Exerzitien mit P. Pius

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Weihnachten - Zwiegespräch an der Krippe

(Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag 2009)

Ein kleiner Junge besuchte seinen Großvater. Er schaute zu, wie er an einer mächtigen Krippenfigur schnitzte. Einige andere standen schon fertig auf dem Tisch. Und als er ein wenig müde seinen Arm auf die Tischkante legte, ward er plötzlich gewahr, wie all die Gestalten lebendig wurden. Und er war ganz erstaunt, dass er mit ihnen reden konnte. - Und noch mehr: Hirten, Könige, Maria und Josef waren nicht mehr klein und er nicht mehr groß, sondern er ging mitten unter ihnen umher, ohne aufzufallen. - Und so ging er auch jetzt mit den anderen nach Bethlehems Stall hinein, um das Kindlein anzuschauen. Da lag es nun und blickte ihn freundlich an.

 

Plötzlich bekam er einen Schreck und die Tränen traten ihm in die Augen. - „Warum weinst du denn?“ fragte ihn das Christkind. „Weil ich dir gar nichts mitgebracht habe.“ - „Ich will aber gern etwas von dir haben“, entgegnete das Kind. Da wurde der Kleine ganz rot vor Freude. „Ich will dir alles schenken, was ich habe“, stammelte er.

 

„Drei Sachen will ich von dir haben“, sagte das Christkind. Da fiel der kleine Junge ins Wort: „Meinen neuen Mantel, meine elektrische Eisenbahn, mein schönes Buch mit den vielen Bildern?“- „Nein“, erwiderte das Jesuskind, „das alles brauche ich nicht. - Schenke mir deinen letzten Aufsatz“, sagte das Christkind im Flüsterton, damit es niemand anders hören sollte. Da erschrak der Kleine.

 „Christkind“, stotterte er ganz verlegen und kam dabei ganz nahe an die Krippe heran und flüsterte: Da hat doch der Lehrer ungenügend darunter geschrieben.“ - Eben deshalb will ich ihn haben.“ „Aber warum denn?“ fragte der Junge. - Du sollst mir immer das bringen, wo ‘ungenügend’ darunter steht. Versprichst du mir das?“ „Sehr gern!“ antwortete der Junge.

„Aber ich will noch ein zweites Geschenk von dir“, sagte das Jesuskind. Hilflos schaute der Junge. „Deinen Milchbecher!“ Aber den habe ich doch heute zerbrochen“, entgegnete er. - „Du sollst mir immer alles bringen, was du im Leben zerbrochen hast. Ich will es wieder heil machen. Versprichst du mir auch das?“

Wie gern wollte er das zusagen.

„Aber nun mein dritter Wunsch“, sagte das Christkind: „Du sollst mir nun auch die Antwort bringen, die du der Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbecher kaputt gegangen ist.“

Da legte der Kleine die Stirn auf die Kante der Krippe und weinte bitterlich: „Ich, ich, ich...“ brachte er unter Schluchzen mühsam heraus... „Ich habe den Becher umgestoßen und ich habe ihn absichtlich auf die Erde geworfen.“ - „Ja, du sollst mir immer alle deine Lügen, deinen Trotz, dein Böses, was du getan hast, bringen“, sagte das Jesuskind. „Und wenn du zu mir kommst, will ich dir helfen, gegen das alles anzugehen. Und ich will dich annehmen in deiner Schwäche. Ich will dir immer neu vergeben. Ich will dich an deiner Hand nehmen und dir den Weg zeigen. Willst du dir das schenken lassen?“ - Da hob der kleine Junge den Kopf und blickte das Jesuskind an: „Ja, das will ich!“  (erzählt von Walter Baudet)

 

DU SOLLST MIR IMMER ALLES BRINGEN, WAS IN DEINEM LEBEN UNGENÜGEND IST

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Meinen wir nicht oft, wenn Gott zu uns sagt: „ich will etwas von dir haben“, dann müssten wir ihm große und teure Sachen geben? Für den Bub ist es der neue Mantel, die elektrische Eisenbahn, das schöne Buch. - Für uns Erwachsene: große Opfer, gewaltige Verzichte, viele Gebote befolgen, eine große Spende machen.

 

Weihnachten sagt uns: das alles ist bei Gott gar nicht das Wichtigste; daran ist ihm so sehr gar nicht gelegen; dazu ist er nicht auf die Erde gekommen.

An Weihnachten sagt er zu mir: „Du sollst mir bringen, was in deinem Leben ungenügend ist: deinen mangelnden Glauben, deine unvollkommene Liebe, deine Zweifel, deine ablehnende Haltung, dich von mir lieben zu lassen; das unterlassene Gebet, den versäumten Gottesdienst; die verpassten Chancen zum Guten.

All das will ich annehmen. Gib es mir, lass es hier! Ich will es ‘genügend’, ja sehr gut machen.“

 

Liebe Mitchristen!

Das ist nicht mehr bloß ein Traum. Seit Weihnachten ist das Wirklichkeit. „Heute ist euch der Retter geboren!“

 

DU SOLLST MIR GEBEN, WAS ZERBROCHEN IST. ICH WILL ES HEIL MACHEN!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Geht in unserem Leben nicht manches kaputt und in die Brüche? Ist da nicht so manches bruchstückhaft? Gibt es nicht immer wieder Scherben und Tränen? - Das mag bei Spielsachen, Milchtöpfen und anderen Dingen nicht so schlimm sein. Aber wir Großen kennen ja auch ganz anderes:

  • Da ist die Liebe zweier Menschen zerbrochen. Ich komme nicht darüber hinweg.

  • Da ist mein Glaube am Zerbrechen. Zweifel nagen. Ich kann nicht mehr beten. Ich weiß nicht, wie ich zu Gott finden soll.

  • Da ist mein Herz fast zerbrochen. Schweres Leid ist über mich gekommen. Es hast mich ganz hart und schlimm getroffen.

  • Jemand spürt die Not der Trennung von den Kindern.

  • Jemand ist arbeitslos und er fragt: Was hat mein Leben überhaupt noch für einen Sinn?

  • Jemandem macht eine Krankheit schwer zu schaffen.

  • Jemand ist enttäuscht worden. Hoffnungen sind zerbrochen, Vertrauen zerstört. Und die Wunde will nicht heilen.

 Ich bin sicher: Jeder von uns kennt Zerbrochenes in seinem Leben. Jeder von uns könnte von Verletzungen in seinem Leben erzählen. Es gibt kein Leben ohne Wunden. Viel wird zerbrochen an Glück und an Hoffnung.

„Du sollst mir immer das bringen, was zerbrochen ist. Ich will es heil machen. Gib mir dein Zerbrochenes! Gib mir deine Wunden!“

 

Liebe Mitchristen!

Das ist nicht mehr bloß ein Traum. Seit Weihnachten ist das Wirklichkeit! - Wir dürfen alles Zerbrochene ihm bringen. Wir dürfen es ihm geben, dem göttlichen Kind. Wir dürfen es in die Krippe legen. Alles kann Erlösung und Heilung finden.

„Heute ist euch der Heiland geboren!“

 

DU SOLLST MIR ALL DEINE LÜGEN, DEINEN TROTZ, DEIN BÖSES BRINGEN.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wie oft leiden wir darunter, dass wir uns vor Menschen verstellen müssen, dass wir vor ihnen mit Masken herumlaufen müssen. Wir leiden unter unseren alltäglichen Lügen. Wir leiden unter unserer Bosheit. Wir leiden an unserem Trotz und kommen nicht darüber hinweg. - Wo ist Hilfe? Wer holt uns heraus?

Unsere Schuld verdrängen wir, aber sie holt uns immer wieder ein.

Wo ist Vergebung? Wer nimmt uns so an, wie wir sind?

„Heute ist euch der Retter geboren!“

An Weihnachten spricht Gott zu mir: „Wenn du zu mir kommst, will ich dir helfen. Bei mir darfst du schwach sein. Ich nehme dich an. Ich sage Ja zu dir. Immer neu will ich dir vergeben. Ich nehme dich an der Hand und zeig dir den Weg. Willst du dir das schenken lassen?“

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Das ist nicht mehr bloß ein Traum. Seit Weihnachten ist das Wirklichkeit. - Jeder kann Frieden, den Frieden des Herzens und Freude erfahren. - Deswegen ist Weihnachten geworden. Deswegen ist Gott ja zu uns gekommen: „Heute ist euch der Heiland geboren, Christus, der Herr!“

An Weihnachten sind wir vor allen Gaben, die wir selber geben, immer schon vorweg selbst die Beschenkten, beschenkt mit der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes.

Und das ist die frohe Botschaft von Weihnachten:

In Jesus Christus ist uns Gott ganz nahe gekommen und hat uns seine menschenfreundliche Liebe geschenkt. Das Kind in der Krippe ist buchstäblich das reine „Entgegenkommen“ Gottes, Gottes uneingeschränktes, unüberbietbares „Ja“!

  • Mächtigen muss man gehorchen.

  • Starke muss man fürchten.

  • Reiche mag man beneiden.

  • Kluge kann man nur bewundern.

Vor einem Kind braucht man keine Angst haben.

Ein Kind – kann man nur lieben.

Darum kommt Gott nicht groß und mächtig in die Welt,

sondern als Kind.

Schreiben wir es uns und jedem ins Herz:

„Fürchtet euch nicht! Freut euch! Euch ist heute der Heiland geboren, Christus, der Herr!“

 

Ich wünsche Ihnen, ich wünsche mir, lb. Sr. u. Br., dass wir in unserem Alltag aus der Kraft dieser Zusage leben können.

Denn: „Heute ist dir und mir, heute ist uns der Heiland geboren!“

 

Gebet

Gott, du bist mit uns in deinem Sohn Jesus Christus. Du liebst uns. – Lass uns nicht zögern, dir anzuvertrauen, was in unserem Leben ungenügend ist, was alles zerbrochen und verwundet ist. – Wenn wir es dir geben, kannst du es heilen und ganz machen. Du nimmst uns an. Du verzeihst. Deine Liebe ist größer als alle Schuld. Lass uns in dieser Zuversicht leben. Darum bitten wir.

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