|
Evangelium
Wer bittet, der empfängt
+
Aus dem heiligen Evangelium
nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu
seinen Jüngern:
7Bittet
und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden;
klopft an und es wird euch geöffnet!
8Denn
wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer
anklopft, dem wird geöffnet.
9Oder ist
einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn
er um Brot bittet,
10oder eine Schlange, wenn er
um einen Fisch bittet?
11Wenn
nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu
geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel
denen Gutes geben, die ihn bitten.
12Alles,
was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch
ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
„Not lehrt beten“,
so heißt es im Volksmund. Und an solchen Sprichwörtern
ist ja auch immer etwas Wahres dran.
Angst und Gefahr, Leid und
Not, Kummer und Sorgen veranlassen den Menschen, sich
Gott zuzuwenden, zu ihm zu beten und um seine Hilfe zu
bitten.
„Not lehrt beten.“
Immer wieder kann man hören, die Menschen würden heute
nicht mehr so viel beten wie früher, weil es ihnen zu
gut geht, weil sie kaum noch materielle Not erfahren.
Verlernen die Menschen in der
Wohlstandsgesellschaft das Beten? – Da mag auch etwas
Wahres dran sein. Aber ganz stimmt es nicht. Die meisten
Menschen hierzulande geht es äußerlich gesehen gut, sie
sind abgesichert. Aber das heißt nicht, dass sie keine
Nöte, Sorgen und Probleme haben. Es sind oft Nöte
anderer Art: Stress, Einsamkeit, Mobbing, Depression,
psychische Belastungen, Krankheit... Es wird auch heute
ganz viel gelitten, oft allerdings versteckt und
verborgen.
„Not lehrt beten.“
Oft wird auch gesagt, dass es nicht besonders edel sei,
nur in der Not zu beten, nur wenn es einem schlecht
geht, an Gott zu denken und zu ihm seine Zuflucht zu
nehmen.
Oft wird auch gesagt, das
Bittgebet sei weniger wert als andere Gebetsweisen wie
z.B. Danken, Loben, Preisen. – Gewiss, oft vergessen wir
vielleicht das Danken. Wir nehmen vieles allzu
selbstverständlich. Und der Lobpreis kommt zu kurz.
Das heißt aber nicht, dass das
Bittgebet kein richtiges oder edles Gebet wäre. Wer aus
tiefstem Herzen bittet, setzt ja sein ganzes Vertrauen
auf Gott. Bittgebet ist eigentlich ein vertrauensvolles
Beten.
Immer wieder wird im Neuen
Testament eingeladen zu bitten.
Im Evangelium heute ist es
Jesus selbst, der die Seinen damals und uns heute
ausdrücklich auffordert zu bitten, zu suchen,
anzuklopfen.
„Bittet, dann wird euch gegeben! Sucht, dann werdet ihr
finden! Klopft an, dann wird euch geöffnet!“
Diese Worte Jesu stehen in der
Bergpredigt ganz nah beim
„Vaterunser“,
das ja auch fast ganz aus Bitten besteht.
Das Bittgebet ist gerade das
Gebet, das uns der Herr ans Herz legt und zu dem er uns
einlädt.
Allerdings sind mit dem
Bittgebet auch Gefahren oder Missverständnisse
verbunden.
Zum Beispiel werden unsere
Bitten nicht immer sofort erfüllt.
Gott ist kein Automat, wo wir
oben eine Münze (Gebet) hineinwerfen und dann erhalten
wir auf der Stelle das fertige Produkt, den Gegenstand.
Gott ist kein Feuerwehrgott.
Oft braucht es Geduld,
Ausdauer und Beharrlichkeit im Beten.
Wenn wir beten gehen unsere
Bitten auch nicht immer
so in
Erfüllung, wie wir es uns vorstellen und wünschen, nicht
so wie wir
meinen, dass es gut und richtig wäre. Dann sind wir
enttäuscht und traurig. Dann kann es sein, dass wir mit
Gott hadern, ihn anklagen oder am Sinn des Betens
zweifeln.
Wissen wir immer, was für uns
gut ist? Wir meinen es zu wissen. Aber Gott sieht
weiter. Er hat den größeren Überblick. Er sieht das
Ganze. Oft erkennen wir erst im Nachhinein, dass etwas
gut war, wie es war, dass auch eine Krankheit, ein
Verlust, eine Krise ihren Sinn hatte und uns letztlich
zum Heil und Segen wurde.
Darum die Erhörung, das ob und
wie, Gott überlassen. Es nicht besser wissen oder Gott
etwas vorschreiben wollen. Glauben,
„dass Gott bei
denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“. (vgl.
Röm 8, 28)
Selbst die Bitten Jesu an den
Vater wurden nicht alle so erhört, wie er es sich –
menschliche gesprochen – erhofft und gewünscht hat.
„Abba, Vater,
alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber
nicht das, was ich will, sondern das, was du willst,
soll geschehen!“ (Mk 14, 36) –
„Nicht mein,
sondern dein Wille geschehe“, müssen wir eigentlich
bei all unserem Bitten hinzufügen oder zumindest
hinzudenken. Es geht um die Ergebenheit in den Willen
des Vaters. „Dein
Wille geschehe!“
Noch etwas: Das Bittgebet
dispensiert uns nicht von unserem Denken und Tun. Gott
will, dass wir mittun.
Als meine Mutter Anfang der
60er Jahre den Führerschein für den Traktor machte, ist
sie beim ersten Mal durchgefallen. In der Zeit kam
gerade ihr Cousin, ein Kapuzinerpater, zu Besuch. Meine
Mutter sagte zu ihm:
„Jetzt habe ich so
viel gebetet und bin trotzdem durchgefallen.“ Der
Pater antwortete:
„Else, du darfst nicht nur beten, du musst auch lernen!“
Noch ein Letztes, etwas
Grundsätzliches:
„Ist es denn überhaupt notwendig, Gott zu bitten? Er
weiß doch, was wir brauchen.“
Das stimmt! Wir müssen Gott
nicht informieren. Er weiß um uns, er kennt uns. Er
weiß, was uns nottut noch bevor wir ihn bitten.
Aber wissen wir, dass wir auf
ihn angewiesen sind? Wissen wir, dass er der Geber aller
Gaben ist, dass alles Gute von ihm kommt und dass wir
alles aus seiner Hand empfangen?
So gesehen ist es gut und es
ist heilsam, unsere Sorgen und Nöte vor Gott auch
auszusprechen und unsere Anliegen ins Wort zu bringen
und sie ihm voll Vertrauen anzuempfehlen, ihm, der unser
Vater ist, ihm der uns liebt und gute Gaben gibt.
|