geistliche Impulse

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Predigt

von P. Pius Kirchgessner, OFMCap

 

Der Sämann und die Geduld Gottes

 zum Evangelium am 14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A; Mt 13, 1 - 9

 

Evangelium

Ein Sämann ging hinaus, um zu säen

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

1An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.

2Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer.

3Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen.

4Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es.

5Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;

6als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.

7Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.

8Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

9Wer Ohren hat, der höre!

 

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Das Gleichnis vom Sämann weckt wahrscheinlich in vielen von uns Erinnerungen. Einige von Ihnen stammen vielleicht vom Bauernhof und haben früher selbst in der Landwirtschaft gearbeitet. Sie wissen, wie sich Erde anfühlt. Sie wissen, wie viel Arbeit es macht, bis ein Feld bestellt ist. Und Sie wissen vor allem eines: Man braucht Geduld.

 

Jesus erzählt uns heute genau von diesem Bild. Ein Sämann geht aufs Feld und wirft den Samen aus. Damals ging man zu Fuß über den Acker und warf das Korn mit weitem Schwung aus der Hand. – Im Evangelium geschieht allerdings etwas Merkwürdiges. Der Sämann wirft den Samen überallhin. Nicht nur auf die perfekt vorbereitete Erde, wo zuvor gründlich umgegraben und geeggt worden ist. Und so kommt’s:

  • Einiges fällt auf den harten Weg – die Vögel fressen es.

  • Einiges fällt auf felsigen Boden – es keimt kurz und vertrocknet.

  • Einiges fällt in die Dornen – und wird erstickt.

  • Und einiges fällt auf gutes Land und bringt reiche Frucht.

Wenn wir dieses Gleichnis hören, fragen wir uns oft selbst: Was für ein Boden bin ich denn?

 

Vielleicht fühlen Sie sich in Ihrer aktuellen Lebenssituation – hier im Haus Bethanien – manchmal wie der harte Weg. Ausgetreten. Müde. Das Leben hat Spuren hinterlassen. Manchmal fühlt man sich innerlich trocken wie der felsige Boden. Die Kräfte lassen nach, der Körper schmerzt, und die Sorgen des Alters legen sich wie Dornen um das Herz.

 

Man fragt sich: Kann in meinem Leben überhaupt noch etwas wachsen? Kann ich noch „guter Boden“ sein, wenn ich doch auf die Hilfe anderer angewiesen bin?

Die wichtigste Botschaft Jesu in diesem Evangelium lautet: Schaut nicht nur auf den Boden! Schaut auf den Sämann!

 

Dieser Sämann ist Gott. Und Gott ist ein wunderbarer, fast schon verschwenderischer Sämann. Er spart nicht. Er rechnet nicht. Er sagt nicht: „Bei diesem Menschen lohnt es sich nicht mehr.“ Gott wirft seine Liebe, sein Wort und seinen Trost mit vollen Händen aus – in jedes Menschenleben, in jeden Tag. Auch in die Tage, die schwer sind. Auch in die Zimmer und Räume dieses Hauses.

 

Gott gibt uns nicht auf. Seine Liebe fällt auch auf die harten Wege unseres Lebens. Er weiß, was uns weh tut. Er kennt unsere Sorgen. Er weiß um die Einsamkeit, die einen manchmal überfällt. Und genau dort hinein sät er seine Zusage: „Ich bin da. Du bist kostbar für mich.“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Guter Boden“ zu sein, das bedeutet im Alter etwas anderes als in der Jugend. Sie müssen keine großen Leistungen mehr erbringen. Sie müssen die Welt nicht mehr verändern. Guter Boden zu sein, bedeutet jetzt einfach: Das Herz offenhalten.

 

Ein gutes Wort von der Pflegekraft annehmen. Ein Lächeln an den Tischnachbarn weitergeben. Ein stilles Gebet sprechen für die Kinder, die Enkel oder für die Mitschwestern und Mitbewohner hier im Haus.

 

Das sind die Früchte, die heute in Ihnen wachsen können: die Frucht der Dankbarkeit, der Geduld und des Gebets. Glauben Sie mir: diese Früchte sind für Gott unendlich wertvoll.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Gott verlangt von uns keine perfekte Ernte. Er schenkt uns das Korn. Vertrauen wir darauf, dass er auch heute in unseren Herzen etwas Gutes wachsen lässt – ganz leise, ohne Eile, in seiner großen Liebe.