Exerzitien mit P. Pius

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In Erwartung des Heiligen Geistes

(Apg. 1, 12 - 14) 

Was machen die Apostel, die Jünger Jesu, nach der Himmelfahrt?

Jesus hatte ihnen ja seine Gegenwart zugesagt: „Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Und er hatte ihnen den Heiligen Geist versprochen, den Tröster, den Beistand. Sie sollten sich nicht allein gelassen fühlen.

Und er hatte sie in seine Sendung mit hinein genommen:

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“

Ihr sollt meine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erde!“

 

Jesus hatte sie ja schon einmal ausgesandt in die Städte und Dörfer, zu zwei und zwei. Damals sollten sie bewusst nicht zu den Heiden gehen, sondern zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Jetzt ist ihre Sendung nicht mehr beschränkt auf Israel. Sie ist groß, sie ist weltweit.

Der Auftrag, den die Apostel vom Auferstandenen bekommen haben, hat universalen Charakter: „Geht in alle Welt!“

Das Heilswerk, das Jesus begonnen hat, sollen die Apostel weiterführen. Ihr Leben soll fortan ganz in diesem Dienst stehen. „Macht alle Menschen zu meinen Jüngern...!“

 

Wie verhalten sich die Apostel? Wie reagieren sie auf diesen umfangreichen, universalen Sendungsauftrag?

  1. Hätten sie nicht resignieren und auseinanderlaufen können angesichts dieser riesengroßen Aufgabe? „Geht zu allen Völkern!“ Ist das nicht eine Überforderung? Wie sollen sie das fertigbringen, diese kleine Schar, Leute ohne Welterfahrung, ohne entsprechende Ausbildung, ohne Examen und Pastoralprüfungen, ohne Fremdsprachen zu können, ohne machtvolle Beziehungen zu haben? Sie sollen eine Welt bewegen? Aufgaben, denen man sich nicht gewachsen fühlt, können ja auch ängstigen und lähmen. – Ja, die Jünger hätten resignieren und auseinanderlaufen können.

  2. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, dass sich die Jünger nach den umwerfenden und unglaublichen Erfahrungen mit Jesus, voller Elan ins Zeug gelegt und mit Begeisterung sich gleich hineingestürzt hätten in ihre Sendung, in ihren Auftrag, dass sie sofort und voll Eifer losgezogen wären, nach dem Motto: Es ist viel zu tun, auf, packen wir’s an, ran an die Arbeit, die Aufgaben drängen: verkündigen, missionieren, Menschen bekehren, Caritas organisieren, Gemeinden gründen, Ämter verteilen, Kirche aufbauen! Nur keine Zeit verlieren!

  3. Die Apostel hätten auch, wie wir es wohl getan hätten, zunächst einmal eine Krisensitzung abhalten können, eine Synode einberufen, dann eine Sondersynode; schließlich Kommissionen bilden, um zu diskutieren, wie es denn nun weitergehen soll, was zu machen sei, welche Strategie die beste sei und welche Art von Werbefeldzug für die Sache Jesu wohl am wirksamsten und Erfolg versprechendsten.

 

Wie verhalten sich die Jünger? Wie reagieren sie tatsächlich?

Die Lesung aus der Apostelgeschichte sagt es uns:

Sie gehen nach Jerusalem, dorthin, wo Jesus vor seinem Leiden und Sterben das letzte Abendmahl gehalten hat, in das Obergemach, wo er ihnen dann nach seinem Tod durch verschlossene Türen hindurch erschienen ist, wo sie ihm, dem Auferstandenen begegnet sind, wo sie mit Freude erfahren haben: er lebt und hat Sünde und Tod besiegt.

 

Dorthin gehen sie und verharren einmütig im Gebet.

  • kein Resignieren, kein Aufgeben, kein Auseinanderlaufen angesichts der großen Aufgabe.

  • auch keine hektische Betriebsamkeit, kein überstürzter Aktionismus, kein blindes Losstürmen und Herumfuhrwerken.

  • auch kein Krisenmanagement, keine Strategiediskussionen, keine Planungskonferenzen.

 

„Sie verharren einmütig im Gebet.“

Die Jünger Jesu setzen vor die Aktion die Meditation.

Vor der Sendung kommt die Sammlung, vor dem Tun das Gebet, vor der Mission die Kontemplation, vor dem Handeln das Händefalten, vor dem beherzten Zupacken das Erheben des Herzens.

 

„Sie verharren einmütig im Gebet.“

Lukas sagt nicht einfach: „Sie beteten“, sondern „sie verharrten einmütig im Gebet“. „Verharren“ hat etwas mit durchhalten, mit aushalten zu tun. Beharrlich dran bleiben. Sie verharren im Gebet. Sie beten ganz intensiv, wach, geduldig und ausdauernd.

 

Und „einmütig“. Mehrmals taucht in der Apostelgeschichte dieses Wort auf. Ein-mütig, eines Mutes, einträchtig! Ohne diese Einmütigkeit, ohne diesen Zusammenhalt wären die ersten Christen schnell am Ende gewesen. Der eine Mut nährt sich nicht von endlosen Debatten und Diskussionen, sondern von einer ganz anderen Kraftquelle, nämlich der des Gebetes.

Die Jünger Jesu sind sich eins in der Erkenntnis, dass sie das Wesentliche nicht machen können, dass es ihnen von oben geschenkt werden muss.

Im gemeinsamen Gebet aber wächst eine Verbundenheit. In die hinein kann dann der Pfingstgeist wirken, der Atem Gottes, wie eine kräftige Flamme.

 

Lukas erwähnt auch die Frauen. Sie gehören ganz selbstverständlich zur vorpfingstlichen Urgemeinde.

Besonders hervorgehoben wird Maria. Ohne ihr Ja-Wort, ohne ihr Mitwirken, hätte Jesus sein Werk nicht schaffen können.

Ich bin überzeugt: Sie, die Mutter Jesu, hat ganz entschieden zur Einmütigkeit im Gebet beigetragen. Sie hat ja in der stillen Kammer von Nazareth die Herabkunft des Heiligen Geistes schon einmal erlebt: „Heiliger Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten...“

 

Liebe Mitchristen!

Man redet heute viel davon, dass die Kirche sich modernisieren müsse. Sie müsse demokratischer werden. Strukturen müssten geändert und neue Formen gefunden werden. Die Kirche müsse besser für ihre Sache werben, sie müsse sich besser verkaufen.

 

Das mag richtig sein. – Doch manchmal scheint mir, dass man den zweiten Schritt vor dem ersten machen möchte.

Gewiss, es geht nicht ohne Sitzungen und Konferenzen. Es geht auch nicht ganz ohne Verwaltung. Beratungen müssen sein, Organisation muss sein. Es braucht Besprechungen und Entscheidungen. Ganz klar! Es gibt in der Tat ein Problemstau in unserer Kirche heute. In vielen Bereichen besteht Handlungsbedarf.

 

Doch der erste Schritt am Beginn der Kirchengeschichte war das Gebet, das Sich-öffnen auf Gott hin. Ich glaube, dass darum auch der zweite Schritt so gut gelungen ist. Voll Eifer, tapfer und unerschrocken sind sie hinausgegangen in alle Welt, haben keine Mühen gescheut, haben viele Strapazen auf sich genommen, haben Kopf und Kragen riskiert für die Sache Jesu und nicht wenige haben ihr Blut vergossen als Zeugen des Glaubens.

 

Wir wünschen uns die Kraft der jungen Kirche, ihren Mut, ihre Hoffnung, die Aufbruchsstimmung von damals, die Glaubensoffensive der ersten Christen, ihre Begeisterung und den missionarischen Schwung. Wir wünschen uns eine neue, mitreißende Verkündigung des Evangeliums, eine tiefgreifende, am Glauben orientierte, spirituelle Erneuerung, die nicht nur einzelne, sondern die Kirche insgesamt erfasst.

 

Vergessen wir aber nicht: Damals gingen Tage des Gebetes voraus, Tage der Sammlung und Stille, des Wartens, des Sich-Öffnens für den verheißenen Hl. Geist. Große Dinge bereiten sich immer in der Stille.

 

Wir können lernen: Erstwichtig ist das Gebet. Es hat Vorrang. Dem Gebet, dem Gottesdienst sollen wir nichts vorziehen.

Gott kann nur dann durch uns in die Welt hinein wirken, wenn wir uns seinem Geist öffnen. Und das geschieht vornehmlich im Gebet.

 

Lothar Zenetti hat unter der Überschrift „Pfarrgemeinderat“ einmal folgendes geschrieben: „Von Programmen sprachen wir und Tagesordnungspunkten, von Aktionen sprachen wir und von Sofortmaßnahmen, von Modellen sprachen wir und neuen Perspektiven, von Problemen sprachen wir und Meinungsäußerungen, von Strukturen sprachen wir und von Ge­meindebildung. Von Jesus Christus sprachen wir nicht. So hing er still am Kreuz von Oberammergau.“

 

Fragen wir einmal, jede und jeder sich selbst:

Auf Kosten wovon vermindern wir immer wieder die Zeit für das Gebet, für die Stille, die Schriftlesung, die Meditation, den Gottesdienst?

Ist es nicht unsere hektische Betriebsamkeit? Ist es nicht unser ruheloser Aktivismus? – Wir sind ständig auf Trab, in action, eingespannt und darum angespannt. Wir sind total in Anspruch und in Beschlag genommen von vielen Pflichten, Aufgaben und Terminen. Jede Minute ist verplant. Oft über den Feierabend hinaus. Auch das Wochenende ist belegt. Da muss man dieses noch und jenes.

Und was bleibt auf der Strecke? Die Besinnung, das Gebet, das Ausruhen bei Gott, das Atemholen der Seele. Das kommt zu kurz. Da wird am schnellsten abgezwackt oder es fällt ganz aus.

 

Verstehen Sie mich nicht falsch: Aktion gehört unbedingt zur Nachfolge Christi. Keine Frage! Nur sie muss vorher im Gebet, im Hören auf Gottes Wort ihren Grund gefunden haben. Es geht um die Reihenfolge und die Rangfolge.

 

Das zeigen uns die Apostel im Obergemach von Jerusalem: Meditation kommt vor Aktion, Empfangen kommt vor Geben, Sammlung vor Sendung.

Was wir glaubend, hörend, betend empfangen, ist wichtiger als das, was wir selbst produzieren, schaffen und machen.

 

Wir sind eingeladen, uns auszustrecken nach oben, uns zu öffnen für die Gaben Gottes, für seinen Leben spendenden Geist.

Wir sind eingeladen, uns erfüllen und durchdringen zu lassen von Gottes Freude und Frieden, von seinem Licht und seiner Kraft, von seiner Gnade und seinem Segen.

Wir sind eingeladen, uns von Gott beschenken und lieben zu lassen.

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