Exerzitien mit P. Pius

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Sich öffnen für Gottes Geschenke

(Samstag, 3. Fastenwoche - Lesejahr B; Lk 18, 9 - 14)

EVANGELIUM                                                                                                   

Der Zöllner kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der Pharisäer nicht

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

 

In jener Zeit

9erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel:

10Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.

12Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.

13Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

 

Haben Sie es schon bemerkt, liebe Schwestern und Brüder?

Die Hälfte der Fastenzeit ist bereits vorüber. „Wie, schon?“, denk ich mir, „dabei wollte ich doch…“ – Ja, ich hatte mir einiges vorgenommen, aber… Eine Reihe guter Vorsätze. Und wieder einmal bin ich dahinter zurückgeblieben.

 

Falls es Ihnen auch so geht, kann ich Sie und mich trösten. Wir haben ja noch drei Wochen Zeit, uns auf Ostern vorzubereiten. Drei Wochen sind uns noch geschenkt, die Fastenzeit bewusst zu gestalten. – Und da kommt unser Evangelium von heute grade recht. Denn es zeigt uns meines Erachtens sehr gut, was Fastenzeit bedeutet und welche Haltung es einzuüben gilt.

 

Der eine Mann im Evangelium – der könnte nämlich jetzt beten: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht so wie die Leute bin, die die Fastenzeit verstreichen lassen, ohne sich auf Ostern vorzubereiten. Ich hab alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe, weit mehr als gefordert: Verzichte, Gebete, tägliche Schriftlesung, Bußandacht besucht, Osterbeichte schon hinter mich gebracht. Sonntaggottesdienst. Keine Frage, selbstverständlich, zusätzlich noch am Werktag. Außerdem schon eine Spende an Misereor überwiesen. Die kann sich sehen lassen. Da lass ich mich nicht lumpen.

Auch sonst – Gott sei Dank – alles im grünen Bereich. Familie intakt, Engagement in der Pfarrgemeinde, mehrere Ehrenämter, zahle brav und pünktlich meine Kirchensteuer. Immer korrekt, anständig, pflichtbewusst. Alles in bester Ordnung.

 

Diesem Mann stellt Jesus einen „Zöllner“ gegenüber:

Zweimal geschieden, in der Kirche taucht er nur einmal im Jahr auf, an Heiligabend. Wie er sein Geld macht sei auch nicht ganz sauber, wie man hört. Im Pfarreileben glänzt er durch Abwesenheit.

Auch er ist da vor Gott. Und empfindet tiefe Reue. Zerknirscht und mit gesenktem Kopf spricht er nur einen einzigen Satz: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ – Er fühlt sich als Sünder, als einen, der am Leben vorbeigelebt und seinen Weg verfehlt hat.

 

Liebe Mitchristen!

Was unterscheidet die beiden Männer?

Der erste hat schließlich nichts Böses gemacht. Im Gegenteil: Seine Taten sind alle recht und gut. – Aber er brüstet sich damit. Er stellt sie ins Schaufenster. Er ist stolz auf sich und auf das, was er zustande gebracht, gemacht und geschafft hat.

Er dankt zwar Gott, kreist aber um sich selbst und beweihräu­chert sich selbst. Zudem schaut er mit Verachtung auf andere. Vor allem aber: Dieser Mann erwartet alles von sich selbst, er erwartet alles von seinem Tun und Leisten, aber nichts von Gott.

 

Ich muss zugeben, liebe Schwestern und Brüder, ich kenne den Pharisäer ganz gut. Er steckt auch in mir. Gleich ich ihm nicht öfter als ich denke? Meine ich nicht auch oft: Mach ich’s nicht recht? Bin ich nicht gut? Und wie schnell stelle ich mich über andere und dünk mich besser! Wie schnell bin ich überheblich und schau auf andere herab, urteile und verurteile?

 

Liebe Wallfahrer und Wallfahrerinnen!

Jesus erzählt dieses Gleichnis Leuten – so heißt es ausdrücklich – „die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten.“

Aber gerechtfertigt, das heißt, von Gott angenommen, geht nicht der nach Hause, der Gott viel vorzuweisen hat, sondern derjenige, der vor Gott mit leeren Händen steht. Nicht derjenige, der sein Vertrauen auf sich selbst setzt, auf sein eigenes Tun und Machen und Leisten, sondern der, der um seine Fehlerhaftigkeit und sein Versagen weiß – und es ehrlich eingesteht. Derjenige, dem seine Armseligkeit und Erlösungsbedürftigkeit bewusst ist und Gnade und Erbarmen allein von Gott erwartet. Und aus dem es flehentlich herausbricht – wie ein tiefer Schrei: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Als Jesus das Gleichnis vom verlorenen Schaf erzählt, sagt er am Schluss (Lk,15,7): „Im Himmel herrscht mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt als über 99 Gerechte, die meinen, sie bräuchten keine Umkehr.“Und an einer anderen Stelle: „Ich bin nicht gekommen die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder.“ Denn: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“

Wenn wir ehrlich sind: Wer kommt schon ohne Wunden, ohne Scherben und ohne Schuld durchs Leben?

 

„Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Liebe Mitchristen, in der Fastenzeit geht es um diese Haltung. Wir sind eingeladen, uns zu öffnen für die Geschenke Gottes. Nicht von unseren Leistungen und Erfolgen hängt das Gelingen der Fastenzeit ab, nicht von unseren eigenen Anstrengungen und Klimmzügen, sondern von unserer Haltung: Offen zu sein für Gott, offen und empfänglich für das, was ER geben will.

 

Denn Gott schaut nicht auf den Menschen, der ihm seine Leistungen und Erfolge vorrechnet, sondern auf den, der vor ihm mit leeren Händen steht, auf den, der ihm seine Armut u. Blöße bringt. Gott liebt das reumütige Herz, das stolze verwirft er.

 

Ja, ich bin überzeugt: Gott liebt unsere Armut mehr als unseren Glanz, unsere Sehnsucht mehr als unsere Erfolge.

 

Von der hl. Gertrud von Helfta ist das Gebet überliefert:

„Gott, ich stehe vor dir mit der leeren Schale meiner Sehnsucht.“

 

Und sie hofft, dass ihr Leersein IHN anzieht, dass ihre Bedürf­tigkeit IHN spenden lässt und dass ihre Armut SEIN Erbarmen weckt. – Gesegnete Leere, die ER füllt mit SEINEM Licht, mit SEINER Kraft, mit SEINER Freude und SEINEM Frieden.

 

Liebe Wallfahrer u. Wallfahrerinnen, Schwestern u. Brüder!

Wir haben noch drei Wochen Zeit und darüber hinaus noch einige Jahre unseres Lebens.

 

„Gott sei mir Sünder gnädig!“ Es geht um die Einübung dieser Haltung. Brechen wir erneut auf – zu diesem Ziel der Fastenzeit!

 

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