, vor denen sie kurz vorher noch Angst hatten. An Pfingsten sehen wir dann auch, wie der Heilige Geist die Jünger fähig macht, eine neue Sprache zu sprechen, eine Sprache, die alle verstehen.

 

Ich denke, so dürfen auch wir vertrauen, dass der Heilige Geist uns nach der Corona-Krise eine neue Sprache schenkt, eine Sprache, die uns miteinander verbindet, eine Sprache, die nicht bewertet und verurteilt, sondern versöhnt, eine Sprache, die nicht niederzieht und runtermacht, sondern aufbaut und aufrichtet, eine Sprache, die uns nicht ängstigt, sondern ermutigt.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Rufen wir in diesen Tagen der Pfingstnovene den Heiligen Geist an, dass er uns hilft, hinter die Krise zu schauen und uns zu fragen, was sie uns sagen und zeigen will. Jede Krise ist auch eine Chance. Wir können daraus lernen.

Möge der Heilige Geist uns helfen, zu erkennen, was Gott uns durch diese Krise mit ihren gravierenden Folgen lehren will. Mögen wir erkennen, wo Umkehr nötig ist, wo Veränderungen angesagt sind, Wandel, Aufbruch, ein neuer Anfang, damit wir hinterher nicht in allem weitermachen wie zuvor und alles beim Alten bleibt.

Normalität ja! Wir alle sehnen uns danach. Werfen wir jedoch vor lauter Lockerungstaumel Rücksicht und Vorsicht nicht über Bord. Eine andere Normalität, eine neue! Ich denke, in den vergangenen Wochen und Monaten konnten wir etwas von diesem Neuen lernen und einüben:  

  • Eine neue Solidarität: Vorsicht, Umsicht, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Verständnis, Achtsamkeit und Geduld.

  • Eine neue Nachdenklichkeit: Innehalten und entschleunigen. Nicht weiterrasen, hetzen, eilen, gieren, geizen. Innehalten, umsinnen, die innere Balance finden, Ruhe und Gelassenheit. Mehr Wir und weniger Ich.

  • Und vielleicht auch eine neue Offenheit für Gott: Ihm wieder mehr Raum geben, still werden, seine Nähe suchen im Gebet, auf ihn hören, seinem Wort im Glauben folgen, sich ihm anvertrauen.
    Oft verstehen wir seine Wege nicht. Er aber weiß den Weg für uns.

Liebe Schwestern und Brüder!

Lassen wir uns von IHM an der Hand nehmen! Lassen wir uns von IHM führen und leiten. ER ist das Licht, das uns erleuchtet. ER ist die Kraft, die uns erfüllt. ER ist der Beistand, der uns nicht verlässt. ER die Liebe, die uns birg und hält, heute und immer. Amen.

 

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