Exerzitien mit P. Pius

Sie sind hier: Startseite Predigten Fastenzeit Für uns - aus Liebe

Startseite
Jahresprogramm
Vorschau
Predigten
   Advent
   Weihnachten
   Fastenzeit
   Karwoche
   Ostern
   Pfingsten
   Sonntage im Jahreskreis A
   Sonntage im Jahreskreis B
   Sonntage im Jahreskreis C
   Werktage im Kirchenjahr
   Besondere Anlässe
   Festtage von Heiligen
   Herrenfeste
   Marienpredigten
   Papst und Kirche
Vorträge
Bildmeditationen
Geistliche Impulse
Persönliches
Fotogalerie
Kontakt
Links
 
 
 
 
 

Not lehrt beten

Donnerstag der 1. Woche der Fastenzeit; Mt 7, 7 - 12

 

Evangelium

Wer bittet, der empfängt

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

7Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet!

8Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
9Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet,

10oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet?

11Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.

12Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.

 

 

„Not lehrt beten“, so heißt es im Volksmund. Und an solchen Sprichwörtern ist ja auch immer etwas Wahres dran.

Angst und Gefahr, Leid und Not, Kummer und Sorgen veranlassen den Menschen, sich Gott zuzuwenden, zu ihm zu beten und um seine Hilfe zu bitten.

 

„Not lehrt beten.“ Immer wieder kann man hören, die Menschen würden heute nicht mehr so viel beten wie früher, weil es ihnen zu gut geht, weil sie kaum noch materielle Not erfahren.

Verlernen die Menschen in der Wohlstandsgesellschaft das Beten? – Da mag auch etwas Wahres dran sein. Aber ganz stimmt es nicht. Die meisten Menschen hierzulande geht es äußerlich gesehen gut, sie sind abgesichert. Aber das heißt nicht, dass sie keine Nöte, Sorgen und Probleme haben. Es sind oft Nöte anderer Art: Stress, Einsamkeit, Mobbing, Depression, psychische Belastungen, Krankheit... Es wird auch heute ganz viel gelitten, oft allerdings versteckt und verborgen.

 

„Not lehrt beten.“ Oft wird auch gesagt, dass es nicht besonders edel sei, nur in der Not zu beten, nur wenn es einem schlecht geht, an Gott zu denken und zu ihm seine Zuflucht zu nehmen.

 

Oft wird auch gesagt, das Bittgebet sei weniger wert als andere Gebetsweisen wie z.B. Danken, Loben, Preisen. – Gewiss, oft vergessen wir vielleicht das Danken. Wir nehmen vieles allzu selbstverständlich. Und der Lobpreis kommt zu kurz.

Das heißt aber nicht, dass das Bittgebet kein richtiges oder edles Gebet wäre. Wer aus tiefstem Herzen bittet, setzt ja sein ganzes Vertrauen auf Gott. Bittgebet ist eigentlich ein vertrauensvolles Beten.

Immer wieder wird im Neuen Testament eingeladen zu bitten.

Im Evangelium heute ist es Jesus selbst, der die Seinen damals und uns heute ausdrücklich auffordert zu bitten, zu suchen, anzuklopfen.

„Bittet, dann wird euch gegeben! Sucht, dann werdet ihr finden! Klopft an, dann wird euch geöffnet!“

 

Diese Worte Jesu stehen in der Bergpredigt ganz nah beim „Vaterunser“, das ja auch fast ganz aus Bitten besteht.

Das Bittgebet ist gerade das Gebet, das uns der Herr ans Herz legt und zu dem er uns einlädt.

 

Allerdings sind mit dem Bittgebet auch Gefahren oder Missverständnisse verbunden.

Zum Beispiel werden unsere Bitten nicht immer sofort erfüllt.

Gott ist kein Automat, wo wir oben eine Münze (Gebet) hineinwerfen und dann erhalten wir auf der Stelle das fertige Produkt, den Gegenstand. Gott ist kein Feuerwehrgott.

Oft braucht es Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit im Beten.

 

Wenn wir beten gehen unsere Bitten auch nicht immer so in Erfüllung, wie wir es uns vorstellen und wünschen, nicht so wie wir meinen, dass es gut und richtig wäre. Dann sind wir enttäuscht und traurig. Dann kann es sein, dass wir mit Gott hadern, ihn anklagen oder am Sinn des Betens zweifeln.

 

Wissen wir immer, was für uns gut ist? Wir meinen es zu wissen. Aber Gott sieht weiter. Er hat den größeren Überblick. Er sieht das Ganze. Oft erkennen wir erst im Nachhinein, dass etwas gut war, wie es war, dass auch eine Krankheit, ein Verlust, eine Krise ihren Sinn hatte und uns letztlich zum Heil und Segen wurde.

Darum die Erhörung, das ob und wie, Gott überlassen. Es nicht besser wissen oder Gott etwas vorschreiben wollen. Glauben, „dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“. (vgl. Röm 8, 28)

Selbst die Bitten Jesu an den Vater wurden nicht alle so erhört, wie er es sich – menschliche gesprochen – erhofft und gewünscht hat. „Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht das, was ich will, sondern das, was du willst, soll geschehen!“ (Mk 14, 36) – „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“, müssen wir eigentlich bei all unserem Bitten hinzufügen oder zumindest hinzudenken. Es geht um die Ergebenheit in den Willen des Vaters. „Dein Wille geschehe!“

 

Noch etwas: Das Bittgebet dispensiert uns nicht von unserem Denken und Tun. Gott will, dass wir mittun.

Als meine Mutter Anfang der 60er Jahre den Führerschein für den Traktor machte, ist sie beim ersten Mal durchgefallen. In der Zeit kam gerade ihr Cousin, ein Kapuzinerpater, zu Besuch. Meine Mutter sagte zu ihm: „Jetzt habe ich so viel gebetet und bin trotzdem durchgefallen.“ Der Pater antwortete: „Else, du darfst nicht nur beten, du musst auch lernen!“

 

Noch ein Letztes, etwas Grundsätzliches: „Ist es denn überhaupt notwendig, Gott zu bitten? Er weiß doch, was wir brauchen.“

Das stimmt! Wir müssen Gott nicht informieren. Er weiß um uns, er kennt uns. Er weiß, was uns nottut noch bevor wir ihn bitten.

Aber wissen wir, dass wir auf ihn angewiesen sind? Wissen wir, dass er der Geber aller Gaben ist, dass alles Gute von ihm kommt und dass wir alles aus seiner Hand empfangen?

 

So gesehen ist es gut und es ist heilsam, unsere Sorgen und Nöte vor Gott auch auszusprechen und unsere Anliegen ins Wort zu bringen und sie ihm voll Vertrauen anzuempfehlen, ihm, der unser Vater ist, ihm der uns liebt und gute Gaben gibt.

   Druckansicht

 

Seitenanfang