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Not lehrt beten Donnerstag der 1. Woche der Fastenzeit; Mt 7, 7 - 12
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Evangelium
Wer bittet, der empfängt
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Aus dem heiligen Evangelium
nach Matthäus
In jener Zeit sprach Jesus zu
seinen Jüngern:
7Bittet
und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es
wird euch geöffnet!
8Denn
wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem
wird geöffnet.
10oder eine Schlange, wenn er
um einen Fisch bittet?
11Wenn
nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie
viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.
12Alles,
was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin
besteht das Gesetz und die Propheten.
„Not lehrt beten“,
so heißt es im Volksmund. Und an solchen Sprichwörtern ist ja auch immer
etwas Wahres dran.
Angst und Gefahr, Leid und
Not, Kummer und Sorgen veranlassen den Menschen, sich Gott zuzuwenden,
zu ihm zu beten und um seine Hilfe zu bitten.
„Not lehrt beten.“
Immer wieder kann man hören, die Menschen würden heute nicht mehr so
viel beten wie früher, weil es ihnen zu gut geht, weil sie kaum noch
materielle Not erfahren.
Verlernen die Menschen in der
Wohlstandsgesellschaft das Beten? – Da mag auch etwas Wahres dran sein.
Aber ganz stimmt es nicht. Die meisten Menschen hierzulande geht es
äußerlich gesehen gut, sie sind abgesichert. Aber das heißt nicht, dass
sie keine Nöte, Sorgen und Probleme haben. Es sind oft Nöte anderer Art:
Stress, Einsamkeit, Mobbing, Depression, psychische Belastungen,
Krankheit... Es wird auch heute ganz viel gelitten, oft allerdings
versteckt und verborgen.
„Not lehrt beten.“
Oft wird auch gesagt, dass es nicht besonders edel sei, nur in der Not
zu beten, nur wenn es einem schlecht geht, an Gott zu denken und zu ihm
seine Zuflucht zu nehmen.
Oft wird auch gesagt, das
Bittgebet sei weniger wert als andere Gebetsweisen wie z.B. Danken,
Loben, Preisen. – Gewiss, oft vergessen wir vielleicht das Danken. Wir
nehmen vieles allzu selbstverständlich. Und der Lobpreis kommt zu kurz.
Das heißt aber nicht, dass das
Bittgebet kein richtiges oder edles Gebet wäre. Wer aus tiefstem Herzen
bittet, setzt ja sein ganzes Vertrauen auf Gott. Bittgebet ist
eigentlich ein vertrauensvolles Beten.
Immer wieder wird im Neuen
Testament eingeladen zu bitten.
Im Evangelium heute ist es
Jesus selbst, der die Seinen damals und uns heute ausdrücklich
auffordert zu bitten, zu suchen, anzuklopfen.
„Bittet, dann wird euch gegeben! Sucht, dann werdet ihr finden! Klopft
an, dann wird euch geöffnet!“
Diese Worte Jesu stehen in der
Bergpredigt ganz nah beim
„Vaterunser“, das ja auch fast ganz aus Bitten besteht.
Das Bittgebet ist gerade das
Gebet, das uns der Herr ans Herz legt und zu dem er uns einlädt.
Allerdings sind mit dem
Bittgebet auch Gefahren oder Missverständnisse verbunden.
Zum Beispiel werden unsere
Bitten nicht immer sofort erfüllt.
Gott ist kein Automat, wo wir
oben eine Münze (Gebet) hineinwerfen und dann erhalten wir auf der
Stelle das fertige Produkt, den Gegenstand. Gott ist kein Feuerwehrgott.
Oft braucht es Geduld,
Ausdauer und Beharrlichkeit im Beten.
Wenn wir beten gehen unsere
Bitten auch nicht immer so in
Erfüllung, wie wir es uns vorstellen und wünschen, nicht
so wie wir meinen, dass es gut
und richtig wäre. Dann sind wir enttäuscht und traurig. Dann kann es
sein, dass wir mit Gott hadern, ihn anklagen oder am Sinn des Betens
zweifeln.
Wissen wir immer, was für uns
gut ist? Wir meinen es zu wissen. Aber Gott sieht weiter. Er hat den
größeren Überblick. Er sieht das Ganze. Oft erkennen wir erst im
Nachhinein, dass etwas gut war, wie es war, dass auch eine Krankheit,
ein Verlust, eine Krise ihren Sinn hatte und uns letztlich zum Heil und
Segen wurde.
Darum die Erhörung, das ob und
wie, Gott überlassen. Es nicht besser wissen oder Gott etwas
vorschreiben wollen. Glauben,
„dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“. (vgl.
Röm 8, 28)
Selbst die Bitten Jesu an den
Vater wurden nicht alle so erhört, wie er es sich – menschliche
gesprochen – erhofft und gewünscht hat.
„Abba, Vater, alles ist dir
möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht das, was ich will,
sondern das, was du willst, soll geschehen!“ (Mk 14, 36) –
„Nicht mein, sondern dein Wille
geschehe“, müssen wir eigentlich bei all unserem Bitten hinzufügen
oder zumindest hinzudenken. Es geht um die Ergebenheit in den Willen des
Vaters. „Dein Wille geschehe!“
Noch etwas: Das Bittgebet
dispensiert uns nicht von unserem Denken und Tun. Gott will, dass wir
mittun.
Als meine Mutter Anfang der
60er Jahre den Führerschein für den Traktor machte, ist sie beim ersten
Mal durchgefallen. In der Zeit kam gerade ihr Cousin, ein
Kapuzinerpater, zu Besuch. Meine Mutter sagte zu ihm:
„Jetzt habe ich so viel gebetet
und bin trotzdem durchgefallen.“ Der Pater antwortete:
„Else, du darfst nicht nur beten,
du musst auch lernen!“
Noch ein Letztes, etwas
Grundsätzliches: „Ist es denn
überhaupt notwendig, Gott zu bitten? Er weiß doch, was wir brauchen.“
Das stimmt! Wir müssen Gott
nicht informieren. Er weiß um uns, er kennt uns. Er weiß, was uns nottut
noch bevor wir ihn bitten.
Aber wissen wir, dass wir auf
ihn angewiesen sind? Wissen wir, dass er der Geber aller Gaben ist, dass
alles Gute von ihm kommt und dass wir alles aus seiner Hand empfangen?
So gesehen ist es gut und es
ist heilsam, unsere Sorgen und Nöte vor Gott auch auszusprechen und
unsere Anliegen ins Wort zu bringen und sie ihm voll Vertrauen
anzuempfehlen, ihm, der unser Vater ist, ihm der uns liebt und gute
Gaben gibt.
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