geistliche Impulse

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Predigt

von P. Pius Kirchgessner, OFMCap

 

Brief an Stephanus (26.12.)

 

Mein lieber Stephanus!

Ganz ehrlich: Ich habe große Achtung vor dir. Ich bewundere deine Treue, deine Tapferkeit und deinen Mut. – Dass du für Deinen Glauben gestorben bist, verdient allen Respekt.

 

Aber sag mal, muss das denn sein, dass wir die blutige Geschichte von deinem Sterben jedes Jahr ausgerechnet an Weihnachten hören? Kaum brennt der Weihnachtsbaum, kaum liegt das Christkind in der Krippe, da kommt auch schon die Geschichte von deiner Steinigung. Und es wird ernst, todernst. Jäh wird die weihnachtliche Idylle durchbrochen. Von wegen „Jingle bell“ und „süßer die Glocken nie klingen“.

 

Ok, vielleicht gibt es da ja eine Verbindung. Irgendwie hast du ja gelebt wie Jesus. Du bist ihm treu und konsequent gefolgt. Du bist ihm ganz ähnlich geworden.

Als Diakon der jungen Christengemeinde in Jerusalem hast du dich um die Armen gekümmert, hast für Witwen und Waisen gesorgt, hast dich – wie wir heute sagen – für soziale Gerechtigkeit eingesetzt.

Nicht nur das: Du hast auch mit Freimut den Glauben verkündet, die Botschaft von der Liebe Gottes, die Hand und Fuß bekommen hat in Jesus Christus. Es stimmt, du hast gelebt wie der, der an Weihnachten geboren wurde.

 

Noch mehr: Du bist auch gestorben wie Er: unschuldig verurteilt, gewaltsam umgebracht, aus tödlichem Hass. Mundtot wollten sie dich machen. Und warum? Weil du ihnen die Wahrheit gesagt hast. Und die haben sie nicht vertragen. Weil du ihnen ihre Selbstgerechtigkeit wie einen Spiegel vorgehalten hast.

„Da hielten sie sich die Ohren zu“, heißt es in der Apostelgeschichte. Das wollten sie nicht hören. Sie schäumten vor Wut, stürmten auf dich los und bombadierten dich mit Steinen. – Wie Jesus, so haben sie auch dir wegen Gotteslästerung den Prozess gemacht.

 

Lieber Stephanus,

du warst ein echter Jünger Jesu, geisterfüllt, aufrecht und unerschrocken. An dir kann ich mir eine Scheibe abschneiden.

Du hast gewusst, wofür du gelebt und gekämpft hast. Du hast Widerspruch, Schmach und Leiden nicht gescheut. Du bist treu geblieben bis in den Tod. Dein Ziel war der Himmel. Und der hat seine Arme geöffnet und dich aufgenommen.

 

Und noch etwas wird von dir berichtet: Dass du nämlich sterbend für deine Mörder gebetet hast. Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Auch da warst du wieder ganz nah bei Jesus, warst ganz so eingestellt wie er und hast aus seinem Geist gehandelt.

 

Ja, lieber Stephanus, das alles mag eine Rolle gespielt haben, warum der Bericht von deinem Martyrium – alle Jahre wieder – ausgerechnet heute vorgelesen wird.

 

Vielleicht sollten wir endlich begreifen, dass die Geschichte, die an Weihnachten so zart begann und die wir oft so rührselig feiern, dass diese Geschichte beim Kreuz, in Blut und Tod, geendet ist.

Vielleicht sollten wir begreifen, dass der Glaube an Christus Folgen hat, dass er eine riskante Sache ist. Glaube kostet was, unter Umständen sogar das Leben. Viele Gläubige in Ländern der Christenverfolgung können auch heute ein Lied davon singen.

Wie viele erleben gerade auch in diesen Weihnachtstagen Terror, Flucht und Angst statt Weihnachtsfrieden! Da passt es wunderbar, dass dein Fest heute gleichzeitig der Gedenktag für unsere verfolgten Glaubensgeschwister weltweit ist.

 

Lieber Stephanus,

weißt du, was ich mich frage, ob nicht wirkliches, echtes Leben aus dem Glauben auch heute und hier bei uns eine Herausforderung ist und seinen Preis hat? Ob es nicht auch in der Kirche hierzulande mehr Leidenschaft für Gott, größere Bereitschaft zum Zeugnis, tiefe Glaubensglut und unerschrockenen Bekennermut bräuchte?

 

Lieber Stephanus,

es ist gut, dass es Dich gibt. Und es ist gut, dass dein Fest an Weihnachten gefeiert wird. Denn das Kind von Betlehem, der Mann aus Nazareth, möchte keine Bewunderer, sondern Nachfolger. So gesehen, möchte ich dich an der Krippe nicht missen.

Du bist mir Leitbild und Ansporn für ein echtes, glaubwürdiges Christenleben.

 

Heiliger Stephanus,

du warst so mutig, so tapfer, so treu.

Ach Gott, du weißt, wie schwach und feig und lustlos ich manchmal bin.

Komm mir zu Hilfe! Reiß mich heraus aus aller Lethargie!

Rüttle an meiner Trägheit! Befreie mich von Feigheit, Angst und übertriebener Menschenfurcht! Gib mir Kraft und Mut!

Gib mir Sehnsucht ins Herz! Zeig mir den Weg zum Himmel!

Zeig mir den Weg zu Gott!