geistliche Impulse

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Vortrag

von P. Pius Kirchgessner, OFMCap

 

Antonius von Padua (13. Juni)

 

Die Italiener nennen ihn einfach „il santo“, das heißt: „der Heilige“.

Aber auch über Italien hinaus ist der hl. Antonius einer der populärsten Heiligen.

In vielen Kirchen findet sich eine Statue von ihm.

Fast immer ist er dargestellt mit dem Jesuskind auf dem Arm und der Heiligen Schrift in der Hand.

Häufig gibt es auch einen Opferstock mit der Aufschrift „Antoniusbrot“. Das bedeutet, das Geld, das da hineingeworfen wird, ist für die Armen bestimmt.

Nach wie vor erfreut sich der hl. Antonius großer Beliebtheit und steht beim Kirchenvolk hoch im Kurs.

Viele Gläubige haben ein grenzenloses Vertrauen zu ihm.

Wenn sie etwas verloren haben (Geld, Schlüssel, Ausweis, Führerschein usw.) beten sie zum hl. Antonius, dass der Heilige ihnen beim Suchen helfen soll. Und viele berichten, dass er tatsächlich geholfen hat.

 

Wer ist dieser „Patron der Schlamper“, wie er scherzhaft manchmal genannt wird?

 

Antonius stammte nicht aus Padua, wie man meinen möchte, weil er hierzulande so genannt wird, „Antonius von Padua“, sondern aus Portugal. Er wurde als Sohn einer begüterten Adelsfamilie in Lissabon geboren.

Ursprünglich hieß er auch nicht Antonius, sondern Fernando.

Mit 15 Jahren trat er in den Orden der vornehmen Augustiner Chorherren ein.

Zunächst studierte er in Lissabon, dann in Coimbra.

 

In Coimbra ereignete sich 1220 die Episode, die eine entscheidende Wendung für sein Leben bedeutete:

Die Gebeine der fünf ersten Märtyrer des Franziskusordens wurden von Marokko nach Portugal überführt und kamen auch nach Coimbra. Antonius war beeindruckt und erschüttert von ihrem Beispiel, ihrem Bekennermut und ihrer Glaubenstreue.

 

Ihre Geschichte rief in dem 25 jährigen Fernando den Wunsch hervor, es ihnen nachzutun und selbst Missionar zu werden.

Deshalb entschloss er sich, den Orden zu wechseln und zu den viel ärmeren und strengeren Franziskanern überzutreten.

 

1220 trat er in das Kloster St. Antonius der Minderbrüder in Olivares bei Coimbra ein und nahm den Namen des Klosterpatrons an: Antonius. Er träumte davon, wie die fünf Märtyrer zu den Sarazenen zu gehen und sein Leben hinzugeben.

 

Auf seinen Wunsch hin wurde er nach Marokko geschickt. Doch er bekam einen empfindlichen Dämpfer. Kaum dort angekommen, brach er nämlich krank zusammen. Er hatte Malaria bekommen und musste nach einem längeren Krankenlager wieder die Heimreise antreten. Aber auch die Rückfahrt war nicht einfach. Starke Stürme verschlugen das Schiff an die Küste von Sizilien.

 

Es ist vieles ganz anders gekommen, als Antonius es sich gewünscht und gedacht hatte. Und doch erwies sich, dass Gott auch auf krummen Linien gerade zu schreiben vermag und dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.

 

1221 nahm er von Messina (Sizilien) aus am Generalkapitel der Franziskaner in Assisi teil und ist dort auch dem hl. Franziskus begegnet. Über 3000 Minderbrüder versammelten sich damals an Pfingsten in Portiunkula nahe bei Assisi zum sog. „Mattenkapitel“.

 

Antonius fiel nicht auf. Kaum einer nahm ihn war. Seine adlige Herkunft hatte er verschwiegen.

Schließlich nahm sich der Provinzial von Bologna seiner an, nahm ihn mit in seine Provinz im Norden Italiens und schickte ihn in ein kleines Bergkloster in der Nähe von Forli.

Dort tat Antonius die einfachsten und niedrigsten Dienste:

Kartoffel schälen, putzen, Holz holen, Wäsche waschen, abspülen…

Der hochbegabte und gelehrte ehemalige Augustinerchorherr tat alles im Geist der Dienstbereitschaft und Einfachheit des Herzens.

Täglich zog er sich in eine Höhle zur Meditation und zum Gebet zurück.

 

Bei einem Mahl nach einer Priesterweihe im Jahr 1222 fiel es ihm zu, vor dem Bischof und allen Anwesenden völlig unvorbereitet die Tischrede zu halten. Viel erwartete man sich nicht von dem „einfachen Küchenbruder“. Vielleicht war das ganze sogar eine Art Jux.

Doch ruhig und klar, aber mit großer Begeisterung sprach Antonius von der Erhabenheit des Priesterberufs.

Die Zuhörer kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Seine Ansprache offenbarte großes Wissen und Beredsamkeit, gleichzeitig aber auch inneren Reichtum und Tiefe.

Auch die Mitbrüder erkannten, was eigentlich an Begabung und Talent in ihm steckt. Hohe Intelligenz und erstaunliche Gelehrsamkeit, vor allem fundierte Kenntnis der Heiligen Schrift, vereinigte sich mit der Gotteserfahrung eines tiefen Mystikers.

 

Damit war Antonius‘ weiterer Weg besiegelt.

Der Provinzial beauftragte ihn mit der Predigttätigkeit.

Antonius war ein begnadeter Prediger. Die Menschen strömten in Scharen zu seinen Predigten.

 

Antonius war auch ein hervorragender Bibelkenner.

Es war als hätte er die Bibel immer aufgeschlagen im Kopf.

Man sagt von Antonius, dass er die gesamte Bibel hätte diktieren können, wenn sie verloren gegangen wäre.

 

Aus diesen Gründen war er wie kein anderer geeignet, um in Oberitalien und in Südfrankreich gegen die Irrlehre der Albigenser, Waldenser und Katharer zu wirken, die ganze Städte und Gebiete für sich eingenommen hatten und die ja auch von der Heiligen Schrift her argumentierten. Dazu kam sein radikal armer und anspruchsloser Lebensstil, den die Irrlehrer in der Nachfolge Christi ebenfalls einforderten. Das machte Antonius glaubwürdig und fähig, die sektiererischen Gruppen, die sich von der Kirche losgesagt und abgespalten hatten, zur Einheit der Kirche zurückzuführen.

 

Die Macht seiner Worte, sein enormes Wissen, dazu seine Liebenswürdigkeit und Echtheit – er lebte selbst, was er sagte und tat, was er predigte – das war es, was die Menschen an Antonius faszinierte und in Bann schlug.

 

1228 predigte er vor Papst Gregor IX. so grandios, dass der Pontifex ihn „arca testamenti“, „Schatztruhe der Heiligen Schrift“ nannte.

Allerdings, nicht immer war ihm Erfolg beschieden.

In Udine war er zum Predigen auf einen Baum gestiegen, die Menschen schrien aber so sehr, dass er aufhören und weiterziehen musste.

 

Bekannt ist die Predigt, die er der Legende nach in Rimini hielt, einer Stadt, wo die Katharer besonders großen Zulauf hatten und deren Einwohner fast alle ungläubig geworden waren. Auch da wollte man ihn nicht hören. Was machte Antonius?

Er ging an den Strand und predigte den Fischen.

Und die Fische des Meeres kamen, unzählige versammelten sich, streckten ihre Köpfe aus dem Wasser und klatschten mit ihren Flossen auf dem Wasser. Da strömten immer mehr Leute der Stadt herbei und staunten angesichts des Wunders, dass die stumme, vernunftlose Kreatur dem Antonius aufmerksam lauschte.

Antonius dankte Gott für alle Gnadengaben und dafür dass wenigsten die Fische Gott die Ehre erwiesen. Am Ende der Predigt machte er das Kreuzzeichen über die Fische und alle tauchten wieder unter.

Da gingen die Menschen von Rimini in sich und bekannten ihre Irrtümer. Mit reumütigem und zerknirschtem Herzen ließen sie sich zu Füßen des Heiligen nieder, auf dass er nun zu ihnen spreche. Und sie wurden neu gestärkt im Glauben, erfüllt mit großer Freude und Dankbarkeit und viele kehrten zum katholischen Glauben zurück.

 

Der hl. Franziskus erfuhr vom Eifer und dem segensreichen Wirken des Bruders Antonius. Er erkannte seine Tugenden und vertraute ihm die Ausbildung der jungen Mitbrüder an, die sich auf die Priesterweihe vorbereiteten. Zugleich wurde er zum Provinzial der Romagna, der zweitgrößten Ordensprovinz, ernannt.

 

Von Franziskus ist ein Brief an Antonius erhalten. Darin bringt der Ordensvater zum Ausdruck, dass er sich freut und es gut heißt, dass Antonius die Brüder in der Theologie unterrichtet, nur sollen sie darüber (vor lauter Studium) „den Geist des Gebetes nicht auslöschen, dem alle anderen zeitlichen Dinge dienen müssen.“

 

Antonius selbst war seinen Schülern ein lebendiges Beispiel, wie der Geist des Gebetes, der Zurückgezogenheit, der Armut und Demut nicht nur mit eifrigem Studium, kompetenter Fortbildung und seelsorglicher Tätigkeit verbunden sein kann, sondern wie diese sich gegenseitig befruchten, ja sich gegenseitig bedingen.

 

Die letzten Jahre, etwa ab 1228, verbrachte Antonius in Padua, wenn er nicht in Ordensangelegenheiten oder verkündigend unterwegs war.

Hier in Padua trat er auch engagiert für die Armen und Rechtlosen ein. Man erzählt, die Stadt sei durch Antonius völlig umgewandelt worden. Diebe und Räuber taten Buße, Wucherer gaben Zinsen zurück. Man erließ sogar ein Gesetz, dass Schuldner nur noch mit ihrem Besitz, nicht mit ihrem Leben haften mussten.

Problemen und Missständen in Gesellschaft und Kirche stand Antonius wach und kritisch gegenüber und forderte Recht und Gerechtigkeit.

In Padua waren es zuletzt bis zu 30000 Menschen, die seine Predigten hören und bei ihm beichten wollten.

 

Während seiner letzten Lebensjahre legte Antonius auch zwei Reihen von Predigten schriftlich nieder. Sie tragen den Titel „Sonntagspredigten“ bzw. „Predigten über Heilige“.

 

Antonius nahm wenig Rücksicht auf sich selbst und seine Gesundheit. Er verausgabte sich bis an die Grenzen des Möglichen. Völlig entkräftet starb er am 13. Juni 1231 im Alter von 35 Jahren. Seine letzten Worte waren: „Ich sehe meinen Herrn Jesus Christus!“

Schon in den Tagen vor und nach seiner Beisetzung geschahen Dutzende von Wundern.

 

Das Leben des hl. Antonius hatte solche Wirkung hinterlassen, dass er schon 11 Monate nach seinem Tod auf stürmisches Verlangen des Volkes, das ihn als großen Wundertäter verehrte, heiliggesprochen wurde.

 

Der Portugiese, aus dem ein Italiener geworden war, wurde ein Volksheiliger wie kein zweiter. Auch heute noch ist er ein Helfer in vielen Nöten und ein großer Fürsprecher in vielerlei Anliegen.

 

In Padua predigte er am liebsten aus einem Baum heraus.

Aber nicht das wurde sein Kennzeichen, sondern das Jesuskind auf dem Arm und die Heilige Schrift in der Hand.

So nahe wusste ihn die Menschen bei Jesus und Jesu bei ihm.

Die Heilige Schrift war seine Quelle. Daraus schöpfte er, daran orientierte er sich.

Das Wort Gottes war ihm Weisung und Licht für seinen Weg.

 

Bei manchen Darstellungen sitzt das Jesuskind sogar auf dem Evangelienbuch und der Heilige hält dann ein Kreuz oder eine Lilie in der Hand, Zeichen der Verbundenheit und Hingabe an Christus.

 

1946 wurde Antonius von Papst Pius XII. zum Kirchenlehrer erhoben und ihm der Titel verliehen: „doctor evangelicus“ – „evangelischer Lehrer“.

 

Gemessen an den Lebensjahren, stand Antonius keine lange Lebensspanne zur Verfügung. Doch sein Leben war ein kraftvolles Zeugnis für die Gegenwart und das Wirken Gottes.

Zutiefst in Gott verwurzelt und den Menschen zugewandt, lebte er in Treue seine Berufung.

 

Was er in einer Predigt einmal sagte, gilt auch für ihn selbst:

„Wenn du von der Güte Gottes kostest, dann denkt dein Herz heilige Gedanken. Wenn der Kristall vom Sonnenlicht getroffen wird, wirft er dessen Strahlen zurück. Das gilt auch für den Gläubigen, der vom Glanz Christi erleuchtet wird. Er wirft diesen Glanz zurück in seinen Worten und in seinem Beispiel, wodurch er auch seine Mitmenschen mitzureißen vermag.“