Exerzitien mit P. Pius

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Wiederverwertung

zur 1. Lesung am 4. Ostersonntag, Lesejahr B – APG 4, 11

 

Vor langer, langer Zeit, als die große Kathedrale gebaut wurde, kam ein unbekannter Handwerker zum Meister der Bauhütte und fragte, ob er seine Handwerkskunst einsetzen dürfe. Steinmetze hätten sie genug, sagte der Baumeister und wollte den Fremden abweisen. Er wolle doch keine Steine behauen, sagte der Fremde, sondern er bitte um die Erlaubnis, eines der bunten Glasfenster gestalten zu dürfen. Wenn es sein müsse, zur Probe, sogar ohne Bezahlung. Da willigte der Baumeister ein, auch wenn er vermutete, dass am Ende das Glas des Fremden wieder werde herausbrechen müssen, um die Arbeit von einem anderen Fachmann ausführen zu lassen.

 

In den folgenden Wochen kümmerte sich niemand mehr um den fremden Handwerker. Monatelang arbeitete er in einem provisorischen Verschlag, bis sein Fenster fertig war. Dann kam der Tag, der ans Licht brachte, was so lange im Verborgenden geschaffen worden war: ein Kirchenfenster von unbeschreiblicher Schönheit, mit solch glühenden Farben, wie es niemand zuvor gesehen hatte, prächtiger als alle anderen Fenster der Kathedrale. So einzigartig war das Fenster in seiner Leuchtkraft, dass Menschen von nah und fern kamen, um es anzuschauen.

 

„Aber woher hast du all das wunderbare, leuchtende Glas?“, fragte der erstaunte und zugleich begeisterte Baumeister den Handwerker. Und der Fremde sagte: „Ach, ich fand hier und da ein Stück in der Nähe der anderen Werkstätten. Das Fenster ist gemacht aus den Glasresten, die von den anderen als unbrauchbar weggeworfen wurden.“

 

 

in „Aufbruch für die Seele“, @ 2021 - St. Benno Verlag

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