Exerzitien mit P. Pius

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Brief einer Eselin an ihre Freundin

(Gedanken zum Palmsonntag)

Weißt du noch wie störrisch ich war?

Mein Herr hatte es sehr schwer mit mir. Wenn er mir sein Gepäck auflud, schlug ich oft gegen ihn aus. Ich hatte es satt. Immer nur Lasten tragen: Vorratskisten, Stoffballen, Körbe voll Früchte, Säcke voll Getreide… Und er stolzierte vornehm neben mir her.

Reich war er. Ein Händler, der sein Geschäft verstand. – Und ich war störrisch.

Aber eines Tages passierte etwas Seltsames: Mein Herr gönnte mir gerade einen Ruhetag und band mich an einen Pfahl vor dem Haus – damit ich ihm nicht davonlaufe, versteht sich. Neben mir lag mein Fohlen, das gerade erwachsen wurde.

Da seh‘ ich zwei Männer den Weg heraufkommen, direkt auf mich zu. Sie binden mich einfach los. In letzter Minute kommt mein Herr dazu. „He, ihr beiden! Was macht ihr denn da?“ Die beiden Männer sagten: „Unser Herr braucht jetzt gerade deine Eselin und ihr Junges. Es dauert nicht lange, dann bekommst du sie wieder zurück.“

Ich war verdutzt. So was! Wer sollte mich, die störrische Eselin, brauchen wollen?

Und wer erlaubte sich, mein Fohlen zu gebrauchen, das noch keinen Menschen getragen hatte? Neugierig ließ ich mich führen.

Als wir ins Tal kamen, war da eine kleine Schar von Männern. Einer legte sein Gewand auf mich, ein anderer auf mein Junges. Und dann, ja dann trat einer aus ihrer Mitte auf mich zu, streichelte mich und setzte sich auf mich.

Mir wurde ganz seltsam zumute. So zärtlich war mein Herr nie mit mir umgegangen.

Wer war das nur? Aber noch seltsamer war, dass ich die Last dieses Mannes gar nicht spürte. Es war, als ob ich ein Kind tragen würde.

Da konnte ich getrost zulassen, dass er auch auf meinem Fohlen ritt.

Der Mann tätschelte seinen Hals und lenkte uns zum Stadttor von Jerusalem hin.

Und was denkst du, plötzlich waren da viele Leute. Die legten ihre Kleider auf die Straße. Das sah aus wie ein Teppich. Darauf durften wir beide feierlich schreiten, als ob wir den König der Welt tragen würden. Immer mehr Leute strömten herbei. Sie rissen Zweige von den Palmen, zogen vor uns her oder liefen neben uns.

Auf einmal riefen, nein, schrien sie ganz laut: „Hosanna dem Sohne Davids!“

Sollte der Mann, den wir trugen etwa der Messias-König sein, auf den sie schon lange warteten? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls zogen wir durch das Tor in die Stadt hinein, bis zum Tempelplatz.

Dort streichelte dieser Mann uns noch einmal liebevoll.

Er übergab uns den Männern, die uns losgebunden hatten. Sie brachten uns zurück.

Ob du’s glaubst oder nicht: Seither ist etwas anders geworden bei mir. Ich kann nicht mehr störrisch sein. Ich kann nicht mehr murren, wenn der Herr mir eine Last auflegt, und mag sie noch so schwer sein.

Immer denke ich an die leichte Last jenes Mannes, den ich getragen hatte, von dem so viel Liebe und Friede ausgegangen war. Seitdem ist mir jede Last leicht.

Ob du das verstehen kannst?

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