Exerzitien mit P. Pius

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Josef von Nazareth

(4. Adventssonntag - Lesejahr A; Mt 1, 19 - 24)

EVANGELIUM                                                                                                   

Jesus wird geboren werden von Maria, die verlobt ist mit Josef, dem Sohn Davids

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

 

18Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes.

19Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.

20Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

21Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

22Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

23Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.

24Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

 

 

Vier Dinge fallen mir auf, vier Gedanken kommen mir zu diesem Evangelium, das die Verkündigung an Josef zum Inhalt hat:

 

Erstens: Wie Maria, so bringt ein Engel auch Josef die Botschaft.

Ein Engel erscheint ihm im Traum und erklärt ihm, was es mit Maria auf sich hat.

Der Engel öffnet Josef die Augen und deutet die Schwangerschaft seiner Verlobten als geistgewirkt.

Josef erkennt: Gott selbst hat an Maria gehandelt.

 

Wir können uns vorstellen, liebe Schwestern und Brüder, wie sehr Josef verwirrt war, ja, regelrecht geschockt, als er erfährt, dass Maria schwanger ist, aber nicht von ihm.

Wie sehr mag er enttäuscht gewesen sein!

Wie sehr mag er gegrübelt und sich den Kopf zerbrochen haben!

Fragen quälen ihn, Zweifel nagen an ihm.

Eine ganz große Krise im Leben des hl. Josef, eine wahre Zerreißprobe!

Was machen? Wie sich verhalten?

 

Der Engel bringt Licht in sein Dunkel und Klarheit in seine Verwirrung. Wie bei der Verkündigung an Maria, so sagt der Engel auch zu Josef: „Fürchte dich nicht!“ Der Engel befreit ihn von Angst und Sorge.

Er schenkt Josef Zuversicht, Mut und Vertrauen.

 

Liebe Mitchristen, sehnen wir uns nicht alle nach einem solchen Engel?

Brauchen wir nicht einen solchen Engel immer wieder?

Einen Engel, der uns aufrichtet, wenn wir ganz unten sind?

Einen Engel, der Licht bringt, wenn wir im Dunkeln tappen?

Einen Engel, der uns wieder durchblicken lässt, wo wir keinen Ausweg mehr sehen?

Einen Engel der uns Zuversicht schenkt.

Einen Engel, der uns stärkt, wenn wir müde sind und schwach?

Ein Engel, der uns hilft, nach oben und nach vorn zu schauen, wenn wir in unseren Gedanken und Sorgen gefangen sind.

Sie wissen, liebe Schwestern und Brüder:

Engel müssen keine Flügel haben.

Wir können füreinander Engel sein, einer für den andern.

 

Ein zweiter Gedanke:

Der Engel sagt zu Josef: „Du sollst ihm den Namen ‚Jesus‘ geben.“

„Jesus“ heißt: „Gott ist Retter, Gott ist Heil“.

Im Namen kommt die Sendung und Bedeutung des Kindes zum Ausdruck: Heiland, Retter, Erlöser!

„Er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen!“

Jesus bringt uns die Vergebung des Vaters.

In ihm schenkt Gott uns seine Gnade und sein Erbarmen.

„Glückliche Schuld“, so heißt es im Exultet der Osternacht,

„welch großen Erlöser hast du gefunden!“

 

Wie viele Menschen haben in der Begegnung mit Jesus Gott erfahren als einen, der rettet und heilt, der hilft und befreit!

Denken wir nur an die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin:

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein!“

Und dann, als Jesus mit der Frau allein zurückbleibt: „Hat dich keiner verurteilt?“ „Keiner, Herr.“ – „ Auch ich verurteile dich nicht!“

Jesus ist die verkörperte Treue und Barmherzigkeit Gottes!

 

Drittens:

Jesus hat Gott seinen Vater genannt. Er hat zu ihm „Abba“ gesagt: „Papa“.

Darin drückt sich eine ganz intime, familiäre Beziehung aus.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wie hätte Jesus zu seinem Vater so sprechen können, wie hätte er eine solch vertraute Beziehung zu seinem Vater im Himmel haben können, wenn er nicht mit seinem Pflegevater in Nazareth, wenn er nicht mit Josef entsprechend gute Erfahrungen gemacht hätte, positive Vatererfahrungen?

 

Josef muss wohl ein Vater gewesen sein, der das Vatersein Gottes in aller Größe und Liebe aufleuchten ließ, ein Vater, bei dem Jesus Gottes Vatergüte und Treue ganz intensiv erfahren hat.

Hätte sonst das Wort „Vater“ diesen Gehalt und diese Tiefe bekommen, die es in der Verkündigung und im Leben Jesu hatte?

Noch im Sterben spricht Jesus: „Abba, Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“

 

Auch wir dürfen zu Gott „Abba“ sagen.

Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.

Gott ist für uns wie ein guter Vater und wie eine liebende Mutter.

Zur Angst vor Gott besteht keine Berechtigung.

 

Ein letzter Gedanke.

Maria ist in die christliche Tradition eingegangen als „die, die geglaubt hat“ (Lk 1, 45).

Wie Maria, genauso, nicht weniger, hat auch Josef der Botschaft des Engels Glauben geschenkt.

Wie Maria, so hat auch Josef ganz auf Gott vertraut.

 

Er spricht zwar nicht „Mir geschehe nach deinem Wort“

Josef spricht und redet in der Bibel ja überhaupt nicht, aber:

Er tut, was Gott ihm sagt.

Er geht, wohin Gott ihn schickt.

Er ist da, wo er gebraucht wird und übernimmt Verantwortung.

 

Für mich ist Josef eine ganz Großer im Reiche Gottes.

Mit ihm konnte Gott rechnen, ohne sich zu verrechnen.

Und er hat mit Gott gerechnet und nach seinem Willen gehandelt.

Darin ist Josef für mich Vorbild und er kann es für uns alle sein.

 

Damals wie heute braucht es Menschen wie Maria und Josef,

Menschen, die offen sind für Gottes Geist,

Menschen, empfindsam, spürig, fühlig für die Eingebungen Gottes,

Menschen, schweigsam, hörend, empfänglich für Gottes Wort,

Menschen, die Gott etwas zutrauen über die eigenen Möglichkeiten hinaus,

Menschen, für die Gott absolute Priorität hat,

Menschen, die dem Willen Gottes Vorfahrt geben.

 

„Die selbstherrlichen Wege verlassen

und deinen Weg gehen

   - wie Josef -

und das mit aller Hingabe.

 

Die eigenmächtigen Gedanken aufgeben

und deine Gedanken denken

   - wie Josef -

und das mit aller Hingabe.

 

Die ichbezogenen Ziele loslassen

und dein Ziel verfolgen

   - wie Josef - 

und das mit aller Hingabe.“

(leicht verändert, nach Anton Rotzetter)

 

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