Exerzitien mit P. Pius

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Entschleunigen

was ist los mit unserer Welt?

was ist los mit unserer Zeit?

 

immer mehr

immer besser

immer schneller

schneller – besser – mehr

lauter, hektischer, angestrengter

 

noch eine Idee

noch ein Termin

noch eine Aktivität

noch ein Plan

noch eine Veranstaltung

noch ein Gremium

 

wir legen uns krumm

sichern uns ab

amüsieren uns zu Tode

wir stopfen uns voll

mit Bildern und Eindrücken

Lärm und Hast

 

und machen und machen

und tun

 

wir strengen uns an

wir strengen uns noch mehr an

und doch ändert sich nichts

 

also

noch mehr tun

noch mehr machen

noch besser

noch schneller

noch mehr?

 

noch mehr von demselben

das scheint nicht der Weg zu sein

der unsere Sehnsucht stillt

 

ganz im Gegenteil

ein dumpfer Verdacht

beschleicht mich

 

könnte es sein,

dass wir

das Eigentliche verloren

vergessen

verdrängt haben?

könnte es sein,

dass wir unsere Wurzeln

abgeschnitten

unseren Grund verlassen

die Quellen zugeschüttet

haben?

könnte es sein,

dass wir gerade deshalb

so viel tun?

könnte es sein,

dass wir die Fragen

nicht mehr aushalten

und deshalb dauernd

Antworten geben?

könnte es sein,

dass wir die Leere

nicht mehr aushalten

und uns deshalb

so mit Bildern und Worten

anfüllen?

könnte es sein,

dass wir die Stille

nicht mehr aushalten

und deshalb

so laut geworden sind?

könnte es sein,

dass wir uns selbst

nicht mehr aushalten

und uns deshalb

so nach außen

orientieren?

könnte es sein,

dass wir vor lauter

Unter-wegs-sein

das Ziel aus den Augen

verloren haben?

könnte es sein…

 

vielleicht ist jetzt

etwas anderes angesagt

 

vielleicht müssen wir

den Teufelskreis

von Machbarkeit

von Leistung

und Tun

neu durchbrechen

um das zu finden

was wir wirklich suchen

damit unser Herz

ruhig wird

und unsere Sehnsucht

sich stillt

 

vielleicht ist jetzt

innehalten angesagt

Tempo herausnehmen

entschleunigen

sich neu orientieren

den Weg neu bestimmen

Abschied nehmen

vom Glauben  an die

Machbarkeit

vom Überzeugt-Sein

„alles hängt allein an mir“

vom Glauben

an die Götzen

Macht

Besitz

Leistung

 

vielleicht

ist Lassen angesagt

 

sich lösen

von vordergründig Wichtigem

 

sich lösen von

Erwartungen

Bildern

Ideen

 

um neu

hinzuschauen

hinzuhören

sich hinzugeben

in den Strom

der Lebendigkeit

in die Liebe Gottes

 

um neu zu sein

und neu zu werden

 

                (Andrea Schwarz)

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