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BIrgitta von Schweden (23. Juli)
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Die Kirche stellt
uns heute einen jungen Mann als Vorbild vor Augen, dessen Leben so ganz
anders verlief, als er es sich erträumt hatte.
Wir gedenken
des Seligen Karl Leisner, der im KZ Dachau zum Priester geweiht wurde
und als Märtyrer verehrt wird.
Nun, wenn wir heute an Märtyrer denken, haben wir oft
Bilder von Heiligen aus längst vergangenen Jahrhunderten vor Augen.
Menschen, die den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden oder auf
Scheiterhaufen starben.
Doch Karl Leisner ist ein Märtyrer unserer jüngeren
Geschichte. Er war ein junger
Sein Leben stellt uns heute eine radikale Frage:
Wie weit geht meine persönliche Nachfolge? Was bin ich bereit zu wagen,
wenn mein Glaube und meine Freiheit herausgefordert werden?
Doch wer war dieser Karl Leisner?
Geboren 1915 in Rees
am Niederrhein und aufgewachsen in Kleve, wuchs er in eine Zeit hinein,
die von extremen politischen Umbrüchen geprägt war.
Schon früh
spürte er eine tiefe Sehnsucht nach Gott. Er engagierte sich in der
katholischen Jugendbewegung.
Für Karl war der Glaube keine
verstaubte Pflicht, sondern ein Abenteuer. Er verbrachte Wochen mit
Jugendlichen auf Fahrt, sang, betete und redete mit ihnen über das
Evangelium. Sein Leitwort,
das er schon mit 13 Jahren in sein Tagebuch schrieb, lautete:
„Christus – du bist meine Leidenschaft!“
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen und
versuchten, die Jugend im Sinne ihrer menschenverachtenden Ideologie
gleichzuschalten, hielt Karl Leisner dagegen. Nicht mit politischer
Gewalt, sondern mit der Kraft des Evangeliums. Er formte Gruppen, in
denen junge Menschen Rückgrat lernten.
Nach dem Abitur im Jahre
1934
ging Karls Leisner zum Theologiestudium nach Münster. Er spürte immer
deutlicher den Ruf, Priester zu werden.
Der damalige Bischof von Münster,
der spätere Kardinal Clemens August Graf von Galen – selbst ein
unerschrockener Gegner des Regimes –, erkannte den Mut dieses jungen
Mannes und ernannte ihn zum Diözesan-Jungscharführer.
Wegen dieser
Tätigkeit wurde Leisner nun bereits von der Gestapo bespitzelt. Die
katholische Jugendarbeit war den Nazis ein Dorn im Auge.
Zwei Außensemester
verbrachte Leisner in Freiburg.
Im Sommer
1937 musste er sein Studium durch ein
halbes Jahr Reichsarbeitsdienst unterbrechen.
Am 19. März 1939 erhielt er in Münster die
Diakonenweihe. Bald danach begann Karl Leisners Leidensweg. Er erkrankte
an einer schweren Lungentuberkulose und kam in ein Sanatorium in St.
Blasien im Schwarzwald. Es war das erste große Kreuz in seinem Leben –
das Verharren-Müssen in der Stille, während draußen die Welt aus den
Fugen geriet.
Im November 1939, kurz
nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, schlug in München ein Attentat auf
Adolf Hitler fehl. Als Karl Leisner im Sanatorium davon hörte, entfuhr
ihm im Gespräch ein einziger, fataler Satz. Er sagte:
„Schade, dass er nicht dabei gewesen ist.“
Er meinte Hitler. – Ein Mitpatient zeigte ihn an. Noch am gleichen Tag
wurde er von der Gestapo verhaftet.
Aus der erhofften Genesung
wurde eine Odyssee durch Gefängnisse. Zuerst nach Freiburg, dann nach
Mannheim. Von dort kam er ins Konzentrationslager Sachsenhausen und
schließlich im Dezember 1940 Transport in die Hölle auf Erden: das
Konzentrationslager Dachau. Dort
kam er in den berühmt-berüchtigten „Priester- und Pfarrerblock“, wo
tausende Geistliche aus ganz Europa eingepfercht waren. Zunächst
arbeitete Leisner als Häftling Nr. 22356 in der Gärtnerei.
Die Bedingungen im Lager waren grausam. Hunger,
Kälte, Willkür und die schwere körperliche Arbeit ließen Karls
Tuberkulose wieder voll ausbrechen. Er spuckte Blut, hatte hohes Fieber
und lag monatelang auf der Krankenstation – abgeschnitten von der Welt,
geplagt von Schmerzen.
Karl war Diakon, sein größter
Lebenswunsch – die Priesterweihe – schien in unerreichbare Ferne
gerückt. Er schien am Ende zu sein. Doch genau in dieser Dunkelheit
ereignete sich das „Wunder von Dachau“.
Ende 1944 wurde ein französischer Bischof, Gabriel
Piguet, nach Dachau deportiert. Den gefangenen Priestern kam ein kühner,
lebensgefährlicher Gedanke: Wenn ein Bischof im Lager ist und ein Diakon
da ist – warum sollte der dann nicht zum Priester geweiht werden?
Unter den Augen der SS-Wachen, unter ständiger Todesgefahr, begann eine
beispiellose Aktion der ökumenischen und internationalen Solidarität.
Mitgefangene
schmuggelten heimlich die Erlaubnis des Heimatbischofs von Galen ins
Lager. Kommunistische Häftlinge organisierten im Lager-Arbeitsdienst
Holz, aus dem heimlich ein Bischofsstab geschnitzt wurde.
„Victor in Vinculis“ – „Sieger in Fesseln“
schnitzte ein Mithäftling auf den Stab. Ein jüdischer Häftling half, die
Gewänder zu organisieren.
Am 17. Dezember 1944, 3.
Advent, Sonntag Lätare, fand in der Baracke 26 die Priesterweihe statt.
Karl
Leisner, gezeichnet von der tödlichen Krankheit, empfing das Sakrament.
– Es ist die einzige Priesterweihe, die jemals in einem
Konzentrationslager vollzogen wurde. Ein französischer Bischof weihte
einen deutschen Diakon inmitten von Schmutz, Gewalt und Tod.
Es war ein triumphaler Sieg
des Geistes über die Unmenschlichkeit.
Karl feierte am zweiten
Weihnachtsfeiertag seine erste und einzige heilige Messe – seine Primiz.
Und man kann sich denken, welche Seligkeit und welcher Ernst, den
gesundheitlich äußerst angeschlagenen und geschwächten Häftling
erfüllte!
Völlig entkräftet erlebte Karl Leisner im April 1945
die Befreiung durch amerikanische Streitkräfte. Er war nur noch ein
Skelett. Freunde brachten ihn in ein Sanatorium nach Planegg bei
München. Er hatte den Terror überlebt, doch sein Körper war zerstört. Er
durfte noch einmal seine geliebte Mutter in die Arme schließen, doch
sein Erdenweg war zu Ende. Am 12. August 1945 erlag er seinen Leiden.
Seine letzten Tagebuchworte,
die er kurz vor seinem Tod schrieb, sind kein Klagelied, sondern ein
Testament der Liebe. Sie lauten:
„Segne auch, Höchster, meine Feinde! [...] Führe sie alle zur Umkehr
[...], dass alle Menschen sich als Brüder und Schwestern die Hände
reichen.“ – Nach Jahren der Folter und
des Leids hinterließ er kein Wort des Hasses, sondern ein Gebet um
Versöhnung.
Was fangen wir heute mit diesem Zeugnis an?
Karl Leisner zeigt uns, dass der Glaube keine
Schönwetter-Angelegenheit ist. Er zeigt uns, dass Christus uns gerade in
den Krisen, in den tiefsten Tälern unseres Lebens nahe ist.
Karl hat nicht auf seine eigenen Kräfte vertraut,
sondern auf die verwandelnde Macht der Liebe Gottes, die selbst Mauern
aus Stacheldraht durchbricht.
Er fordert uns heraus, in unserer heutigen Welt – in
der oft Polarisierung, Egoismus und Gleichgültigkeit herrschen –
Menschen des Friedens, der Versöhnung und des Mutes zu sein.
1996
hat Papst Johannes Paul II. Karl Leisner im Berliner
Olympiastadion zusammen mit Dompropst Bernhard Lichtenberg
seliggesprochen. Sein viel besuchtes Grab befindet sich in der
Märtyrerkrypta des Domes zu Xanten. Bitten wir um die Fürsprache des Seligen Karl Leisner. Bitten wir um den Mut – wie er – ein unerschrockenes „Ja“ zu Christus zu sprechen – in den hellen Tagen unseres Lebens ebenso wie in den dunklen Stunden.
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