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Jesus - da Lamm Gottes zum Evangelium 2. Sonntag im Lesejahr A; Joh 1, 29 - 34)
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EVANGELIUM Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes In jener Zeit 29sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. 30Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 31Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart ist. 32Und Johannes bezeugte: Ich sah. dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. 33Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.
Es gibt in
der Bibel Bilder, die sind für uns Menschen von heute leicht zugänglich
und recht gut verständlich, zum Beispiel wenn Jesus das „Licht der Welt“
genannt wird. Es gibt aber auch Bilder, mit denen wir uns eher schwer
tun. Heute
begegnen wir im Evangelium einem Bild, das uns einerseits ganz geläufig
ist, andererseits ist es uns heute aber auch ziemlich weit entfernt. Es ist das
Bild „Lamm Gottes“ – als Bezeichnung für Jesus. Einerseits ganz
vertraut, weil wir es oft benutzen, andererseits aber unserer Lebenswelt
heute ziemlich fremd. Was meint die
Bibel, was meint die Kirche, was meinen wir, wenn wir Jesus als „Lamm
Gottes“ bezeichnen? Ein Zugang
erschließt sich uns vom Alten Testament her. Lämmer spielten dort im
Opferkult eine wichtige Rolle. Sie wurden regelmäßig als Opfergabe im
Tempel dargebracht.
Am jüdischen
Pesach-Fest schlachtete jede Familie ein Lamm. Und am Versöhnungstag
praktizierten die gläubigen Juden ein großes Sühneritual, bei dem ein
Bock stellvertretend für die Sünden des Volkes Israel sein Leben lassen
musste. Immer war das
Opfer des Lammes ein Zeichen und Mittel für die Befreiung von Schuld. –
Sowohl das Alte Testament als auch andere Religionen waren davon
überzeugt, dass solche Opfer nötig seien, um Gott gnädig zu stimmen, um
seinen Zorn über die Sünden und Verfehlungen der Menschen zu
besänftigen, ja um sich loszukaufen durch eine besondere Gabe. Nach dem Tod
und der Auferstehung Jesu gelangten die ersten Christen zu einer neuen
und entscheidenden Einsicht: Alles dies war nun nicht mehr nötig. Es
brauchte keine Lämmer und keine Opfer mehr, um auf diese Weise die
Vergebung der eigenen Sünden – und damit Versöhnung mit Gott – zu
erwirken. Denn Jesus Christus nimmt die Sünden hinweg und befreit von
aller Schuld. Nicht der
Mensch muss sich die Vergebung seiner Schuld mühsam schaffen – Gott
bietet sie ihm an, Gott schenkt sie ihm in Jesus Christus. An die Stelle
des eigenen Tuns tritt das Empfangen, an die Stelle der eigenen Leistung
Gottes Gnade, an die Stelle der vielen Lämmer das eine Lamm Gottes. –
Wenn die Urkirche nach Tod und Auferweckung Jesu dieses Bild prägte,
wollte sie auf diese Weise eine echte Frohbotschaft zum Ausdruck
bringen. Der
Evangelist Johannes stellt die Rede vom Lamm Gottes – gleichsam als
Programm – dem Leben und Wirken Jesu voran. Schritt für Schritt wird
sich erschließen, was dieses Bild aussagt und bedeutet. Schritt für
Schritt wird sich zeigen, in welcher Weise das Leben Jesu dem eines
Lammes gleicht. Damit ist zugleich jetzt schon ein gewaltsamer Tod im
Blick. Matthias
Grünewald hat dieses Motiv in der Kreuzigungsszene des Isenheimer Altars
aufgegriffen: Dort hat er den Täufer – der in Wirklichkeit vor Jesus
umgebracht wurde – bewusst neben das Kreuz gestellt. Er zeigt mit langem
Finger auf Jesus, den Gekreuzigten. Zu seinen Füßen steht das Lamm,
dessen Blut in den Messkelch fließt. Vielleicht
ist uns das Bild vom Lamm Gottes heute fremd geworden. Die Aussage, die
damit verbunden ist, hat nach wie vor etwas ungeheuer Befreiendes an
sich. – Und darum haben die Worte „Lamm Gottes, du nimmst hinweg die
Sünde der Welt“ in Anlehnung an das heutige Evangelium ihren festen Ort
in jeder Eucharistiefeier.
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