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Liebe Schwestern und Brüder!
Sieben Machttaten, Wunder – der Evangelist Johannes
nennt sie „Zeichen“ – tut Jesus im Johannesevangelium.
Heute,
am 5. Fastensonntag – zwei Wochen vor Ostern – haben wir
das letzte und größte dieser Zeichen vor Augen geführt
bekommen: die Auferweckung des Lazarus. Vier Tage lag er
bereits im Grab, als Jesus ihn vom Tod ins Leben
zurückführte.
Allerdings,
bevor Jesus seine Macht über den Tod an Lazarus erweist,
geht in der Erzählung einiges voraus. Und es fällt auf
und ist interessant, dass in diesem „Vorspann“ nicht der
verstorbene Lazarus im Mittelpunkt steht, sondern seine
beiden Schwestern: Marta und Maria.
Wenn wir genau hinschauen, dann sehen wir – besonders in
der Begegnung Jesu mit Marta –, dass es dem Evangelisten
nicht so sehr um die Wundertat an sich geht, sondern
dass es ihm darum geht zu zeigen, wer Jesus für uns
Menschen ist und sein will. Jesus offenbart sich nämlich
mit einem der „Ich-bin-Worte“, die für das
Johannesevangelium typisch sind. Er sagt im Laufe des
Gespräches mit Marta: „Ich bin die Auferstehung und
das Leben.“
Doch zunächst – nach dem Tode ihres Bruders – eilt Marta
Jesus entgegen. Und als sie Jesus begegnet, eröffnet sie
das Gespräch mit einer Mischung aus Vorwurf und
Vertrauen. – Sie ist überzeugt: Wenn Jesus da gewesen
wäre, dann wäre ihr Bruder nicht gestorben. Doch immer
noch traut sie Jesus einiges zu: „Aber auch jetzt
weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir
geben.“ Und Jesus verheißt ihr: „Dein Bruder wird
auferstehen.“ – Doch das Unerhörte dieser Antwort
hört Marta nicht. Es übersteigt ihre Hoffnung, die sie
in Jesus setzt. – Und wie reagiert Marta? Sie antwortet:
„Ich weiß, dass er auferstehen wird – bei der
Auferstehung am Letzten Tag.“ – Die Auferstehung der
Toten am Ende der Zeit, das ist Martas Hoffnung für
ihren verstorbenen Bruder – nicht weniger, aber auch
nicht mehr.
Aber Jesus meint mehr. Ganz eindrucksvoll sagt er ihr zu
und offenbart sich dabei selbst als die Erfüllung von
Martas Hoffnung auf Leben – nicht irgendwann einmal,
sondern jetzt schon. Nicht: Ich werde sein, sondern:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich
glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und jeder, der
lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht
sterben.“
Mit dieser Antwort durchbricht Jesus die
Auferstehungshoffnung der Marta, welche auf die Endzeit,
den letzten Tag, beschränkt ist. Er führt sie aus der
Zukunft in die Gegenwart und auf sich selbst hin. –
Seine Antwort lautet: Auch für dich, Marta, bin ich
Auferstehung und Leben, hier und jetzt. „Glaubst du
das?“ Eine herausfordernde Frage, mit der Jesus
Marta sowohl einen neuen Glaubenshorizont als auch eine
neue Lebensperspektive anbietet. – Und tatsächlich: Ihre
Antwort beinhaltet eines der dichtesten
Glaubensbekenntnisse des Neuen Testamentes: „Ja,
Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn
Gottes, der in die Welt kommen soll.“
Martas Glaubenseinsicht bekommt schließlich in der
Auferweckung ihres Bruders „Hand und Fuß“. Jesus befreit
Lazarus aus dem Tod mitten ins Leben. An ihm erweist er
sich wahrhaft als Auferstehung und Leben.
Liebe Schwestern und Brüder!
Jesus ruft ins Leben, hier und jetzt – nicht nur
Lazarus, sondern alle, die sich von ihm aus den Gräbern
begrenzter Hoffnungen und beschränkter Lebenserwartungen
herausrufen lassen. Er selbst ist das Leben. Das ist
seine Verheißung – für uns alle. Doch damit wir ihn in
den kleinen und großen Toden unseres Daseins wahrhaft
als Auferstehung erfahren können, braucht es unsere je
eigene Antwort auf seine Frage, die über Tod und Leben
entscheidet: Glaubst du das?
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