Exerzitien mit P. Pius

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Don Bosco

(31. Januar)

Es war im Jahr 1855. Ein Turiner Priester hatte 300 Sträflingen der staatlichen Zwangeserziehungsanstalt Exerzitien gegeben.

Bis auf einen hatte er alle jugendlichen Häftlinge für den Empfang der heiligen Sakramente gewonnen. Das erscheint heute wie ein Wunder. Dafür wollte der Priester die inhaftierten Jugendlichen mit einem Tagesausflug belohnen. Die Jugendlichen sollten wenigstens einen Tag außerhalb der tristen Gefängnismauern erleben.

Der Gefängnisdirektor sieht sich außerstande, ihm diesen Wunsch zu erfüllen und verweist ihn an den zuständigen Minister. Der gute Minister schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und fragt, wie er sich das vorstellt. Er allein, mit 300 unbewachten jugendlichen Straftätern. Trotzdem geschieht das zweite Wunder. Der Minister gibt nach langem Zögern die Erlaubnis. – Und  zuletzt folgt das dritte Wunder. Nach einem schönen Tagesausflug in der Freiheit kehren alle 300 Jugendlichen in ihre Gefängniszellen zurück.

 

Dieser Priester war Johannes Bosco. Geboren ist er als Sohn armer Bauersleute am 16. August 1815 in Becci, einem kleinen Dorf in der Nähe von Turin. Mit zwei Jahren stirbt sein Vater. Die Mutter muss allein auf dem kleinen Bauernhof den Unterhalt für die Familie dem kargen Boden abringen. Johannes Bosco erlebt eine entbehrungsreiche Kindheit und Jugend. Die Familie ist bitter arm. Aber Margareta verzweifelt nicht. Die Mutter schenkt ihren Kindern das, was sie hat: ihre Liebe. Sie besitzt einen tiefen Glauben und ein großes Vertrauen in die Liebe Gottes und seine Hilfe. Diesen Glauben pflanzt sie ihren Kindern ein.

 

Als Johannes neun Jahre alt ist, kommt es zu einem entscheidenden Ereignis in seinem Leben. Er hatte einen Traum, der ihm seine Berufung aufzeigte und sein ganzes weiteres Leben bestimmen und prägen sollte.

 

Er sah im Hof eines Hauses eine große Kinderschar spielen. Die einen tollten fröhlich herum, andere waren vertieft in ihr Spiel, einige Kinder aber standen etwas abseits und fluchten. Der neunjährige Johannes möchte am liebsten auf die fluchenden Kinder dreinschlagen. Da erscheint ihm ein vornehm gekleideter Mann, dem er nicht ins Gesicht schauen kann, weil sein Antlitz wie die Sonne leuchtet.

Der Geheimnisvolle ruft ihn beim Namen und befiehlt ihm, sich an die Spitze der Kinder zu stellen. Und er sagt zu Johannes: „Nicht mit Schlägen, sondern mit Sanftmut und Liebe sollst du diese dir zu Freunden machen. Fange sofort an, sie über die Hässlichkeit der Sünde und die Schönheit der Tugend zu belehren.“

Kein Wunder, wenn sich der kleine Johannes damit hoffnungslos überfordert fühlt. Aber in diesem Augenblick hören die Kinder auf mit dem Streiten und Fluchen und scharen sich um den vornehmen Mann. Der vornehme Mann versichert ihm: „Wie das geschieht, darüber brauchst du dir keine Sorgen machen. Du wirst eine Lehrmeisterin erhalten, die dir alles zeigen wird.“

Der kleine Johannes fasst sich ein Herz und fragt: „Wer seid ihr, Herr?“ „Ich bin der Sohn derjenigen, die täglich dreimal zu grüßen deine Mutter dich lehrte.“

Da sieht er auf einmal eine wunderschöne, hoheitsvolle Frau an seiner Seite. Die Kinder sind verschwunden. Dafür sieht Johannes jetzt eine Herde wilder Tiere. Die Frau nimmt ihn bei der Hand und erklärt ihm: „Schau, das ist dein Arbeitsfeld. Was du jetzt an diesen Tieren geschehen siehst, sollst du für meine Kinder tun.“

Als er ungläubig auf die wilden Tiere schauen will, erblickt er statt dessen eine Herde Lämmer, die um den Herrn und die Dame herumhüpften, als gäbe es ein Fest und dann ganz zutraulich auf ihn zukommen.

 

Der kleine Johannes erwacht schweißgebadet und erzählt am anderen Tag seiner Mutter und seinen Geschwistern den Traum. Die Deutung fällt unterschiedlich aus. Der eine Bruder meint: „Johannes, du wirst einmal Schafhirte werden.“ Ein anderer Bruder meint: „Vielleicht wirst du Räuberhauptmann.“ Die Großmutter meint: „Träume sind Schäume.“ Seine Mutter ist anderer Meinung: „Vielleicht wirst du einmal Priester.“

 

Dieser Traum ist die Geburtsstunde seiner Berufung für die Straßenkinder, die Geburtsstunde für den Wunsch, sich ganz ohne Gewalt, sondern mit Liebe für sie einzusetzen, um sie zu Gott zu führen, so wie Christus und Maria es ihm im Traum nahegelegt hatten.

 

Der Junge macht sich mit Feuereifer ans Werk. Er überlegt sich, wie er die anderen Kinder des Dorfes ohne Zwang dazu bringen kann, dass sie ihm freiwillig zuhören, wenn er ihnen von Gott erzählt. Da hat er eine Idee. Er arbeitet auf den Feldern der Bauern, um etwas Geld zu verdienen. Dieses verwendet er als Eintritt für Zirkusvorstellungen, Darbietungen von Gauklern und Zauberern. Doch Johannes bestaunt nicht nur die Tricks, sondern lässt sie sich auch erklären. Und ahmt er sie nach, mit großem Erfolg.

Sonntagnachmittags lädt er dann alle Kinder des Dorfes zur „Katechese“ mit anschließender „Zirkusvorstellung“ ein.

Zunächst singt er mit den Versammelten ein Kirchenlied. Es folgt der Rosenkranz. Dann steigt er auf einen Stuhl und trägt vor, was er sich von der Predigt gemerkt hat. Nach der Predigt kommt noch ein kurzes Gebet. Dann beginnt die Vorstellung.

Und aus dem Prediger wird ein Marktschreier. Er führt den Salto Mortale vor, geht im Handstand, schluckt Geldstücke und zieht sie anderen wieder aus der Nase, vermehrt Bälle und Eier, verwandelt Wasser in Wein, spaziert auf dem Seil wie auf einem Gehsteig. Er springt, tanzt, hängt mal an einem Bein, dann an beiden und dann wieder an beiden Händen oder nur an einer.

 

Immer stärker wächst in dem jungen Johannes der Wunsch, Priester zu werden. Als er vierzehn Jahre alt war, kam in seine Heimat ein 74 Jahre alter Priester, Don Calosso, der seine Pfarrstelle aufgegeben hatte. Dieser half ihm durch Privatunterricht, die ersten Schritte zu tun, um dann aufs Gymnasium gehen zu können. Aber vor allem gab er ihm „väterliches Vertrauen, Zuversicht, ein Gefühl von Geborgenheit“ und verkörperte für ihn das Ideal eines aufrechten Priesters.

Don Bosco erzählt später selbst, wie sehr er sich ihm damals anvertraute: „Ich habe mich ihm ganz zu erkennen gegeben. Jedes Wort, jeden Gedanken, jede Tat habe ich ihm bereitwillig offen gelegt. Das gefiel ihm sehr, denn so konnte er mich in gleicher Offenheit und aus festem Grund in geistlichen und weltlichen Dingen leiten... In dieser Zeit habe ich zu verstehen begonnen, was ein geistliches Leben ist...“

 

Da das Schulgeld fürs Gymnasium die finanziellen Möglichkeiten seiner Mutter überstieg, verdiente er es sich neben seiner Unterrichtszeit. Er erlernte den Kellnerberuf, arbeitete als Schmied, Bäcker und Schreiner. Auf diese Weise bekam er lebensnahen und praktischen Einblick in verschiedene Handwerkssparten, was ihm später in seiner Jugendarbeit zugute kommen sollte. Seine schulische Ausbildung litt nicht darunter. Mit sechzehn Jahren erhält er auf Grund seiner guten Noten den ersehnten Freiplatz im Priesterseminar.

Am Tag vor seinem Eintritt in das Priesterseminar nimmt ihn seine Mutter beiseite und sagt zu ihrem Sohn: „Mein Sohn, du ziehst jetzt das priesterliche Kleid an. Ich fühle darüber einen großen Trost, wie nur eine Mutter empfinden kann über das Glück ihres Kindes. Aber denke daran: Nicht das Kleid ehrt den Stand, sondern die Tugend. Solltest du je an deiner Berufung zweifeln, dann, bei Gott, entehre nicht dieses Kleid... Ich will lieber einen armen Bauern als Sohn haben als einen Priestersohn, der seine priesterlichen Aufgaben vernachlässigt... Und denke daran: Solltest du Priester werden und das Unglück haben, reich zu werden, dann werde ich nie mehr dein Haus betreten.“

Nach sechsjährigem Studium wird er schließlich 1841 zum Priester geweiht. Sein Spiritual, Don Cafasso, Dozent und begnadeter Gefangenenseelsorger, der bisher schon sein Leitbild war, wird nun sein Seelenführer. Als Johannes nach der Priesterweihe eine dreijährige theologische und pastorale Fortbildung machen durfte, fand er in diesem Priester einen ausgezeichneten geistlichen Begleiter. Don Bosco selbst sagte später: „Wenn ich etwas Gutes zustande gebracht habe, verdanke ich es diesem würdigen Geistlichen, in dessen Hände ich alles in meinem Leben gelegt habe, jede Entscheidung, jedes Vorhaben und alles Handeln.“

Don Cafasso ist es auch, der ihm das Elend der Arbeiter und Straßenkinder im nahen Industriezentrum vor Augen führt. Durch ihn kommt er auch in die Gefängnisse. Don Bosco selbst sagt später: „Es erfüllte mich mit Schaudern, dort Scharen von Jugendlichen im Alter von zwölf bis achtzehn Jahren zu sehen, gesund, kräftig, talentiert, die untätig herumsaßen, von Ungeziefer zerstochen, hungrig nach geistigem und leiblichem Brot. Wie sehr war ich betroffen, als ich merkte, wie viele das Gefängnis verlassen hatten mit dem Vorsatz, ihr Leben zu bessern, und dann sehen zu müssen, wie sie innerhalb kurzer Zeit wieder zurückkamen, weil sie sich selbst überlassen waren. Wer weiß, sagte ich mir, wenn diese Jugendlichen draußen einen Freund hätten, der sich um sie kümmert, der ihnen beisteht..., ob ihnen dies nicht helfen könnte, mit mehr Sicherheit ein neues Leben zu beginnen?“

Ein halbes Jahr nach seiner Priesterweihe kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung in der Sakristei der Konviktskirche, die Don Bosco später als den Beginn seines Werkes bezeichnet.

Es ist die Begegnung mit dem armen Maurerlehrling Bartolomeo Garelli. Dieser kommt mit seinem Leben nicht mehr zurecht. Im Verlauf des Gespräches erfährt der Neupriester, dass der Lehrling Vollwaise und einsam ist, er erfährt, dass die Kinder und Jugendlichen ihn im Katechismusunterricht auslachen, weil er weder schreiben noch lesen kann und dass er darum weggelaufen sei. Der Lehrling erzählt ihm, dass er ohne religiöses Wissen sei, dass er darum auch noch nicht einmal zur Kommunion gegangen sei. Er bittet daher Don Bosco um Hilfe, um Hilfe für sein Leben, für seinen Glauben. Er möchte gerne glauben, aber er weiß nicht, was das ist und wie das geht. Don Bosco nimmt ihn mit nach Hause, versorgte ihn und lud ihn mit großer Freundlichkeit sonntags zu sich zum Religionsunterricht ein. Der junge Mann fasst Vertrauen und kommt. Schon bald bringt er seine Freunde mit und die wiederum ihre Freunde. Am ersten Sonntag sind es sechs, in einem Monat 50 junge Leute. Ein erster Kreis männlicher Jugend beginnt sich um Don Bosco in Turin zu bilden: Junge Menschen, die sich ihm mit all ihren Ängsten und Nöten anvertrauen und mit seiner Hilfe wieder ins Leben zurückfinden wollen. Bald sind es mehr als hundert, dann vierhundert und es werden immer mehr. Mit ihnen feiert er die hl. Messe und unterrichtet sie. Mit ihnen geht er auf die Spielplätze, wird aber immer wieder verjagt. Diese oft verlachten, verspotteten, gedemütigten, vom Leben schwer gezeichneten Kinder und Jugendlichen kommen zu ihm, weil sie spüren, dass er es gut und aufrichtig mit ihnen meint. Diese jungen Menschen begegnen oftmals zum ersten Mal in ihrem Leben in Don Bosco einem Menschen, der sie nicht verlacht, nicht verachtet, nicht schlägt und wegjagt, sondern sie sehr ernst nimmt mit ihrem Nöten und Ängsten, mit ihrer inneren Hoffnungslosigkeit und Orientierungslosigkeit.

 

1884 wird Don Bosco Rektor im Spital der hl. Philomena. Seine Schützlinge begleiten ihn. Schon „belagern“ Hunderte von Kindern und Jugendlichen das Spital. Mit Hilfe und Erlaubnis des Erzbischofs richtet Don Bosco für seine Schar eine erste Kapelle ein, die Franz von Sales geweiht wird. Nach ihm wird später Don Bosco seinen Orden benennen: die „Salesianer“. Schon bald reichen die Räumlichkeiten nicht mehr aus.

 

Das Jahr 1846 wird das schwerste Jahr für Don Bosco. In den „gut bürgerlichen Kreisen“ stößt er auf Widerstand. Man schüttelt den Kopf über ihn und sucht ihn an seiner Arbeit zu hindern. Die Polizei lässt ihn bespitzeln. Sie wirft ihm vor, Revolutionäre auszubilden. Die eigenen Mitbrüder beobachten ihn und sein Tun mit Argwohn und Unverständnis. Auch die erzbischöfliche Kurie lässt ihn überwachen. Schließlich will man ihn in einer Nervenklinik, sprich Irrenanstalt unterbringen.

So erscheinen eines Tages zwei Priester, die ihn zu einer Spazierfahrt einladen. Das allein schon kommt Don Bosco recht komisch vor. Sein Misstrauen wird noch verstärkt beim genaueren Anschauen der Kutsche, deren Türen von innen nicht geöffnet werden können. Nach dem alten Spruch „Ehre, wem Ehre gebührt“, lässt Don Bosco die hochwürdigen Herren zuerst einsteigen, schlägt blitzschnell die Tür zu und befiehlt dem Kutscher: „Ab in die Klinik, wie besprochen, aber dalli!“

Alle Versuche, ihn von seinen Kindern zu trennen, scheitern am Widerstand Don Boscos. Trotz des Argwohn der zivilen Behörden und seiner Mitbrüder, trotz mancherlei Schikanen, trotz der Versuche, ihn in eine Irrenanstalt zu bringen, ja sogar trotz eines Mordanschlages bleibt er sich und seinem Weg treu, setzt sich durch und hat Erfolg. Unentwegt arbeitet er an seinem Werk.

Dazu kamen Schwierigkeiten finanzieller und räumlicher Art.

Don Bosco selbst berichtet: „Die Jugendlichen kamen in Scharen zu meiner Wohnung. Sie folgten mir auf Schritt und Tritt. Und ich hatte keine Handbreit Boden, wo wir uns hätten versammeln können... Mein Gott, rief ich aus, warum zeigst du mir nicht den Ort, wo ich meine Jugendlichen versammeln kann.“

Eines Tages bekommt er einen Schuppen und eine große Spielwiese für seine Jungen zur Miete angeboten. Don Bosco greift zu. Endlich hat er für die vielen elternlosen Kinder und die herumgammelnde, verwahrloste Großstadtjugend eine feste Bleibe.

Don Bosco ist überzeugt, dass in jedem ein guter Kern schlummert und dass man die Herzen der Jungen durch Liebe gewinnt, nicht durch Strenge. „Sie sind nicht schlecht, aber schlecht werden sie, weil sich niemand um sie kümmert“, sagt er einmal

Mit der Zeit bekommt er Helfer und  Mitarbeiter für sein Werk. Seine erste und wichtigste Mitarbeiterin (Köchin, Schneiderin, Gärtnerin) ist seine Mutter Margareta, die ihre letzte Habe, den Brautschmuck verkauft, um Brot für die Kinder erwerben zu können.

Zehn Jahre lang, bis zu ihrem Tod arbeitet sie mit ihrem Sohn für das Wohl der Kinder Gottes. Sie ist die mütterliche Seele für die Straßenkinder. – Einmal jedoch wurde es ihr zuviel. Die Jungen hatten in ihrem Übermut beim Spielen ihre Gartenbeete zertreten. Ihrem Sohn gab sie zu verstehen, sie könne die Rasselbande nicht mehr ertragen. Don Bosco nahm sie am Arm und wies auf das Kreuz an der Wand. Mutter Margareta musste sich eingestehen, an ihn, Jesus am Kreuz, habe sie jetzt nicht gedacht. Sie stellte ihre Siebensachen in die Ecke, band sich die Schürze um und begann wieder ihre Arbeit.

In einem Schuppen errichtet Don Bosco eine Abendschule mit den Elementarfächern für die Jugendlichen, um ihre beruflichen Chancen zu vergrößern. Andere Schulen und Lehrwerkstätten und Heime kommen dazu. Er verfasst als Stütze für den religiösen Alltag seiner Kinder und Jugendlichen viele lebensnahe katechetische Schriften und Schulbücher, die bald in ganz Italien und über die Grenzen hinaus bekannt werden.

Don Bosco sucht auch die Meisterbetriebe für seine Jugendlichen selbst aus und verschafft ihnen soziale und gerechte Verträge. In ihnen war der arbeitsfrei Sonntag und eine gerechte Entlohnung genauso festgelegt wie das Verbot jeglichen Missbrauchs der Arbeitskraft des Gesellen durch den Betrieb.

Don Bosco denkt immer mehr daran, wie sein Werk auch nach seinem Tod Bestand haben und weitergeführt werden kann. Schließlich gründet er dafür einen Orden, dessen Mitglieder sich mit ihrem Leben im Namen Gottes ganz in den Dienst der Kinder und Jugendlichen und ihres seelischen und leiblichen Wohles stellen und bereit sind, eine „Pädagogik der Liebe“ zu leben. So entsteht im Jahre 1861 die Kongregation der „Salesianer Don Boscos“. Und 1874 ruft er zusammen mit Maria Domenica Mazarello die Genossenschaft der Mariahilf-Schwestern zur Mädchenerziehung ins Leben.

Sein Lebensmut und Humor, sein Optimismus und unerschütterliches Gottvertrauen halfen ihm zeitlebens Schritt für Schritt das zu verwirklichen, was er im Kindheitstraum geschaut und als Berufung und Willen Gottes für sich erkannt hatte.

Als der Weg ein letztes Mal schwer wird, weil man, wie er sagte, nicht nur leben, sondern auch sterben lernen muss, da stützen ihn die, für die er gesorgt und die er unterstützt hat. Kurz vor seinem Tod lässt er ihnen ausrichten: „Sag meinen Buben, dass ich im Himmel auf sie warte.“

 

Don Bosco stirbt am 31. Januar 1888, ausgezehrt von der Jahrzehnte langen Seelsorge für „seine“ Kinder und am Ende seiner Kraft. Unter großer Anteilnahme wird er inmitten der Kinder und Jugendlichen, für die er und mit denen er gelebt hat, zu Grabe getragen.

Bei seinem Tod betreuen seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in 250 Heimen etwa 130.000 Jugendliche. Zu Lebzeiten gingen rund 2.500 Priester aus seinem Werk hervor. Was war das Geheimnis seines Erfolges?

Johannes Don Bosco war ein begnadeter Pädagoge. Er ging neue und ungewohnte Wege. Doch seine Erziehungsgrundsätze waren bahnbrechend, seine Ausstrahlung total positiv, sein Wesen äußerst gewinnend.

Bei allen Schwierigkeiten, die es zu bestehen und bei allen Hindernissen, die es zu meistern galt, überraschte immer wieder seine Fröhlichkeit. In seinem Brevier hatte er ein Lesezeichen. Darauf hatte er folgendes Wort aus dem Buch Kohelet (3,2) geschrieben: „Ich habe erkannt, dass es nichts Besseres im Leben gibt als fröhlich zu sein und Gutes zu tun“

„Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen“, war eine seiner Maxime, die man fast als ein Lebensmotto bezeichnen könnte.

Eine andere Maxime bzw. Grundeinstellung hat der Heilige einmal in dem Satz ausgedrückt: „Liebe und Güte... sollen mich in allem leiten.“

Wie notwendig und heilsam diese Grundhaltung nicht nur mit Kindern und Jugendlichen, sondern überhaupt ist, wissen wir alle. Aber wir wissen auch, wie schwer es ist, im Alltag nicht „aus der Haut zu fahren“ und nicht den Mut zu verlieren. Was führt auf die Dauer weiter: Resignation, Ärger und dauerndes Schimpfen oder der immer neue Versuch, wie Don Bosco zu handeln: „Liebe und Güte sollen mich in allem leiten“?

Seinen Mitarbeitern sagte er einmal: „Wollt ihr bei euren Jungen viel erreichen, dann zeigt euch keinem gegenüber beleidigt oder gekränkt. Ertragt ihre Fehler, korrigiert sie, aber vergesst sie auch. Zeigt ihnen eure Zuneigung und lasst sie erkennen, dass alle eure Bemühungen auf ihr zeitliches und ewiges Glück gerichtet ist.“

Einer der Biographen Don Boscos fasst seien Erziehungsweisheit folgendermaßen zusammen: „Vertrau dem Anderen, auch wenn er es nicht verdient, dann machst du ihn vertrauenswert. Und selbst wenn er nicht liebenswert ist, liebe ihn und zeige ihm diese Liebe, dann wird er liebenswert.“ – Don Bosco war ein großes Geschenk für die Kirche und ist es auch heute noch. Er hat an Aktualität nichts eingebüßt.

 

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