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Mit dem Blick Christi zurück in den Alltag Predigt am Exerzitien-Ende Freitag, 23. Woche im Jahreskreis; Lk 6, 39 - 42 |
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Evangelium Kann ein
Blinder einen Blinden führen?
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Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas In jener
Zeit
39sprach
Jesus in Gleichnissen zu seinen Jüngern: Kann etwa ein Blinder einen
Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen?
40Ein
Jünger steht nicht über dem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat,
wird wie sein Meister sein.
41Warum
siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem
eigenen Auge bemerkst du nicht?
42Wie
kannst du zu deinem Bruder sagen: Bruder, lass mich den Splitter aus
deinem Auge herausziehen!, während du selbst den Balken in deinem Auge
nicht siehst? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann
kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders
herauszuziehen.
Liebe Schwestern!
Am Ende der Exerzitien,
am Ende dieser Tage der Stille, des Gebets und der intensiven Begegnung
mit dem Herrn stehen wir heute Morgen an einem Übergang.
Und genau
in diesem Moment, an der Schwelle zurück in den Alltag, schenkt uns die
Liturgie ein Evangelium, das uns wie ein Spiegel vorgehalten wird. – Es
ist das Wort Jesu vom Splitter und vom Balken.
Auf den ersten Blick
mag dieses Evangelium für den Abschluss von Exerzitien fast ein wenig
ungemütlich wirken. – Jesus
spricht von blinden Blindenführern, von Heuchelei und von Fehlern, die
wir beim Nächsten bereitwillig sehen, bei uns selbst aber übersehen.
Doch
wenn wir tiefer hinhorchen, blickt uns aus diesen Worten kein drohender
Richter an, sondern ein liebevoller Meister, der uns heilen will.
Jesus geht
es um die Reinigung unseres Herzens und unseres Blickes.
„Kann ein Blinder einen Blinden führen?“, fragt Jesus. Wenn wir ehrlich
sind, kennen wir alle diese spirituelle oder menschliche Blindheit.
Wie schnell
meinen wir zu wissen, was für die Mitschwester gut ist.
Wie schnell
ertappen wir uns dabei, dass wir das Verhalten einer anderen beurteilen
oder gar verurteilen.
Jesus
lädt uns heute ein, innezuhalten. Er sagt
nicht, dass wir für das Wohl der anderen nicht mitverantwortlich sind.
Aber
er setzt eine klare Reihenfolge: „Zieh zuerst
den Balken aus deinem Auge; dann wirst du klar genug sehen, um den
Splitter aus dem Auge deines Bruders – oder deiner Schwester – zu
ziehen.“
Erst
wenn wir unseren eigenen „Balken“ – unsere
eigenen Grenzen, unsere Fehler und unsere Erlösungsbedürftigkeit – von
Gott anschauen und heilen lassen, gewinnen wir den klaren, liebevollen
Blick für die Mitschwester. Erst
dann sehen wir nicht mehr nur den „Splitter“ im Auge der anderen,
sondern wir sehen einen Menschen, der genau wie wir auf dem Weg ist. Liebe
Schwestern! Sie kehren
heute wieder in ihre Gemeinschaften zurück. Vergessen Sie nicht, dass
die Menschen, denen Sie heute oder in den nächsten Tagen begegnen, keine
Exerzitien gemacht haben.
Man
kennt sich natürlich. Man kennt die Stärken der anderen, aber man kennt
auch die Ecken, die Kanten, die wiederkehrenden Schwächen – die
„Splitter“.
Das heutige Evangelium
ist eine Einladung, mit dem Blick Christi in Ihren Alltag
zurückzukehren. Ein Blick, der nicht fixiert ist auf den Fehler, sondern
ein Blick, der tiefen Respekt vor der Geschichte und dem Weg der
Mitschwester oder Mitarbeiterin hat. Was nehmen
wir also mit aus diesen Exerzitien?
Erstens:
Die Kultur des liebevollen Hinschauens auf uns selbst. – Haben wir den
Mut, täglich vor den Herrn zu treten und ihn zu bitten:
„Herr, nimm du den Balken aus meinen Augen.
Heile meine Blindheit! Heile mich, wo ich lieblos, ungeduldig oder
voreingenommen bin.“
Zweitens:
Den geschwisterlichen Blick der Barmherzigkeit. Wenn wir der
Mitschwester begegnen, schauen wir zuerst auf das Wirken Gottes in ihr,
bevor wir den Splitter wahrnehmen. Das ist gelebte franziskanische
Geschwisterlichkeit. Das ist christliche Liebe.
Liebe Schwestern!
Der Herr hat
Ihnen in diesen Tagen der Exerzitien sicherlich das Auge des Herzens neu
geöffnet. Wenn Sie
gleich in dieser Eucharistiefeier Brot und Wein empfangen, dürfen Sie
IHM all Ihre Sehnsucht hinhalten.
Bitten wir den Herrn,
dass er ihren Blick füreinander und für die Menschen, zu denen sie
gesandt sind, Tag für Tag verwandelt. – Möge die Gemeinschaft, der
Konvent, zu dem sie gehören und zu dem sie heute wieder zurückkehren,
immer mehr zu einem Ort werden, an dem man einander hilft, klarer zu
sehen – nicht mit dem erhobenen Zeigefinger der Belehrung und der
Kritik, sondern mit der Hand der helfenden, franziskanisch-christlichen
Liebe. |
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