Exerzitien mit P. Pius

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Geschichte vom verlorenen Paradies

(zum Fest Mariä Empfängnis - Gen 3, 9 - 15.20)

Immer wieder werden Menschen in Unglücke verwickelt.

Nicht selten gibt es irreparable Totalschäden an Gebäuden und Fahrzeugen.

Derartige Verluste sind noch zu verkraften. Wenn jedoch Personen verletzt werden, wenn Menschen zu Schaden kommen oder gar zu Tode, dann ist der Schmerz und der Jammer groß.

 

Unsere Welt ist voller Schäden. Und in jedem Leben gibt es Wunden, Risse, Scherben. Mit einem Wort: Unheil und Leid!

 

Manches, was in Brüche geht, lässt sich wieder reparieren.

Scherben lassen sich unter Umständen wieder zusammenkitten.

Für viele Sachschäden kommt die Versicherung auf.

 

Aber es gibt auch seelisches Leid.

Und durch seelisches Unglück werden mehr Menschen geschädigt als durch Verkehrsunfälle.

Seelische Wunden heilen und vernarben oft nicht so schnell wie körperliche. Und immer wieder können sie anfangen zu bluten.

 

Unsere Welt blutet aus vielen Wunden.

Niemand wird behaupten, dass wir in einer heilen Welt leben.

Und es gibt wohl kaum jemanden, dem nicht dieses oder jenes zu schaffen macht.

Und selbst wenn jemand meint, sein Leben sei auf Rosen gebettet, wird er über kurz oder lang merken, dass die Rosen Dornen haben.

 

Nicht wenige sehen ihr Leben wie einen Teufelskreis. Es kommt ihnen verkorkst vor, chaotisch. Sie sagen: da ist der Wurm drin. Das Böse scheint mächtig am Werk zu sein. Die Narben der Schuld, die Stigmata der Sünde sind überall sichtbar.

 

Die Theologie sagt:

Alle Menschen sind von der Sünde infiziert. Es gibt einen Unheilszusammenhang, eine universale Unheilssituation, von der niemand ausgenommen ist.

Doch die durch die Erbsünde verzeichnete und pervertierte Welt entspricht nicht dem ursprünglichen Konzept Gottes von der Welt und vom Menschen in ihr.

 

Die Erzählung vom Sündenfall (Gen 3, 9 - 15.20) gehört zu den Urgeschichten der Bibel.

Sie gibt Antwort auf die Frage, woher kommt das Böse, das Leid, die Mühsal, die Not und der Tod.

Ist das alles ein Konstruktionsfehler des Schöpfers?

Die Bibel sagt klipp und klar: Nein!

 

Die Zerrissenheit der Welt, alle Gebrochenheit des Menschen kommt nicht von Gott.

Am Anfang war alles gut.

Der Mensch war Partner Gottes.

Er hatte als Ebenbild Gottes eine einzigartige Würde.

Er besaß alles Notwendige in Fülle. Das Leben war paradiesisch.

„Gott sah, dass alles gut war.“

 

Doch der Mensch wandte sich ab von Gott.

Er sagte sich los von ihm.

Er entschied sich in seiner Freiheit gegen Gott.

Er entschied sich für das verlockende Sein-wie-Gott.

Verblendet und verführt, suchte er alle Herrlichkeit und Erfüllung statt in Gott in sich selbst.

 

Das ist die Ursünde.

Durch sie kommt alle Zerrissenheit und Gebrochenheit, alle Störung und Unordnung.

Das Böse nistete sich ein in der Welt. Und kein Mensch ist davor gefeit.

Diesen Unheilszusammenhang nennen wir Erbsünde.

 

Wie kann der Mensch die Freundschaft mit Gott, die er im Ungehorsam verlor, wieder erlangen?

Wie kann die Zerrissenheit der Schöpfung, die der Mensch verursacht hat, wieder hergestellt werden?

Wie kann das Zerbrochene wieder heil und ganz werden?

 

Die Antwort kann nur lauten:

Durch Umkehr und Gehorsam.

Der Mensch muss seine Blickrichtung wieder ändern.

Er muss sich wieder auf seinen Ursprung besinnen.

Er muss zu Gott, zum Leben zurückkehren.

Dann wird ihm Heil zuteil.

 

Das Heil wird ihm zuteil.

Es ist viel mehr Geschenk als Leistung.

Es ist viel mehr Gnade als Verdienst.

Der Mensch kann seine Gebrochenheit nicht selbst heilen.

Er kann und muss mitwirken.

Die Rettung aber kommt von Gott.

 

Unser Dasein bleibt nur dann „elend“, wenn wir uns verweigern,

wenn wir uns dem Licht und der Gnade verschließen,

wenn wir auf die falsche Karte setzen,

wenn wir auf die Stimme des Bösen hören, statt uns dem Guten zu zuwenden,

wenn wir eigene, selbstherrliche Wege gehen, statt die Wege Gottes,

wenn wir nicht denken, was Gott will, sondern was die Menschen wollen,

wenn wir uns verhärten und an uns selbst genug haben.

 

Dass Gott uns heilen will in der Wurzel unserer Existenz, das ist die Botschaft der Bibel.

Auch der sündige Mensch bleibt in der Hand des gnädigen Gottes.

Gott hört nicht auf, dem Verlorenen nachzugehen und dem Sünder seine Hand entgegenzustrecken.

 

„Gottes Gedanken“, so heißt es in einem Psalm, „gehen von Geschlecht zu Geschlecht, ihr Leben dem Tod zu entreißen und sie zu nähren in ihrem Hunger.“

 

Wie ein Freudensignal klingt der Satz durch die Erzählung vom Sündenfall:

„Feindschaft will ich setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs. Er wird dir den Kopf zertreten.“

 

Dieser Satz ist „UREVANGELIUM“.

Er ist wirklich „Frohe Botschaft“, ein Wort der Hoffnung. Er weist hin auf künftiges Heil.

 

Frohe Botschaft,

weil Gott selbst, trotz allem Bösen und gegen alles Böse, aus der unheilvollen Situation einen Weg zeigt, weil mitten im Strafspruch über unsere Stammeltern das göttliche Erbarmen durchscheint, ein Morgenrot der Hoffnung.

 

Ein Lichtschimmer dringt herein in das Dunkel der Sünde.

Die Situation ist nicht ausweglos. Sie ist nicht total verfahren.

Es gibt Rettung. Der Verlust des Paradieses ist bei Gott kein irreparabler Totalschaden.

 

Gott lässt den Menschen nicht fallen.

Immer wieder bietet er seinen Bund an.

Er schickt Propheten. Er lehrt durch sie, das Heil zu erwarten.

Es ist Gott ganz viel daran gelegen, dem Menschen neu seine Nähe und Freundschaft schenken.

 

Die erste Frohbotschaft der hl. Schrift weist hin auf den kommenden Erlöser.

Der Sieg des Bösen ist nicht endgültig.

Einer wird kommen und den Kopf der Schlange treffen.

Er wird dem tödlichen Unsinn ein Ende machen und den Menschen eine neue Zukunft eröffnen.

 

Das Wort der Hoffnung in der Sündenfallgeschichte verheißt einen Sieger, gleichsam einen zweiten Adam, der das Heil bringt für alle.

Gott selbst wird kommen und uns retten, uns herausführen aus aller Not, uns befreien von Sünde und Schuld.

 

Wir Christen glauben:

Jesus ist der von Gott gesandte Retter und Heilsbringer.

Er hat durch seinen Tod am Kreuz die ursprüngliche Freundschaft zwischen Gott und Mensch wieder hergestellt und so „der Schlange den Kopf zertreten“.

Er hat als Lamm Gottes die Schuld der Welt getragen, alle Sünde auf sich und hinweggenommen.

 

Jahrtausende wartete die Menschheit auf diesen Erlöser.

Durch das ganze AT klingt immer wieder die Verheißung auf:

Einer wird kommen, der stärker ist als die Schlange; einer, der die Macht besitzt, die Menschheit aus der Umklammerung der Sünde zu befreien.

 

Immer heller durchstrahlt den dunklen Advent des AT die Hoffnung auf Rettung.

Immer deutlicher wächst aus der Nacht die Lichtgestalt empor, die Gott als Morgenröte, als Stern der Hoffnung über das verschlossene Tor des Paradieses setzte:

„Seht, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären…“

Gott holt die Menschen aus dem Kreislauf des Bösen.

 

In Maria hat er damit begonnen.

Maria war keine Stunde und keine Sekunde in Schuld verstrickt.

Gott hat sie im Hinblick auf seinen Sohn auf einzigartige Weise ausgezeichnet, beschenkt, begnadet.

 

Maria: ein Lob der Gnade Gottes.

Er hat sie von Anfang an vor jeder Sünde bewahrt.

Maria: das reinste und wenn man will „gelungenste“ Geschöpf, die Immaculata, die neue Eva.

 

Der Immanuel, der „Gott mit uns“ wird geboren von ihr,

die nicht wie Eva den Tod, sondern das Leben gebiert,

die nicht Unheilsträgerin ist, sondern Heilsträgerin,

nicht Mutter der Schuldbeladenen, sondern Mutter des Erlösers und Ersterlöste von allen Erlösten.

 

Unheil brachte das frevlerische Nein unserer Stammeltern gegenüber Gott.

Heil brachte das Ja der Gottesmutter.

 

Unheil brachte der Ungehorsam gegenüber Gottes Ordnung.

Heil brachte der Gehorsam und Demutssinn Mariens, ihre radikale Orientierung am Willen Gottes: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“.

 

Nicht die Strafe ist das letzte Wort im Sündenfall, sondern die Verheißung.

Das ist die erste Frohe Botschaft, die Ur-kunde aller Verkündigung:

Gottes Liebe und sein Erbarmen triumphiert über alle Sünde.

Seine Gnade ist größer als alle Schuld.

 

Mit dem Jawort der Jungfrau von Nazareth setzte Gott einen neuen Anfang.

Es ist wie ein neuer Morgen: hell und klar, voll Verheißung und ohne Bedrohung, voll Licht und ohne Dunkel.

 

Maria ist die Morgenröte des Heils. Sie ist nicht selbst das Heil. Aber sie hat den Heiland geboren. „Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, Christus der Herr.“

 

Für uns ist Maria ein Zeichen des Trostes und der Hoffnung:

Seit Ewigkeit sind wir erwählt als Kinder Gottes zu leben.

 

Er will auch unsere Gebrochenheit heilen.

Er will uns befreien aus der Umklammerung der Sünde.

Größer als alle Schuld ist seine Liebe.

Größer als die Sünde ist seine Barmherzigkeit, seine Gnade.

 

Natürlich ist unsere Erde und unsere Geschichte nicht schon wieder Paradies. Das sehen und erfahren wir jeden Tag.

Das Böse sucht immer wieder Fuß zu fassen in unserem Herzen, in unserem Leben, im Gefüge der Menschheit.

 

Wir sind jedoch nicht hilflos in den Teufelskreis hineingeboren.

Seine erste Bruchstelle hat dieser bekommen als Maria in der Freiheit ihres Herzens und mit der ganzen Hingabe ihres Wesens ihr Fiat sprach. „Mir geschehe nach deinem Wort.“

 

In Maria dürfen wir den Menschen erkennen, wie Gott ihn sich gedacht hat, völlig unverdorben, vollkommen schön, vollständig durchsichtig für Gott. Maria: die immaculata conceptio Gottes.

 

Erlösung ist seitdem nicht mehr nur Verheißung. Sie hat schon begonnen. Sie ist allerdings noch nicht zu Ende.

Die Fleischwerdung des Heiles Gottes geht weiter.

 

Im 4. Hochgebet spricht der Priester die Bitte aus:

„Wenn die ganze Schöpfung von der Verderbnis der Sünde und des Todes befreit ist, lass uns zusammen mit ihr dich verherrlichen in deinem Reich.“

 

Die Rettung, die Maria durch ihr Jawort ermöglichte und die Jesus uns gebracht hat, muss auch heute in die Welt kommen, und zwar über uns.

Sagen Sie es selbst: Über wen sonst soll Gottes Heil und Segen heute in die Welt kommen, wenn nicht dadurch, dass wir selbst ein Segen sind, achtsam, heilvoll und liebevoll miteinander umgehen.

„Liebe ist nicht nur ein Wort. Liebe, das sind Worte und Taten.“

 

Maria ehren heißt:

nicht nur Maria loben und preisen und Gott danken für ihre Erwählung.

Zum Lob des Mundes muss das Lob des Lebens kommen!

 

Maria ehren heißt:

versuchen, wie Maria zu leben,

sie nachzuahmen in ihrer Gesinnung und Haltung,

offen zu werden – wie sie – für die Pläne und Absichten Gott mit uns,

ja sagen zu dem, was Gott mit uns vorhat,

treu der eigenen Berufung entsprechend leben,

im Vertrauen auf Gott leben.

 

Maria ehren heißt:

bestrebt sein – wie sie – Instrument Gottes zu sein,

Diener, Dienerin des Allerhöchsten,

Werkzeug des Friedens, Zeuge der Wahrheit,

Bote, Botin seiner Liebe.

 

Maria,

du voll der Gnade,

du Rose ohne Dornen,

du Makellose,

du Ursache unserer Freude.

Mit dir preisen wir Gott und danken ihm,

der so Großes an dir getan hat.

Sein Name ist heilig und werde von uns geheiligt.

Er bewahre uns vor Verwirrung und Sünde

und erlöse uns von allem Bösen.

 

Bitte für uns, hl. Gottesmutter, bitte für uns Sünder,

auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

 

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